I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.

  • Reingefallen!

    April, April! (Teil 2)

    Es gibt natürlich noch mehr im April. Zum Beispiel das Aprilwetter. Das ist nicht verlässlich und nicht stabil, sondern launisch. So, wie das Leben selbst: Ein Sehnen nach Wärme, aber mit Rückschlägen in die Kälte. Ein Würfel-Roulette. Irritierende Ergebnisse, wettertechnisch betrachtet. Kapriolen eingerechnet. Wir können auf nichts wetten … 

    Aber dieses Durchwachsene, diese Unberechenbarkeit ist die Regel. Erwarten wir also nicht zu viel. Erst recht keinen „Start-Ziel-Sieg“. Den gibt es nur beim Autorennen, wenn alle im Kreis fahren. Aber niemals im Leben.  

    Ein Tipp: Wenn wir bereit und offen dafür sind, uns selbst „auf den Arm“ zu nehmen, uns selbst „in den April“ zu schicken, mit uns selbst zu scherzen, fällt manches leichter. Wie sagte schon der Meinungsführer in der Kommunikationswissenschaft, Paul Watzlawick (1921-2007): „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“

    Richtig so. Die Erde ist ein Lernplanet. Unser Leben ein Theater. Eine Schauspielbühne. Ein Varieté. 

    Wenn ich in den April geschickt werde oder mir irgendetwas misslingt, dann benutze ich seit einigen Jahren im Gespräch mit mir selbst einen kurzen englischen Ausdruck. Und der lautet: „So what!“ – Was soll’s?“ Alles nicht so wichtig. Oder: Nicht von Belang. Ein englisches „Na und?!“ –

    Wir übertreiben es ja oft mit unseren Sorgen und Ängsten. Ich brauche nicht über alles die Kontrolle zu bewahren. 

    Am Spiegel meines Praxisbades stand viele Jahre ein kleines Schild mit der Aufschrift: „Relax! Nothing is under control.“ – Also: „Entspanne Dich!“ Und frei übersetzt: Atme durch! Alles geschieht, wie es geschehen soll. Du musst es nicht steuern. Du darfst ein Passagier Deines Lebens sein. 

    Der April macht, was er will! 

    Das weise Leben auch. Also: Nimm Dich nicht so wichtig! 

    So what!

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Reingefallen!

    April, April! — Teil 1

    Du kennst Aprilscherze?! Und wenn Du keine Ausnahme von der Regel bist, hat man Dich im Laufe Deines Lebens schon viele Male „in den April geschickt“. 

    „In den April schicken“ … also jemanden „aufziehen“, necken, ihm eine „lange Nase“ machen. Jemanden „auf den Arm nehmen“. Ein indirektes „Ätsch, reingefallen!“ zurufen. Und sich daran erfreuen, wenn die andere Person tatsächlich reingefallen ist.

    „Du hast da was am Mund hängen!“ Oder: „Hinten hast Du einen blauen Fleck auf Deinem Hemd!“, pflegte meine Frau zu sagen, wenn sie sicher war, dass ich den 1. April noch nicht auf meinem Bildschirm hatte. 

    Was hat es mit diesem Brauch auf sich?

    Da sich heute (fast) alles im Internet nachlesen lässt, macht auch der „Aprilscherz“ keine Ausnahme. Nicht sensationell, aber zutreffend ist zu lesen: „Als Aprilscherz bezeichnet man den Brauch, seine Mitmenschen am 1. April durch erfundene oder verfälschte, meist spektakuläre oder fantastische Geschichten, Erzählungen und Informationen in die Irre zu führen und so „zum Narren zu halten“. Aufgelöst wird der Schwindel meist mit dem Ruf „April, April!“

    Als ich am 1. April(!) 1967 – nach meiner Mittleren Reife und einer zweijährigen Ausbildung auf der Höheren Handelsschule – als Finanzanwärter beim Krefelder Finanzamt begann, wurde ich noch am selben Tag „in den April geschickt“. Alle Neuen erhielten nämlich den Auftrag, sich in einem bestimmten Büro auf der nächsthöheren Ebene das „Augenmaß“ abzuholen. Alle älteren Finanzamts-Häsinnen und -Hasen kannten natürlich die Bedeutung und schickten mich – und alle anderen neuen Azubis – von Büro zu Büro, weil das „Augenmaß“ wohl gerade verlegt worden sei. Erfolglos wieder zurückgekehrt, gab es für die auf den Arm genommenen Kandidatinnen und Kandidaten ein mitleidiges Grinsen oder ein triumphierendes Lachen. April, April! Vergaukelt, verschaukelt, veräppelt.

    Und dennoch wurde von allen beteiligten Beamtinnen und Beamten augenzwinkernd vermittelt: „Willkommen! Du bist jetzt einer von uns. Denn Du hast die Feuertaufe bestanden!“ 

    Wer uns immer wieder in den April geschickt hat, war ein gewisser Till Eulenspiegel. – Till Eulenspiegel war – nach Wikipedia – ein „umherstreifender Schalk des 14. Jahrhunderts, der sich dumm stellte, tatsächlich aber gerissen war und seinen Mitmenschen immer neue Streiche spielte“. In einer Abbildung von 1515 präsentiert der junge Eulenspiegel sein nacktes Hinterteil. 

    Eulenspiegel wird oft mit Attributen wie einer Narrenkappe dargestellt. Allerdings ist er mehr als nur ein Narr. In den Geschichten des Till scheint er viel mehr seinen Mitmenschen an Geisteskraft, Durchblick und Witz überlegen. Manche sehen in ihm auch eine Person anarchischer Unangepasstheit. Einen „Possenreißer“ sowieso.

    Wie unser gerade verstorbener Krefelder „Zwergen“-Künstler Will Cassel, der gerne seine Nähe zu den Possenreißern beschrieb. Und sich selbst auch so sah. 

    Till Eulenspiegel hätte uns alle gerne in den April geschickt.

    Wird fortgesetzt 

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Mut braucht Zweifel 

    Erinnerst Du Dich an den Film „Der Club der toten Dichter“, in dem eine Szene am Ende viele Zuschauer berührte? Der engagierte und beliebte Englischlehrer, gespielt von Robin Williams, wird von der Schulleitung entlassen – Sieger und Verlierer zugleich durch die Umstände der Geschichte. Da steht der ehemals Schüchternste aller Schüler auf und klettert, inmitten seiner Kameraden, auf seinen Schreibtisch … viele andere tun es ihm nach. Diese Geste bedeutete so viel wie: Ich lasse mich nicht länger unterdrücken, auch wenn ich gerade Kopf und Kragen riskiere! Ich stehe für meine inneren Überzeugungen ein!

    Es war der Mut zu diesem Schritt, der den ängstlichsten Schüler im Film zum Helden machte. 

    Wie häufig hast Du gezweifelt, ob das, was Du tust, akzeptiert wird? Ob sich Dein Handeln wirklich lohnt? Mut setzt den Zweifel voraus. Wer nicht zweifelt, kann übermütig werden. Mut kennt auch die Frage nach dem: „Soll ich wirklich? Was gebe ich auf? Was lasse ich los? Was riskiere ich?“ 

    Gerade, wenn Du Dein Leben für eine Niederlage hältst, wächst der Mut zur Veränderung. Zweifel und Verzagtheit sind der Kiel, der Dein Schiff dem Mut entgegen treibt. Sie setzen den Wandel frei!

    Vor einiger Zeit kam ein 39-jähriger Arbeiter zu mir in die Therapie. Auf seiner Arbeitsstelle fühlte er sich permanent abgewertet, nicht ernstgenommen: Wenn er für seine Kollegen Bier heranschleppen solle, könne er nicht „Nein“ sagen. Auch Zuhause stünde er unter der Fuchtel seiner Frau – und überhaupt, alle Menschen machten mit ihm, was sie wollten.

    Ich bestätigte ihm, dass er ein armer Kerl sei. Das wollte er wohl auch hören. Die Wende kam bald. Denn wichtig war für ihn, an seinem mangelnden Mut zu arbeiten. Er nahm sich vor, den Satz „Ich habe Mut!“ per „Huckepack-Verfahren“ zu lernen.

    Das bedeutet: Wenn Du einen Gedanken, eine Einstellung, die noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, im Unterbewusstsein verankern willst, dann knüpfe sie an eine Tätigkeit, die Du Tag für Tag ohne nachzudenken praktizierst.

    Dieser Patient trug zusätzlich zu seinem Job jeden Morgen Zeitungen aus. Vor jedem Einwurf sagte er jetzt zu sich selbst: „Ich habe Mut!“ Dreihundert Mal am Tag. 

    Vier Tage später stand er ohne Termin in meiner Praxistüre: „Dieser Satz sitzt. Den nächsten bitte …“ So verankerte er in einem Monat vier Sätze. Und war wie ausgewechselt: Den Kollegen sagte er die Meinung, seiner Frau gab er selbstsicher, aber liebevoll Widerworte – und ein halbes Jahr später fuhr er für mehrere Monate auf Montage nach Südafrika. Ein Wunsch, den er sich bis dahin nie erfüllen mochte. Mut wächst mit dem Beginnen. 

    Die buddhistische Nonne und Schriftstellerin Pema Chödrön drückt es so aus: „Wir sind gewohnt zu denken, dass die Menschen, die mutig sind, sich vor nichts fürchten. Aber in Wirklichkeit sind sie mit der Furcht sehr vertraut.“

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Was ist Liebe?

    Friedrich Nietzsche soll gesagt haben: „Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.“ Ist jedenfalls auf einer Karte zu lesen, auf der zwei punkig schrille Typen Hand in Hand durchs Leben zappeln.

    „Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen“, wusste früher der Volksmund. Was damit gemeint war? Unter dem Strich geht es immer um Liebe und das Bezogensein aufeinander.

    Wer kann das ehrlicher, unbeschwerter und unverfälschter beschreiben als Kinder und junge Menschen verschiedener Nationen? Auf die einfache Frage: „Was ist Liebe?“ antworteten sie: 

    • „Liebe bringt Dich zum Lächeln, wenn Du müde bist.“
    • „Liebe ist das, was mit Dir im Raum ist, wenn Du an Weihnachten aufhörst, Geschenke aufzumachen und lauschst.“
    • „Wenn Du jemanden liebst, gehen Deine Augen auf und lauter kleine Sterne fliegen aus ihnen heraus.“
    • „Liebe ist wie eine kleine alte Frau und ein kleiner alter Mann, die immer noch Freunde sind, obwohl sie sich so gut kennen.“
    • „Als meine Oma Arthritis bekam, konnte sie sich nicht mehr nach vorne beugen und ihre Zehennägel lackieren. Ab da tat es mein Opa für sie, auch dann, als seine Hände ebenfalls Arthritis bekamen. Das ist Liebe …“ 
    • „Es gibt zwei Arten von Liebe. Unsere Liebe. Und Gottes Liebe. Aber Gott macht sie alle beide.“
    • „Liebe ist, wenn Mami Papi das bessere Stück Hühnchen gibt.“ 

    Diese Weisheiten aus Kindermund berühren auch die Herzen Erwachsener. Kein Wunder. Wir Menschen sind „Säugetiere“ und brauchen deshalb die Nähe und Wärme einer Beziehung und sozialen Gruppe. Wir sind nicht für ein Einsiedlerleben gemacht. 

    Dass wir uns nicht umarmen dürften, traf uns in der Corona-Krise am meisten. Die Sehnsucht nach körperlicher Berührung liegt in unserem Erbgut, in unserer DNA. Sich zu berühren spricht alle Sinne an. Es sind Gesten der Vertrautheit und Liebe. 

    Treffen wir Menschen. Gehen wir in Beziehung. Den Wert der Bezogenheit aufeinander hat Virginia Satir, die Begründerin der Systemischen Familientherapie, so beschrieben: „Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. – Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn das geschieht, entsteht Beziehung.“

    Der Zen-Meister und Mystiker Willigis Jäger (1925 – 2020) sagte: „Was wir am Ende unseres Lebens in Händen haben, sind nicht unsere Leistungen und unsere Werke. Wir werden uns zuerst und vor allem der Frage stellen müssen, wie viel wir geliebt haben.“

    Und das italienische Genie Michelangelo Buonarroti (1475 – 1564), als Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter weltbekannt, sprach die Worte: „Die Liebe ist das Flügelpaar, das Gott der Seele gegeben hat, um zu ihm aufzusteigen.“

    Auf einer rostigen Metalltafel entdeckte ich den Spruch: „Wir sind Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir uns umarmen.“

    Gibt es etwas Schöneres auf diesem Planeten als Zärtlichkeit zwischen den Menschen? 

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Abschied und Neubeginn

    Teil 3

    Kennen Sie die Trilogie „Herr der Ringe“? Oder den „Krieg der Sterne“? Oder „Titanic“? Alles Filmklassiker.

    Vielleicht kennen Sie ja auch die „Odyssee“, das klassische Epos des griechischen Dichters Homer. Oder „Parzival“, einen Versroman aus dem 13. Jahrhundert, der sowohl die Entwicklung Parzivals vom Unwissenden im Narrenkleid zum Gralskönig, als auch die gefahrvollen Bewährungsproben auf dem Weg dorthin beschreibt.

    Was ist das Gemeinsame aller hier dargestellten Beispiele? 

    Es sind sogenannte „Heldenreisen“. (Natürlich auch „Heldinnenreisen“.) 

    Alle Handlungen führen auf Wege der inneren Selbstfindung. Meistens in epischer Länge, durch viele Höhen und Tiefen, Irrungen und Wirrungen, Umwege, Stolperfallen und Sackgassen hindurch. Läuft es gut, winken auf der Zielgeraden des Lebens Erfüllung, Seelenruhe und Weisheit.

    Wie in den beiden Artikeln zuvor, bleiben wir beim Thema der „Lebenswanderschaft“, der Lebensreise. Abschied und Neubeginn begleiten uns tagtäglich, im Kleinen – und manchmal auch im Großen.  

    Lernen wir an dieser Stelle von der Trilogie „Herr der Ringe“. Frodo, der Hobbit, wohnt mit seinen Freundinnen und Freunden in Mittelerde, einem friedlichen Land mit sanften Hügeln und kuscheligen Häuschen. In diese Idylle bricht der Ruf des Schicksals in Form von Gandalf, dem Zauberer, ein. 

    Ein erster Abschied ist nahe. Denn Frodo muss dem Ruf des Schicksals folgen und mit seinen Freunden und Helfern durch unbekannte Länder, drohende Gefahren, durch Intrigen und Gefechte, durch Hoffnung und Zweifel gehen. Und manchmal auch ums Überleben kämpfen. 

    Abschied und Neubeginn an allen Ecken und Enden.

    Unsere eigenen Abschiede und Aufbrüche zeigen uns, wie spannend dieses Leben sein kann. Wir brechen auf zu einer Reise, in den neuen Job, in neue Beziehungen, in neue Lebensabschnitte. „Aufbruch“ heißt dabei: Aufbrechen aus alten Strukturen, Zurücklassen vergangener Lebensinhalte, um dem Neuen entgegenzustreben. 

    Ein wirklicher Abschied setzt die Entscheidung zur Veränderung voraus. Diese Entscheidung wächst oft nur langsam. Reift erst in einem dauerhaften Hin und Her. 

    Viele Menschen schwanken immer wieder in ihren Entscheidungen, finden nicht zur Klarheit. Und leiden dann – psychosomatisch betrachtet – sogar unter häufigem Schwankschwindel. Der Leib zeigt die Verwundungen der Seele auf. Denn unser Körper ist die Bühne für unsere Gefühle. 

    Entscheidungen zum Aufbruch dauern oft lange. Wenn aber eines Tages die Entscheidung zur Veränderung, zum Neubeginn gefallen ist – und zudem aus ganzem Herzen getroffen wurde –, gibt es nur eine Richtung: Sich umdrehen und gehen – in den Neubeginn hinein!

    Und noch eine Weisheit ist zu beachten. Und die lautet: „Wenn Du Dich zum Aufbruch, zum Neubeginn entschieden hast – dreh Dich nicht mehr um!“ Denn das Gestern saugt Dir Deine Energien ab, bindet Dich wie ein Bungee-Seil an Deiner Vergangenheit fest, kostet Dich Kraft und Mut. 

    Dein Leben ist eine Wanderung durch Deine äußeren und inneren Welten. In der Initiative liegt Reichtum. Eine Erfahrung, eine Anziehung, ein Zauber. 

    Abschied und Neubeginn … Lebe kein langweiliges, genormtes Leben. Ich wünsche Dir Mut zur Hingabe und zur Leidenschaft. Das Leben ist da – spring hinein!

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Abschied und Neubeginn

    Teil 2

    Unser Thema sind die „Übergänge im Leben“. 

    Was aber, wenn der Aufbruch stockt, die Wege zu mühsam erscheinen?

    Dann widmen Sie sich in einer stillen Stunde der folgenden Übung. Sie lautet: 

    Gehen Sie die Geschichte Ihrer Anfänge durch!

    Alle von uns haben immer wieder neu angefangen. Wir alle haben in unseren Leben falsche Entscheidungen getroffen, sind gestürzt, lagen am Boden, hatten verloren … und sind wieder aufgestanden. Haben uns geschüttelt. Und sind wieder weiter gegangen. So wie kleine Kinder, die laufen lernen. Und hinfallen. Sich aufrappeln, gehen … und wieder hinfallen. Würden sie nicht immer wieder aufstehen, lägen sie noch heute. 

    Also: Lassen Sie sich Zeit und reisen Sie in Ihre Vergangenheit. Schreiben Sie die Geschichte aller Ihrer Anfänge auf. 

    In welchen Situationen und Krisen haben Sie nicht aufgegeben, sondern neu angefangen? Haben Wendepunkte geschafft. Haben Blockaden aufgelöst und sind nach vorne ins Neuland gewandert. Sind ins Risiko gegangen und haben Mut bewiesen. 

    Schreiben Sie alles auf – und ergänzen Sie die Liste in den kommenden Wochen. Sammeln Sie eine faszinierende Perlenkette Ihres Anfangen-Könnens. 

    Aller Anfang kann leicht, aber auch schwer sein. Vielleicht helfen Ihnen auch Bücher großer Autoren, mit denen Sie etwas anzufangen wissen. Die in ihren Romanen und Geschichten Altes losgelassen und Neues begonnen haben. Denn alles Neue setzt Abschiede voraus.

    Und fangen Sie an zu träumen. Träumen Sie vom Reichtum und vom Zauber des Anfangs. Wie es schon der Schriftsteller Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“ ausdrückte: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben … Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

    Gehen Sie auf – innere und äußere – Wanderschaft. Vielleicht merken Sie dann erleichtert und beglückt, dass Abschiede zwar schwerfallen, aber gute Energien freisetzen. 

    Wir sind geboren, uns zu wandeln.

    Wird fortgesetzt

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Abschied und Neubeginn

    Teil 1

    Sind Sie schon mal gewandert? Von A nach B? Also auf ein Ziel hin? Oder sind Sie gewandert, um die Natur zu betrachten, den Hügel zu besteigen, den See zu umrunden? 

    Das Motiv des Wanderers ist eine schöne Metapher für Veränderung. Jeder Blick ist anders. Jeder Schritt ist neu. Jede Bewegung ist einmalig. Der Wanderer verlässt den alten Standort für eine neue Erfahrung. Er nimmt Abschied ohne sicher sein zu können, dass seine Reise genau nach seinen Plänen weiter geht. Manches bleibt unwägbar. Wer sein Haus verlässt, begibt sich ins Ungewisse. 

    Dazu sind wir geboren. Wir können nicht über Jahre im Uterus verharren. Dafür sind wir Menschen nicht geschaffen. Spätestens nach neun Monaten arbeiten wir uns durch einen engen Kanal. Werden durch Wehen gepresst. Und im Moment der Abnabelung müssen wir auf eigene Rechnung atmen.

    Wir alle wachsen in die Veränderungen hinein. In Abschiede von vertrauten Situationen, Menschen und Dingen. Das bezeichnen Psychologen als die „Übergänge im Leben“. 

    In einer Filmkomödie mit dem Titel „Vater einer Tochter“ aus dem Jahr 1966 entlässt der Zahnarzt Dr. Stegemann seine einzige Tochter in die eigene Familiengründung. Als sie und ihr Mann nach Südafrika auswandern, und der Film am Bahnsteig zeigt, wie sie auf den Zug zum Flughafen warten, höre ich noch wie heute die Worte des Vaters (Georg Thomalla), die er in einer wehmütigen und melancholischen Art vor sich hinspricht: „Ja, ja … das Leben ist ein Abschiednehmen.“ 

    ‚Nee‘, fuhr es mir damals, mit 18 Jahren, durch den Kopf, ‚stimmt nur halb. Es ist ja immer auch ein neues Begrüßen.‘

    Menschen verabschieden wir – und lernen neue kennen. Sachen schmeißen wir auf den Müll – und kaufen uns neue Dinge. Ideen verwerfen wir – und fördern neue zutage.

    Wir sind geboren, um Erfahrungen zu machen auf diesem Lernplaneten. Uns auszuprobieren. Gegen unsere Ängste anzugehen. Mutig zu sein. Und, wenn wir uns dafür entscheiden, mit Hingabe und Leidenschaft zu leben.

    Das Motiv des Wanderers kann uns dabei nützlich werden. Der Aufbruch aus der vertrauten Umgebung. Den Boden unter den Füßen spüren. Den Weg und die Erde. Das Laub und die Steine.

    Wie die Reise des Helden, der Heldin, in den alten Sagen und Märchen.

    Wird fortgesetzt

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Fenster zum Hof

    Teil 2

    Als ich den ersten Teil dieser Geschichte schrieb, lagen noch einige Jahre Praxis vor mir. Heute verabschiede ich mich von meinem Therapieraum und vom Fenster zum Hof. Eine Epoche geht zu Ende. Seit 1980 habe ich mich hier mit Menschen getroffen, um sie in ihren vielfältigen Lebenskrisen zu begleiten. Als Therapeut, als „Fährmann“, und manchmal auch als Freund. Ich habe ihnen viel zu verdanken. Von allen habe ich lernen dürfen. Sie brachten mir das Leben näher. Und meine Aufgabe war, ihnen ihr Leben „schmackhaft“ zu machen. Selbst in Krisen nicht aufzugeben, sondern sie als Wegweiser zu verstehen. Um sagen zu können: „Immer wieder aufstehen! Immer wieder überzeugt sein: Es geht doch!“

    Wie sagte der Kultregisseur Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) in Zeiten seiner tiefsten Depression: „Das Leben ist so kostbar. Sogar gerade jetzt!“

    Mein verstorbener Mentor, der Psychoanalytiker Dr. Wolf Büntig untermauerte seine Idee von einem besseren Leben, indem er sagte: „Solange wir uns zusammenreißen und alles in den Griff kriegen wollen, halten wir unser Leben aus – statt es mit Hingabe und Leidenschaft zu leben.“ Wir sollten nichts „in den Griff kriegen“ wollen – denn dann halten wir unser Leben im Würgegriff gefangen.

    Im Gegenteil: Wir sollten ein flexibles und achtsames Leben führen. Auf eine Art, die für jeden von uns stimmig ist. Lasst uns unsere eigene Lebensmelodie spielen. Und uns selbst liebevoll und freundschaftlich durch jeden Tag begleiten. Denn das Gegenteil wären Freudlosigkeit und Fremdbestimmung. Niedergang und Depression. Und das willst Du doch sicher auch nicht, oder?

    An meinem Fenster zum Hof wird jetzt ein anderer Mensch stehen und in den kleinen Garten hinausschauen. Abschied und Neubeginn hängen zusammen. Und eine Türe, die sich schließt, gibt einer anderen die Chance, sich zu öffnen. So ist das mit den Lebensumbrüchen. Geben wir unserem Leben doch öfters die Möglichkeit, sich selbst zu feiern.

    So, das war’s … auf der Liebfrauenstraße 12 in Krefeld. Nun bin ich nicht mehr über meine bisherige Praxis-Telefonnummer (02151/28241) erreichbar. Aber nach wie vor bin ich da, wenn man mich fragt. Solange meine Gesundheit hält, höre ich nicht auf. Ab jetzt berate ich in unserem Privathaus auf dem Josef-Brocker-Dyk 84 in Krefeld. Und erreichen können Sie mich unter 0177/7728241. Über Kasse abzurechnen … das geht allerdings nicht mehr.

    Ein gutes, gesundes und achtsames neues Jahr.Wohl bekomm’s!

    Ein Nachtrag: Wenn ich mich manchmal als „Fährmann“ bezeichne, dann aus folgendem Grund: Ein Fährmann begleitet die Menschen vom alten zum neuen Ufer. Das neue Ufer liegt – ganzheitlich betrachtet – im Inneren, in der Seele der Menschen. Ein Fährmann der Seele führt die Menschen nach innen, auf dass sie sich selbst erkennen und lieben lernen.

    Und nicht vergessen: Humor ist Balsam für die Seele. Du brauchst keine rote Clownsnase, um fröhlich zu sein. Obwohl sie den meisten – zumindest zeitweise – gut zu Gesicht stehen würde …

    Meine „Futter für die Seele“-Geschichten schreibe ich weiter. Sie sollen dazu anregen, Dir Gutes zu tun. Und Dich für Deine Gefühle zu öffnen. Mit Dir freundlich umzugehen. Und Dich manchmal auch zum Schmunzeln zu bringen.

    Auf zu neuen Ufern!

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Fenster zum Hof

    Teil 1

    Immer der gleiche Blick. Ein halbes Leben sitze ich an diesem Fenster. Am Fenster zum Hof. Dort steht mein Schreibtisch.

    ’Zu viel gestapelt‘, denke ich. – ’Noch nicht bearbeitet!‘ mahnt mein innerer Antreiber. Und sagt: ’Du wolltest den Stapel doch vor den Weihnachtstagen vom Tisch kriegen!‘ – ’Ja, ich weiß …‘, murmelt mein Pflichtbewusstsein. Und sowas von ’Entschuldigung.‘ – ’Es ist doch bald Weihnachten. Haltet Frieden!‘, mischt sich eine dritte Seite ein. Der innere Regisseur. Oder auch der Versöhnungsengel. Ich weiß es nicht. 

    Es ist Dezember. Im Hof steht die Laterne, die jetzt, in der Dunkelheit, ihr warmes Licht in mein Fenster scheinen lässt. Im kleinen Beet sind die Sträucher noch nicht zurückgeschnitten. 

    Ich sitze gerne hier. Meine Praxis ist mir vertraut. Auch die beiden Stapel rechts und links von der Schreibfläche.

    Und der kleine Garten im Hof bedeutet … Ja, was? … Beständigkeit? Verlässlichkeit? … Oder – einfach ein Stück Heimat für mich?

    ’Heimat ist ja ein einfacher Begriff – und dennoch sehr komplex‘, denke ich. Es gibt praktisch keine Mehrzahl. Und jeder versteht etwas anderes darunter. Ein 17-jähriger Tamile schrieb kurz vor seinem deutschen Abitur ein Buch mit dem Titel: „Zweiheimisch.“ Dort und hier. 

    Heimat ist für mich die Basis zum Wohlfühlen. Wo meine Familie ist, meine sozialen Kontakte, wo ich gerne lebe. Wo ich weder Skype noch Internet brauche, um mich zu verabreden. Und wo ich keine Verrenkungen machen muss, um geliebt zu werden.

    Jugendliche wurden vor kurzem befragt, was sie unter „Heimat“ verstehen und wo Heimat für sie ist. Einer antwortete: „Heimat ist da, wo es WLAN gibt.“ Ein anderer: „Wo die Steckdosen sind.“ Aber auch: „Zu Hause. Bei meinen Eltern und Geschwistern. Und bei Balou, unserem Familienhund.“

    Es gibt noch viele andere Betrachtungsweisen von Heimat. Eine davon stammt von Ottfried Fischer, dem deutschen Schauspieler und Kabarettisten. Sein Heimatbegriff ist ganz einfach und für jeden verständlich. Er sagt: „Heimat ist da, wo ich meinen Bauch nicht einziehen muss.“

    Das Fenster zum Hof – und immer der gleiche Blick lässt mich Verbundenheit spüren. Erdung.

    Nach jeder Therapiestunde stehe ich hier für einen Moment und lasse den Atem fließen. Menschen durch Krisen zu begleiten ist ein Stück innerer Heimat. Denn Heimat findet auch im Herzen statt, in der Beziehung zum Du. Dies können elektronische Geräte nur eingeschränkt vermitteln. „Die sozialen Kontakte kann man nicht digitalisieren.“ sagte der Moderator Johannes B. Kerner. Ob das allgemein gilt? Ich weiß es nicht. Ich fühle es so.

    Wenn ich nach draußen blicke und mit dem Herzen sehe, läuft ein leichter Schauer über meinen Rücken. In die Blumenkästen vor dem Fenster hat meine Schwägerin Gestecke und Glaskugeln gelegt. Ich bin angekommen. Trotz der Stapel auf meinem Schreibtisch. 

    Wird fortgesetzt

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Ich bin Liebe 

    Eine Herzübung

    Manche Impulse brauchen keine Einleitung. Sie sind so klar, dass Du sie sofort umsetzen kannst. Genau wie hier und jetzt beim Thema Selbstliebe.

    Auch wenn es Dir möglicherweise schwerfällt oder Du von den folgenden Worten nicht überzeugt bist, kannst Du Dich gerne für einen Versuch entscheiden.

    Die Aufgabe ist ganz einfach: Sprich den folgenden Satz innerlich und still einige Minuten lang, wie ein Mantra. Der Satz lautet:

    „Ich bin Liebe. Alles umfassende Liebe.“

    Lass es einfach geschehen …

    Was kommt in Deinem Herzen an?
    Fühlst Du etwas in Deinem Herzen, im Brustraum?
    Verändert sich etwas während der Dauer dieser Übung?

    Gib Deinem großen inneren Raum die Gelegenheit, sich – und Dich – zu öffnen.

    Entscheide Dich dann, an diesem Punkt Deines Lebens aus tiefstem Herzen und mit der ganzen Zustimmung Deiner Seele zu lieben. Denn Du bist Liebe. 

    Gerade in der Vorweihnachtszeit denken wir an alles und alle – und kommen selbst oft zu kurz. Sich selbst zu lieben und wertzuschätzen ist keine leichte Aufgabe, aber enorm wichtig, um echte Zufriedenheit und Lebensfreude zu empfinden. 

    Dabei ist Selbstliebe nicht egoistisch, denn wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse achten, heißt das nicht, die Grenzen der anderen zu verletzen.

    Behandle Dich stets wie Deinen besten Freund oder Deine beste Freundin – mit Güte, Geduld, Nachsicht, Lob und Respekt. Die Herzübung hilft Dir, Liebe in Dir zu spüren – gerade wenn es mal wieder stressig ist.

    Ich wünsche Dir, dass Du (spätestens) ab jetzt herzlich zu Dir selbst bist. Sei einfach gut zu Dir.

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp