I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.

  • Vom Glück des Schreibens

    „Schreiben ist auf jeden Fall besser, als die Wäsche zu machen.“

    Donna Leon

    Mit diesen Worten wird die Krimiautorin Donna Leon zitiert. Gerade diejenigen unter uns, die gerne schreiben, werden sich bestätigt fühlen.

    Schreiben kann sogar zur Heilung beitragen. Die so genannte „Poesietherapie“ kann helfen, unsere Seelen zu reinigen. Sich alles von der Seele zu schreiben. Alles, was nach außen drängt, zu Papier zu bringen. Die Gedanken zu kanalisieren. Die Gefühle fließen zu lassen. 

    Es kommt ja nicht darauf an, einmalig zu sein. Noch nie Dagewesenes zu formulieren. Es gibt ja kaum noch Neues. Karl Valentin, der deutsche Komiker und Alltagsphilosoph (1882-1948) übertrieb humorvoll, als er feststellte: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ 

    Worauf also wartest Du noch? Schreib einfach das, was schon gesagt wurde, in Deinen eigenen Worten und in Deinem eigenen Stil. 

    In den letzten drei Jahren habe ich ziemlich viel geschrieben. Zurzeit verfasse ich mein insgesamt schon 7. Buch. Das erste war meine Doktorarbeit, die als Buch veröffentlicht wurde. Die möchte heute aber sicher keiner mehr lesen. 

    Meine Patient*innen hatten mich darum gebeten, mein Wissen aufzuschreiben – und ich hatte Lust dazu. Autobiografische Geschichten aus meinem Therapeutendasein, gewürzt mit rheinischem Humor.

    Das gelingt mir besser als Romane zu schreiben. Dazu fehlt mir das Talent. Oder auch das Interesse, soviel zu recherchieren und die Handlungsstränge nicht aus den Augen zu verlieren. Da ziehe ich meinen (nicht vorhandenen) Hut vor Joanne K. Rowling und ihrer Romanreihe über Harry Potter. Oder vor Rebecca Gablé, der deutschen Schriftstellerin, die für ihre im Mittelalter spielenden historischen Romane einen enormen Rechercheaufwand betreiben muss. So akribisch bin ich nicht.

    Meine Bücher entspringen meiner Intuition und meiner Lebenserfahrung. Bis heute habe ich schon zahlreiche Kommentare zu den „Geschichten-Büchern“ erhalten. Ganz schön und berührend. Ich danke allen, die mir geschrieben haben.

    Hier eine Auswahl:

    • „Es sind herrliche Geschichten. So frohmachend.“
    • „Es ist wie eine Erholung, diese Bücher zu lesen. Amüsant sind sie auch. Es steckt aber auch Weisheit dahinter.“
    • „Herzlichen Glückwunsch. Einfach schön!“
    • „Ich habe Ihre Bücher zwischen Hermann Hesse und Wilhelm Busch ins Regal gestellt. Ich finde, da passen sie sehr gut hin.“
    • „Ich bin ganz begeistert. Die Bücher machen meinen Tag heller.“
    • „Was für eine Freude! Ein wunderbares Layout, Cover und ein noch besserer Inhalt. Glückwunsch. Die Geschichten tun einfach gut. Gerne mehr!“
    • „Das einzig Positive in der Corona-Zeit sind Ihre Bücher. Die sind hautnah erzählt, humorvoll geschrieben – und man lernt noch was dabei.“
    • „Ich bin hin und weg … Fünf Sterne!“
    • „Wunderbare Sprache, gewürzt mit Humor.“

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp 

  • Außerordentliche Belastungen

    Es ist Frühjahr. Der erste Reifenwechsel des Jahres steht an. Nicht nur der Garten, auch das Auto muss sommertauglich gemacht werden. „Hat man Ihnen mitgeteilt, dass wir teurer geworden sind?“ – „Nein, hat man nicht.“ Das Einlagern der Winterreifen ist um 25 Prozent gestiegen. Aber dafür sind neue Wandbilder in der Kundenwartezone zu sehen. Auch die Kaffeemaschine ist größer und glänzt jetzt in matt Silber. Neues Design. Macht aber auch nur Kaffee.

    Sogar die Möbel hier sind neu. Die Sesselchen von einer Firma, die in Süddeutschland ein eigenes Museum unterhält. Da kann das Einlagern auch schon mal teurer werden.

    Auf dem Weg zum Service hörte ich soeben den Rundfunkmoderator im WDR. Gewohnt flapsig. „Es gibt Menschen“, sagte er, „die sollte man von der Steuer absetzen können – als außerordentliche Belastungen!“. – Mensch, sein Grinsen war bis in die Lautsprecher zu spüren.

    Ja, was ist mit den „außerordentlichen Belastungen“? Wer, was und warum wird zu dieser Belastung in unserem Leben?

    Ich sitze hier und denke in den Freiraum der Zeit: Alles, was mich vom authentischen Leben abhält. Jeder, der mich für eigene Interessen ködern will.

    Ich ziehe mir einen zweiten Kaffee.

    Wir Menschen sind in erster Linie soziale Wesen. Wir wollen wahrgenommen, beachtet, geliebt werden. Wir brauchen den Anderen auch deshalb, weil er uns den Spiegel vorhalten kann, damit wir uns selbst genauer kennen lernen.

    ‘Ist das nicht das Wichtigste überhaupt?‘ fährt es mir durch den Kopf. Schon am Orakel von Delphi stand dieser Spruch geschrieben: „Erkenne Dich selbst!“ Brauchen wir deshalb nicht auch Menschen, die für uns außerordentliche Belastungen sind?

    Zwischen Computerzeitschriften, Autotests und Hochglanzmagazinen, die kein Mensch braucht, liegt auf dem schwarzen Dreier-Tischchen sogar das Jahresbuch unseres Stadttheaters aus. Sagenhaft.

    Menschen als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen? Gut, dem Moderatoren-Scherzkeks im Radio lag das Augenzwinkern in der Stimme. Aber sehen wir die Sache doch mal von der anderen Seite: Reifen wir nicht auch an Menschen, an denen wir uns reiben können? Brauchen wir nicht „Gegner“, von denen wir uns abgrenzen lernen, um uns selbst nicht zu verlieren? Ist dieser Lernplanet nicht ein einziges Übungsfeld?

    Irgendein schlauer Mensch sagte auch: „Dein größter Feind ist Dein größter Ratgeber.“ – ‘Seien wir dankbar für Menschen, die uns herausfordern‘, fährt es mir durch den Kopf.

    „Fertig!“ ruft die Dame vom Kundencenter. „Ihre Winterreifen sind eingelagert. Wie möchten Sie zahlen?“

    „Ich trinke erst meinen Kaffee noch aus“, rufe ich ihr zu.

    Irgendwie bin ich froh, die Wartestunde mit dem Schreiben dieser Anekdote gefüllt zu haben. Die Zeit gut zu füllen, eine erfüllte Zeit zu leben – daraus lässt sich noch eine eigene Geschichte stricken.

    Mit den Sommerreifen kann ich jetzt, Mitte April, in den Frühling starten. Das ist keine außerordentliche Belastung, sondern eine Zeit für leichte Schultern.

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

  • Ich hab nichts ausgelassen

    Das stimmt nicht so ganz. Bei Drogen war ich immer vorsichtig. Meine erste Erfahrung wurde im Keim erstickt. Am Psychologischen Institut in Münster mussten wir in den ersten Semestern fünfzig Stunden „Versuchskaninchen“ spielen, also an wissenschaftlichen Experimenten teilnehmen. Da las ich am Schwarzen Brett den Aushang: „Malen unter LSD. Wer Interesse hat – bitte melden.“ Das war 1970. Ich war sofort Feuer und Flamme, hatte ich mich doch schon früh mit dem „Drogenpapst“ Timothy Leary beschäftigt. Und der Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds” wurde ja auch den LSD-Trips zugeordnet. Außerdem lagen mir Malen und andere Formen der Kunst immer schon am Herzen.

    Was würde ich unter Einfluss von LSD zu Papier bringen? Abstruse Kritzeleien oder nie gekannte kreative Werke? Ich war sehr gespannt.

    Der Vater meines Schulfreundes, praktischer Arzt, riet mir allerdings dringend von diesem Experiment ab. Die Folgen seien unabsehbar. Und kurze Zeit später war der Aushang vom Schwarzen Brett verschwunden. Das Experiment fand endgültig nicht statt. Danach war mir die Lust an Drogenexperimenten vergangen. Gut so?

    Manchmal bin ich auch zu weit gegangen. Das Leben pfiff mich aber schnell zurück. Oder mein Körper. Mein innerer Kritiker. Die Einsicht, die Vernunft. Der Überlebenswille. Oder meine Hausbank, wenn ich den Überziehungskredit meines Girokontos mal wieder überschritten hatte.

    Andererseits: „Nur diejenigen, die es riskieren, zu weit zu gehen, können herausfinden, wie weit sie gehen können.“ (T.S. Eliot) Mit anderen Worten: Nur wer zu weit geht, erkennt, wo die Grenzen liegen.

    Das kennen wir auch aus sehr erfolgreichen Kinoproduktionen: im ersten Teil der Trilogie „Herr der Ringe“ äußern die Freunde von Frodo Beutlin, dem Hobbit, an der Grenze des Auenlands: „So weit sind wir noch nie gegangen.“ Ein mulmiges Gefühl … Dann überschreiten sie zum ersten Mal die offene Grenze zwischen ihrer Heimat und einem fremden Territorium. Die Heldenreise beginnt …

    Wie verläuft die „Heldenreise“ Deines Lebens?

    Wenn Du die Entscheidung zum Aufbruch, zur Veränderung getroffen hast und klar und offen bist, Dich in bestimmten Bereichen neu zu erfahren – dann stehst Du an einer Schwelle. Sie trennt die Welt Deiner Gewohnheiten, Absicherungen und Komfortzonen von der Welt des Neuen, Unbekannten und Abenteuerlichen. Hier schlummern auch Deine nicht bewussten Ressourcen und Fähigkeiten. Eins ist jetzt wichtig: Wenn Du die unbekannten Seiten Deiner Persönlichkeit kennenlernen willst, wirklich und wahrhaftig erfahren willst – dann geh Deinen Weg mit Deinem ganzen Mut und mit Deinem ganzen Herzen. Geh ihn – und dreh Dich nicht mehr um.

    Die Hobbits in der Tolkien-Verfilmung „Herr der Ringe“ ließen sich auf den fremden und gefahrvollen Weg nach Mordor, zu den Feuern des Schicksalsberges, ein. Und sie ließen keine Erfahrungen aus: Zweifel, Angst, Verrat, Hoffnung, Freundschaft, Vertrauen, Enttäuschung, Liebe. Die inneren und äußeren „Dämonen“, die inneren und äußeren Mutmacher.

    Der französische Autor Arnaud Desjardins (1925 – 2011) gibt uns den nötigen Rückenwind. Er schreibt: „Habe den Mut, Dich ins Leben zu stürzen, Risiken einzugehen, Rückschläge einzustecken, in dem Wissen, dass Du dem Spiel der Gegensätze ausgesetzt sein wirst – also Erfolg und Scheitern, Glück und Unglück, Lob und Tadel …“

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

  • Rührei oder Spiegelei?

    Als ich an meiner ersten psychologischen Fortbildung nach dem Ende des Studiums teilnahm, lernte ich wieder einmal, dass unser Leben auch Verzicht bedeutet.

    Gut, ich hatte früher schon auf vieles verzichtet, wie jede*r von uns. Denn auf alles, für das wir uns nicht entschieden haben, verzichten wir. Manche verzichten freiwillig auf ein Auto und den Fernseher. Oder entscheiden sich bewusst, vegetarisch oder vegan zu leben.

    Was aber, wenn zwei Interessen miteinander kollidieren?

    Am Ende der Fortbildung ging es um die Festlegung des Folgetermins im kommenden Herbst. Für viele schälte sich ein favorisierter Termin heraus, der mir aber nicht passte. An diesem verlängerten Herbstwochenende hatte ich schon eine mir wichtige Einladung angenommen. Ich hörte mich sehr spontan ausrufen: „Da kann ich nicht!“

    Der Trainer lächelte mich an und sagte: „Stell Dir vor, Du hast einen Riesenhunger. Das Wasser läuft Dir buchstäblich im Mund zusammen. Und stell Dir weiter vor: Du hältst jetzt ein Hühnerei in Deiner Hand. Ein einziges, schönes, großes, weißes Hühnerei. Du denkst nun daran, was Du damit alles machen könntest, um Deinen Hunger zu stillen. Du könntest das Ei kochen. Du könntest aber auch ein Spiegelei daraus machen oder ein Rührei.“ Dann schwieg er eine Weile, um danach zu fragen:

    „Was machst Du jetzt?“ – „Ja“, sagte ich achselzuckend, „da ich aus einem einzigen Ei nicht dreierlei machen kann, muss ich mich wohl entscheiden.“ Der Trainer lächelte und schwieg.

    Als ich mich entschieden hatte – für die Fortbildung, die mir sehr am Herzen lag –, kehrte bei mir eine tiefe innere Zufriedenheit ein.

    Ich habe die Einladung abgesagt. Und die Zufriedenheit lehrte mich, dass Verzicht sehr wertvoll sein kann.

    In Japan heißt es: „Der Tag, an dem du einen Entschluss fasst, ist ein Glückstag.“

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

  • Die Schreibblockade

    Teil 2

    In unserer Klausur sollten wir einen „Fall“, einen imaginären Patienten, vom Befund, der Hintergrunds- oder auch Verhaltensanalyse bis zum hoffentlich erfolgreichen verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept beschreiben und Lösungen erarbeiten. Drei Stunden Zeit.

    Und dann steht auf der ersten Seite zur Überwindung der Schreibblockade des Prüflings beispielsweise:

    „Ja, wenn ich in die Kneipe geh

    und all die schönen Bierchen seh,

    und Thekenplätze sind noch frei …

    dann – hundertpro – bin ich dabei!“

    Oder da steht, weil es Deinem Gehirn entspringt: „Eines schönen Tages hatte ich Lust auf die schärfste Currywurst unterm blauen Himmelszelt“ … Und das wird dann ausgeführt, bis Du ins Fließen kommst und ins Klausurthema findest.

    Ja, sag mal … das war doch ein Harakiri-Vorschlag von unserem Prof, oder? – Hab ich nicht übernommen, aber für seine Spinnereien habe ich ihn gemocht.

    Da kann man sich nämlich so schöne Sachen ausdenken, was schreibgehemmte Naturen alles zusammen schreiben könnten, um sich über kurz oder lang auf die richtige Bahn zu bringen.

    Das gibt unserer Fantasie ja freien Raum … Stopp! Fantasie – ja, das ist doch mal ein Thema.

    Donnerwetter! Ich glaube, ich habe alles, was da bis jetzt steht, nur geschrieben, um ins eigentliche Thema zu finden. Jetzt gehe ich aber nicht mehr in die Bar. Jetzt bin ich gelandet. Bei der Fantasie. Die hat mir mein Unterbewusstsein geschickt. Die kam zu kurz in letzter Zeit. Wer immer für die Deutsche Rentenversicherung und andere Institutionen psychologische Befundberichte schreiben muss, bei dem bleibt die Fantasie auf der Strecke. Jetzt bin ich anscheinend wieder angekommen bei dem, was mich auch ausmacht: fantasievoll zu schreiben.

    Jetzt versuch Du doch auch mal, dahin zu kommen. Wahrscheinlich brauchst Du überhaupt nicht so viele Sätze wie ich, um zu dem Thema zu finden, das bei Dir auf der Strecke geblieben ist.

    Nicht zu glauben: Jetzt bin ich bei der Fantasie angekommen. So viel geschrieben ohne Sinn und Verstand. Nur um zu erfahren, dass mir in diesem Experiment einfach die Fantasie gefehlt hat.

    Übrigens: Wenn Du keine Lust zu dem hast, was ansteht – oder mehr über Dich erfahren willst –, dann lege Dir ein leeres, weißes Blatt vor Deine Nase. Und lass Dich einfach auf dieses leere Blatt ein. Einfach auf der leeren Seite anfangen. Mit der Hand. Schreib einfach drauflos – und schau, wohin Dich Dein Unterbewusstsein treibt. Du wirst auf jeden Fall neue Erfahrungen über Dich machen und Deine inneren, verborgenen Wünsche besser kennenlernen.

    Also – leere Seite … und einfach anfangen! Macht irre frei! Und ist gar nicht so schwer. Das weiß ich jetzt.

    Übrigens: Das alles ist intellektuell abgesichert. Schon Albert Einstein wusste: „Fantasie ist wichtiger als Wissen.“ Denn Wissen ist begrenzt.

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

  • Die Schreibblockade

    Teil 1

    Dieser Text erfordert eine Einleitung, denn er ging bei Claudia nicht durch die Zensur. Mit diesem Text wäre ich ja wieder bei „Dada“ angekommen. Dabei schätze ich die Kunstrichtung des Dadaismus aus den 1920er Jahren sehr – besonders im Kontext der damaligen Zeit. Nun gut, nicht jeder mag Dada …

    Ich habe mich über ihre Bedenken hinweggesetzt, bin aber nicht irritiert, falls Du Claudia zustimmst. Man kann nicht immer einer Meinung sein. Das wäre ja auch langweilig. Der Text geht so …

    Herbst. Jetzt sitze ich hier. Am Abend des Tages in einem Hotel. An einem kleinen Tisch mit gelblich eingefärbter Decke. Auf meinem Zimmer. 22 Uhr und 10 Minuten zeigt meine Uhr.

    Es ist einer dieser Tage, die nichts mehr vorgeben. Nichts ist zu erledigen, nichts vorzubereiten …

    Was jetzt? Ins Bett gehen? Runter in die Bar? Ne Runde Fernsehen?

    Es gibt Momente, da stehen die Türen offen und Du weißt nicht – gerade in diesem Moment nicht –, was jetzt? Vielleicht fällt die Entscheidung in 10 Sekunden. Vielleicht auch nicht. Und Du fragst Dich: Ist das jetzt Langeweile, was da im Hintergrund passiert? Oder Unentschlossenheit, innere Bremse? Oder sind Körper, Geist und Seele bei Dir in kollektive Lethargie verfallen? – Ich blicke selbst nicht durch, warum ich mich hier und jetzt zu nichts durchringe.

    Da! Gerade kommt der Impuls: Wage ein Experiment. Fange an zu schreiben.

    Briefpapier liegt ja hier.

    Aber Du hast gerade keine Idee, über was Du schreiben kannst. Also fällt Dir jetzt auch gar nichts ein. – „Das ist ja spannend“, denke ich. Einfach so vor mich hin schreiben, ohne den nächsten Satz zu erahnen, geschweige denn zu kennen. ‘Ja, das ist doch mal ein schönes Spiel‘, schießt es mir durch den Kopf. ‘Mal sehen, was mein Unterbewusstsein mir aufs Blatt sendet.‘

    Gerade mal nichts. Ich stocke beim Schreiben. Also schreibe ich nieder, dass ich gerade beim Schreiben stocke. So, das steht jetzt hier. – ‘Ist das eine Schreibblockade?‘ denke ich.

    Da fällt mir ein, dass unser Prof im Studium uns kurz vor der Klausur – im Fall einer Schreibblockade – den Tipp gab, beim Vorschreiben … wir sollten mit der Hand vorschreiben, den PC gab es ja nicht, der war noch nicht erfunden …, also beim Vorschreiben einfach am Anfang zu kritzeln: Hier sitze ich, und ich weiß noch nicht, wie ich die ersten Zeilen der Klausur ausformulieren soll … Und zwar so lange, bis man im Thema ist. Und erst am Ende, wenn wir „eingeschrieben“ und fertig sind, sollten wir den Anfang wegschmeißen und neu formulieren. Das wäre gut gegen die Schreibblockade. Dann kämen wir schneller in den Fluss.

    Klar, aber das muss man sich ja erst mal trauen: von seiner kostbaren Klausurzeit die ersten zehn oder zwanzig Minuten abzugeben an einen Blödsinnstext, der am Schluss neu formuliert werden muss.

    Nun gut, aber jetzt stell Dir doch mal vor, Du textest die erste Seite beim Vorschreiben wegen Deiner Schreibblockade in reiner Nonsensform, schreibst über die Wolken am Himmel, die Tücken des Wetterberichts, die letzten krummen Lottozahlen … Und am Ende der Klausur hast Du gar nicht mehr die Zeit, den Anfang dem Thema anzupassen. Und Du musst Deinen Schreibblockaden-Überwindungs-Katastrophentext als Einführung ins Thema stehen lassen und übernehmen.

    Wird fortgesetzt

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

  • Gesichter der Seele – Band 3

    – Veröffentlichung im September 2021 –

    Auch für den dritten Band meiner neuen Buchreihe habe ich wieder 26 Geschichten geschrieben. Anekdoten und Erzählungen eines Therapeuten. Aus meinem eigenen Alltag. Immer mit einer psychologischen oder therapeutischen Aussage für ein gutes Leben. Gerade auch in Zeiten der Pandemie.

    Dazu gehören Geschichten wie: Entscheiden leicht gemacht. – Was ist Liebe? – Und: Verpasse Dir den letzten Schliff. Oder auch, welches Geheimnis sich in meiner Praxis verbirgt.

    Im Vorwort „Hereinspaziert!“ schreibe ich an alle „Wanderer auf und zwischen den Zeilen“, dass der amerikanische Erzähler Ernest Hemingway (1899-1961) allen Schriftstellern riet: „Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.“

    Als Meister der kurzen Sätze gilt zwar der Prinz von Kölle, Lukas Podolski („Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause“.) Aber auch Hemingway selbst war ein Meister der Kurzgeschichten. Seine kürzeste bestand aus sechs Wörtern. For sale: Baby shoes. Never worn. (In der deutschen Übersetzung reichen sogar vier Worte: „Babyschuhe, ungetragen, zu verkaufen.“) Eine Geschichte, ein Roman, ein Drama – kürzer geht es nicht. 

    Manchmal sind mir kurze Sätze gelungen. Manchmal nicht. Aber vielleicht ist das auch nicht entscheidend. Ich schreibe nämlich öfters beim Gehen. Mit Vorliebe im Garten. Dann spaziere ich gelassen umher, versuche, den Verstand aus- und mein Herz einzuschalten. Und lass mich dann von meinen Füßen führen … Während des Schreibens bleibt alles im Fluss. Das, was Ausdruck finden will, kritzle ich beim Gehen oder kurzen Verweilen auf ein gefaltetes Blatt Papier. In den PC kommt der Text erst ganz am Schluss.

    Was mir einfällt, weiß ich im Voraus nicht. Wie man / frau Liebesbriefe schreiben kann, war als Thema plötzlich da. Oder warum Du Dir einen Sorgenstuhl kaufen sollst. Und zu welchen Erkenntnissen es führt, wenn Du in die Augen eines anderen Menschen blickst. Lass Dich einfach überraschen, wie die Geschichten in mich hinein- und aus mir herausgeflossen sind.

    Zurzeit sind die Bände 1 und 2 erschienen. Dieser dritte Band wird voraussichtlich im September 2021 veröffentlicht. Du findest die neuesten Hinweise zum dritten Band immer auf dieser Website. 

    Ich wünsche Dir einen erholsamen Spaziergang durch meine Bücher. Und wenn Du die eine oder andere Geschichte beim Flanieren links liegen lassen möchtest – kein Problem. Ein Buch mit Anekdoten und Kolumnen ist immer wie ein Büfett. Such Dir also beim Schlendern das heraus, was Dir schmeckt. 

    Hereinspaziert! Und: Guten Appetit!

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

  • Gesichter der Seele – Band 2

    Im zweiten Band meiner neuen Buchreihe finden sich wieder sechsundzwanzig Geschichten, die ein Therapeut erzählt. Beispielsweise: „Was ist Glück?“ – „Fräulein Maria ist rot geworden.“ Oder auch: „Der Garten meiner Eltern.“ Heilsame Geschichten von einem Fährmann der Seele.

    Im Vorwort „Einladung zum Pausentee“ schreibe ich an alle Lesefreundinnen und -freunde, dass der englische Dichter Samuel Johnson (1709-1784) die Bedeutung der Sprache mit den Worten kommentierte: „Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“ Das finde ich einen schönen Vergleich. Auch ich flaniere gerne durch Sätze und Kapitel.

    Ob die Anekdoten und Kolumnen, die ich für diesen zweiten Band gesammelt habe, den Ansprüchen des griechischen Philosophen Pythagoras (ca. 570-500 v.Chr.) genügen, weiß ich nicht. Er soll ja betont haben: „Man soll schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als das Schweigen.“ Einen so hohen philosophischen Anspruch habe ich nicht. Aber vielleicht findest Du Dich in der einen oder anderen Geschichte wieder. Oder kannst sie nachvollziehen. Oder Dich an ihr reiben. 

    Gerne erinnere ich mich an meinen alten Lateinlehrer Dr. B. auf dem Arndt-Gymnasium in Krefeld, der immer dann, wenn ich auf eine seiner Wissensfragen eine falsche Antwort gab, mit seinem Standardsatz aufwartete: „Si tacuisses, philosophus mansisses“. Auf Deutsch: „Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben.“

    Klar, jetzt ist es zu spät zu schweigen. Dieses Buch ist ja nun erschienen. Deshalb: Lieber Dr. B., falls Sie mir von oben zuschauen und meine Geschichten entschlüsseln können … seien Sie bitte wohlwollend. Ich habe im Studium zwar meine Philosophieprüfung bestanden, aber ich schreibe eher, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

    Und wenn ich mich jetzt in unseren Dr. B. hineinversetze, dann lächelt er wahrscheinlich von seiner Himmelswolke und denkt so ganz im Stillen: ‚Brav, der Bube hat sich Mühe gegeben. Der Georg ist ja doch nicht mehr so faul wie früher.‘ 

    In diesem Sinn: Lasst uns einen guten Tee miteinander trinken und durch die Geschichten flanieren … Pause

    Mein Buch „Gesichter der Seele“ (Band 2) mit 162 Seiten kann im Fachhandel oder online bestellt werden. Es ist in dreifacher Ausfertigung im tredition-Verlag erschienen. Als Taschenbuch-Ausgabe (ISBN: 978-3-347-19956-9) für 14 Euro, als gebundenes Buch (ISBN: 978-3-347-19957-6) für 22 Euro und als E-Book (ISBN: 978-3-347-19958-3) für 6 Euro.

    Viel Freude beim Lesen!

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp 

  • Gesichter der Seele – Band 1

    Heute schreibe ich über mein neues Buch. Zumindest über den ersten Band. Es gibt auch noch einen zweiten Band. Aber darüber informiere ich Euch in vierzehn Tagen.

    Dass überhaupt zwei neue Bücher zustande kamen, liegt an unserem Urlaub im September 2018. Als ich die ersten Kurzgeschichten schrieb, saß ich im Schatten einer ganz friedlichen, leicht hügeligen Landschaft eines „Silent Stay Retreat Center“, eines Klosters ohne Mauern, in der Umgebung von San Francisco. Bunte Schmetterlinge suchten ihren Blütenlandeplatz, ein Nachwuchstausendfüßler kurz vor meinem Fuß versuchte, seine Gangkoordinaten einzuhalten, viele kleine Vögel zwitscherten unterhaltsam miteinander. War das der Klang der Stille? Einer wunderbaren Stille um mich herum …

    Und ich schniefte und hustete, was das Zeug hielt. Ich hatte mittlerweile schon so viele Taschentücher verbraucht, dass ich dazu übergegangen war, eine Toilettenrolle zu benutzen. Die ist leichter zu handhaben und bedeutend preiswerter. 

    Keine Frage, ich hatte mich im Vorfeld meines Urlaubs grenzenlos überfordert. Monatelang sechzig bis siebzig Wochenstunden gearbeitet. Meinen Patienten zuliebe, meinen Ehrenämtern zuliebe, der Selbstbestätigung zuliebe. Aber ich sollte nun anerkennen, dass es mit meinen mehr als siebzig Jahren nicht mehr so reibungslos funktioniert. Warum glauben wir (ich eingeschlossen) immer noch, wir müssten uns beweisen? Wem gegenüber? Und wozu? Wir müssen nichts (mehr) beweisen. Das ist unser Lernprozess. Wir dürfen sein. Wir dürfen einfach sein – so wie wir sind. Das ist unsere wahre Natur. Üben wir tagtäglich (ich einschlossen), einfach zu „sein“, einfach zu leben. Unser kleines, bescheidenes Leben zu führen. Jetzt, in diesem Moment.

    Als alles fertig war, hatte ich über Hoffen und Scheitern geschrieben, über Liebe und Glück – und die menschliche Seele. 

    Für den ersten Band habe ich sechsundzwanzig Kurzgeschichten gesammelt. Geschichten, die ein Therapeut erzählt. Aufbauende Anekdoten für zwischendurch. Mit der über 45-jährigen Erfahrung eines Therapeuten. Für ein verregnetes Wochenende. Oder die Bank am See. Fachlich fundiert, doch locker-leicht zu lesen. Es sind heilsame Geschichten von einem Fährmann der Seele.

    Mein Buch („Gesichter der Seele“, Band 1) mit 152 Seiten kann im Fachhandel oder online bestellt werden. Es ist in dreifacher Ausfertigung im tredition-Verlag erschienen. Als Taschenbuch-Ausgabe (ISBN: 978-3-347-19648-3) für 14 Euro, als gebundenes Buch (ISBN: 978-3-347-19649-0) für 22 Euro und als E-Book (ISBN: 978-3-347-19650-6) für 6 Euro.

    Viel Freude beim Lesen!

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp 

  • Wer erklärt mir die Welt?

    Ich erinnere mich, wie ich mit 10 Jahren in meinem Bett lag und über das „Nichts“ nachdachte … Nachts nachdenken hält extrem wach. Im Religionsunterricht hatten wir gelernt, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat und das ganze Universum dazu. Bis zu einem gewissen Grad leuchtete mir das ein.

    Ich überlegte: Wenn es Gott gibt, dann ist ja alles in Ordnung. Wenn es aber Gott nicht gäbe, das alles ein Schwindel wäre, gäbe es ja nicht nur mich und meine Eltern nicht, sondern auch keine Klassenkameraden und keine mir bekannten und unbekannten Menschen. Dann gäbe es keine Erde, keine Sonne, keine Sterne. Es gäbe – nichts.

    Was aber wäre, wenn es buchstäblich „nichts“ gäbe? Wie fühlt sich dieses „Nichts“ an? Ist es schwarz? Oder hohl? Ist es eine mir nicht bekannte Daseinsform? Oder wirklich … nichts? Also – Leere? Und wie würde ich mich fühlen, wenn es mich nicht gäbe? Wo wäre ich – oder nicht?

    Mein Gehirn war mächtig überfordert damit, sich tief in das „Nichts“ hineinzudenken. Ich weiß noch heute, wie ich immer wacher wurde, um das „Nichts“ begreifen zu können. Vergebens …

    Mir ging kein Licht auf. Ganz im Gegenteil: Ich bekam Kopfschmerzen, dumpfe, elende Kopfschmerzen. Das „Nichts“ war nicht denkbar. Kurz vor dem Einschlafen tröstete ich mich mit dem Gedanken: Es gibt Gott! Denn etwas, was ich nicht begreifen kann, was aber existiert, ist weniger schmerzhaft als etwas, was ich nicht begreifen kann, weil es nicht existiert.

    Über 60 Jahre später: Heute habe ich keine schlaflosen Nächte mehr. Auch wenn aus der Beschäftigung mit dem „Nichts“ Fragen entstanden sind. Beispielsweise: Wie geht es Schrödingers Katze heute? – War Einstein sauer, als er die Quantentheorie bestätigen musste? – Wer oder was gab das Kommando zum Urknall? Und: wurde der Anstoß durch eine Trillerpfeife ausgelöst? – Alles können wir heute nicht klären. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

    Vertrauen wir darauf, dass das Universum immer noch Spaß daran hat, die eine oder andere Minute an die vierzehn komma acht Milliarden Jahre dranzuhängen. (Gut, auf eine Milliarde mehr oder weniger kommt es uns jetzt auch nicht an.)

    Es ist doch so: Wir haben nicht immer eine klare Sicht auf die Dinge des Lebens. Manches bleibt geheimnisvoll, vieles verborgen. Schon unser Unterbewusstsein hat allerhand Kram gesammelt, der unserem Bewusstsein nicht zur Verfügung steht. Wir haben jede Menge blinde Flecke. Wenn wir aber unsere Augen offen halten, einen freien Geist leben, liebevoll in Beziehung treten und unser Herz nicht verschließen, haben wir das große Los gezogen.

    Dazu möchten meine Geschichten und Anekdoten anregen. Sie können die Welt nicht erklären, aber vielleicht dazu beitragen, dass Du Dich als wertvollen Menschen erkennen kannst. Dass Du eine klare Sicht auf Dich selbst erhältst. Ungeschminkt, authentisch, froh machend. Außerdem ist es gut, nicht zu vergessen, dass wir hier schon über 75 Jahre im Frieden leben.

    Also: Bleib heiter! Und mach’s einfach gut!

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp