I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.

  • So ist es! – Teil 2

    Vom Werden und Vergehen, vom stetigen Wandel

    Wenn wir den Wandel als Lebensprinzip nicht akzeptieren, stellen wir uns gegen die Natur des Lebens. Und gegen unsere innere Struktur.

    So wie wir nicht länger als neun Monate im Mutterleib verbleiben können, können wir uns auch nicht auf der Bedürfnisstruktur des zweijährigen Kindes einfrieren, ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Wie sagte Wolf Biermann: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“

    Manche Ereignisse in unserem Leben sind wie Einbrüche: Wir brechen unter der Last unseres Lebens zusammen (Herzinfarkt, Depression, Burn-out…), wir können einen Schock nicht verarbeiten (Posttraumatische Belastungs- oder Verbitterungsstörung) oder stagnieren unter unseren ständigen Nicht-Entscheidungen aus Angst, Mutlosigkeit und Selbstzweifeln.

    Leben ist aber Wandel. Für die beim Erdbeben gestorbenen Bewohner von Bussana Vecchia ist das sicherlich – aus unserer weltlichen Sicht – kein Trost. Für das Dorf und die Natur ergaben sich aber andere, neue Möglichkeiten. Dann kamen die Künstler. 

    Und nach den Künstlern? Die folgenden Generationen werden sehen…

    Es ist immer so, wie es ist. Wenn wir das in größerer Gelassenheit akzeptieren, können wir uns wieder auf den Augenblick besinnen. Wir können nicht das große Rad drehen. Das regelt eine andere Instanz. Wenn wir uns aber dem Wandel, der Lebensregel des ständigen Werdens und Vergehens, öffnen – und aufhören, uns dagegen zu stemmen –, erwartet uns ein leichteres, gelasseneres Leben. Ob wir wollen oder nicht: Es ist immer so, wie es ist. 

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp

  • So ist es! – Teil 1

    Vom Werden und Vergehen, vom stetigen Wandel

    Als wir vor mehreren Jahrzehnten in den italienischen Seealpen, nahe San Remo, Urlaub machten, interessierten wir uns für die Geschichte eines zerfallenen Bergdorfes namens Bussana Vecchia, das heißt: Bussana, die Alte. Ein dort beheimateter englischer Künstler, Colin Wilmot, erzählte uns die Geschichte des Dorfes. 

    Am Aschermittwoch des Jahres 1887 erschütterte frühmorgens ein Erdbeben die Region. Bussana fiel in sich zusammen. Es gab kaum Überlebende. Nur die Ruinen blieben stehen.

    Während bisher die Struktur des Ortes über die Natur dominierte, konnte sich die Natur nun ohne menschliche Bewohner frei entfalten und die zerfallenden Ruinen erobern. So lag Bussana Vecchia auf dem oberen Hügel viele Jahre im Dornröschenschlaf.

    In den 1960er Jahren entdeckte die Mutter dieses Künstlers das verfallene Dorf und verliebte sich in seinen morbiden Charme. Sie richtete sich in einem der eingestürzten Häuser ein, ohne die Fassade zu verändern. Bussana Vecchia sollte als verfallenes Dorf erkennbar bleiben. Nach und nach zogen weitere Künstler auf den Hügel und belebten Ort und Gemeinschaft. 

    Warum schreibe ich das? 

    Es geht mir um das Werden und Vergehen – und wieder Werden, diesen stetigen Wandel des Lebens. Aus Tragik wird Akzeptanz, aus Albtraum neues Reifen, aus Zerfall Auferstehung. Leben ist Wandel, Bewegung und Veränderung. Würde sich das Leben nicht wandeln, wäre Stagnation die Folge. Stagnation, also Nicht-Veränderung, ist Tod statt Leben.

    (Fortsetzung folgt)

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Suche die Stille (Teil 3)

    Im Sommer 2018.

    Dieser Augenblick schenkt mir die Freiheit, meine Sinne wahrzunehmen. Riechen kann ich leider nichts, dazu bin ich noch zu sehr verschnupft. Hatte die Nase – im Vorfeld meines Urlaubs – wohl gestrichen voll. Aber der Augenblick schenkt mir andere Freiheiten. Die Freiheit zu sehen, soweit mein Auge reicht. Zu hören, wie der spärliche Wind die Blätter sanft bewegt. Zu fühlen, wie ich mich langsam in der Ruhe des Augenblicks einrichten kann. Für diesen Moment angekommen bin. Zumindest bis der nächste Griff zum Taschentuch, oder der nächste Hustenreiz, meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Aber bis dahin, für diesen einen Augenblick, fühle ich mich frei.

    Es geht immer nur um diesen einen Augenblick. Es geht nie um mehr. Es geht nie um gestern oder morgen. Gestern ist vorbei. Ja, selbst die letzte Sekunde ist vorbei. Morgen ist nur ein Versprechen. Ja, selbst die nächste Sekunde ist nur ein Versprechen. Oder die Absicht des Universums, ein paar Sekunden an die Milliarden Jahre dranzuhängen. Beides kann ich nicht (Zukunft) oder nicht mehr (Vergangenheit) beeinflussen.

    Wir haben keine Wahl und keine Kontrolle. Es gibt nur das „Jetzt und Hier“, diesen einen Augenblick. Immer. Und überall. Diese eine Sekunde Stille. 

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp

  • Suche die Stille (Teil 2)

    Im Sommer 2018.

    Als ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Schatten einer ganz friedlichen, leicht hügeligen Landschaft eines „Silent Stay Retreat Center“, eines Klosters ohne Mauern. Bunte Schmetterlinge suchen ihren Blüten-Landeplatz, viele kleine Vögel zwitschern unterhaltsam miteinander, ein Nachwuchs-Tausendfüßler kurz vor meinem Fuß versucht, seine Gang-Koordinaten einzuhalten. Eine wunderbare Stille um mich herum… 

    Und ich schniefe und huste, was das Zeug hält. Ich habe mittlerweile schon so viele Taschentücher verbraucht, dass ich dazu übergegangen bin, eine Toilettenrolle zu benutzen. Die ist leichter zu handhaben, und kommt bedeutend billiger. 

    Keine Frage, ich hatte mich im Vorfeld meines Urlaubs grenzenlos überfordert. Monatelang 60 bis 80 Wochenstunden gearbeitet. Meinen Patienten zuliebe, meinen Ehrenämtern zuliebe, der Selbstbestätigung zuliebe. Aber ich sollte nun anerkennen, dass es mit meinen 70 Jahren nicht mehr so reibungslos funktioniert. Warum glauben wir (mich eingeschlossen) immer noch, wir müssten uns beweisen? Vor wem? Und wozu? Wir müssen nichts (mehr) beweisen. Das ist unser Lernprozess. Wir dürfen sein. Wir dürfen einfach sein – so wie wir sind. Das ist unsere wahre Natur. Das gibt uns den inneren Raum, die innere Freiheit. Üben wir tagtäglich (mich eingeschlossen), einfach zu sein, einfach zu leben. Unser kleines, bescheidenes Leben zu führen. Jetzt, in diesem Moment. 

    Was mir dieser Augenblick abseits des Lärms der Großstadt schenkt? 

    Freiheit vom auffordernden „Heb ab! – Klingelton“ des Telefons, Freiheit vom PC, vom Internet, von Nachrichten oder den neuesten Musik-Trends. Mir wird die Freiheit geschenkt, „offline“ sein zu dürfen. Freiheit von Verabredungen. Freiheit von „Einredungen“: Du musst, Du darfst nicht vergessen, Du bist in der Pflicht, man erwartet von Dir…

    Freiheit zu atmen. Meinen Atem bewusst wahrzunehmen. Atem ist Hingabe. Einatmen – ausatmen. Den Atem wieder loslassen. Einatmen – und loslassen.

    Was mir dieser Augenblick noch schenkt? 

    Ich darf meine Gedanken ziehen lassen. Niemand interessiert sich hier für meine Gedanken. Also muss ich es auch nicht. Ich darf meine Gedanken auf Reisen schicken. Oder sie an die kleinen Schleierwölkchen hängen, die das Blau des Himmels illustrieren. 

    Wird fortgesetzt…

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp 

  • Suche die Stille (Teil 1)

    Im Sommer 2018.

    Die Älteren von uns – oder sollte ich besser sagen, die Lebenserfahreneren? – erinnern sich wahrscheinlich noch an das Lied „The Sound of Silence“ (Der Klang der Stille) von Simon und Garfunkel. Es wurde im Jahre 1965 veröffentlicht. Beide Künstler stehen – auch Jahrzehnte nach ihren großen Erfolgen – immer noch auf den Bühnen dieser Welt, lange schon getrennt, und Simon ungleich erfolgreicher als Garfunkel. Aber der Klang der Stille hat beide im kollektiven Unbewussten aller Musikfreunde zusammen geschweißt.

    Der Text beinhaltet auch die folgenden Zeilen: „Die Menschen beteten den Neon-Gott an, den sie selber erschaffen hatten.“

    Um wieviel mehr Leuchtreklamen haben wir heute?

    Um wieviel mehr Burn-out und Depressionen, weil wir an unseren eigenen viel zu großen Erwartungshaltungen gescheitert sind? 

    Wie viele Kämpfe haben wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gekämpft, die nicht zu gewinnen waren?

    Wie viele Niederlagen haben wir uns als eigenes Versagen angerechnet – und nicht als Erfahrungen, die uns weiter bringen und weiser werden lassen? 

    Die Stille suchen… Ja, aber wie und wo? 

    Du kannst Dir keine Stille verordnen, wenn Du aus belastenden, stressigen Wochen, Monaten und Jahren heraus ein Wochenende im Kloster verbringst. Es gibt den Hebel nicht, der einfach umzulegen wäre. 

    Wird fortgesetzt…

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp 

  • Feuer für den Geist – 18/4

    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

    Albert Einstein

    Erwarte nichts. Heute: Das ist Dein Leben.

    Kurt Tucholsky

    Lebe nur für den Augenblick. Die Zukunft wird sich von selbst ergeben. Nichts existiert außer dem Augenblick.

    Weisheit der Shaolin

    Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko zu blühen.

    Anais Nin

    Wenn wir bereit sind, die Vorstellung davon, wie unser Leben sein sollte, aufzugeben und uns zu öffnen für das, was ist, entfaltet sich eine ganz neue Welt vor unseren Augen.

    Willigis Jäger

    Alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön.

    Christian Morgenstern

    Versöhnung befreit die Seele.

    Nelson Mandela

    Die Göttlichkeit des Himmels wohnt als Liebe in unseren Herzen.

    Maharishi Mahesh Yogi

    Man hört immer von Leuten, die vor lauter Liebe den Verstand verloren haben. Aber es gibt auch viele, die vor lauter Verstand die Liebe verloren haben.

    Jean Paul

    Zum Tor der Ewigkeit gelangst Du nur über Dein Herz, Deinen inneren Tempel.

    Georg Rupp
  • Wie ich die Glöckchen wieder hörte..

    Eine berührende autobiografische Erfahrung.

    Im Jahre 2004 schrieb ich mein Lebenswerk „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“. Den Übungsteil veröffentlichte ich als Doppel-CD mit eigens dafür geschriebenen Kompositionen von Mark Fox. Dazu trafen wir uns im September 2004 für zwei Wochen in einem Tonstudio in Mönchengladbach. Es war eine intensive, durchaus anstrengende, aber auch eine herzerfüllende gemeinsame Arbeit. Viele Menschen, die seither mit diesen Texten und der Musik arbeiten, äußern sich sehr begeistert und dankbar.

    2007 war ich eingeladen, um auf einem Kongress in Berlin die Sternum-Meditation „Liebe“ live vorzutragen. Dazu hatte mir der Tontechniker des Musikstudios leise „Glöckchen-Töne“ eingebaut, damit ich die richtigen Stellen innerhalb der Musik finden konnte, um den Text – passend zur Musik – sprechen zu können.

    Im Jahre 2013 fand in Kirchzarten bei Freiburg ein „Herz-Symposium“ statt, auf dem ich die gleiche Sternum-Meditation angeboten hatte.

    Was mich dabei so berührt hat, schrieb ich im November 2013 wie folgt an den Leiter des Tonstudios: 

    Lieber …, 

    jetzt gibt es doch etwas zu berichten, was mich sehr erstaunt und tief berührt hat. 

    Wie ich Dir geschrieben habe, hattest Du die Glöckchen-Töne vor einigen Jahren recht behutsam in die Halbplayback-Version eingebaut. Auf dem Bleep-Kongress 2007 in Berlin, auf dem ich die Sternum-Meditation „Liebe“ live vorgetragen habe, konnte ich die Glöckchen so gerade eben noch hören. Das war ja im Vorfeld des jetzigen Herz-Kongresses, wie Du weißt, nicht mehr möglich. Daraus habe ich dann wohl richtigerweise geschlossen, dass mein Hörsinn altersentsprechend nachgelassen hat.

    Nun passierte am vergangenen Sonntag in Kirchzarten während meines Vortrags etwas sehr Merkwürdiges: Bevor ich die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer gebeten habe, sich aufrecht hinzusetzen, um den Atem frei fließen lassen zu können, kündigte ich sinngemäß an: „Es ist nicht einfach, in dieser Meditation die richtigen Stellen für den Einsatz des Textes zu finden, denn es handelt sich um keine Hintergrundmusik. Der Text ist eingebettet in eine eigens komponierte Musik. Das hat mich gestern etwas nervös gemacht, denn ich habe nochmals geübt – und es hat nicht so richtig klappen wollen. Es sind an bestimmten wichtigen Stellen kleine Glöckchen eingebaut, die mir den Beginn der neuen Textsequenz signalisieren sollen. Die habe ich aber nicht mehr gehört. Es ist also jetzt ein Experiment, und ich muss schauen, ob ich die passende musikalische Stelle für meine Worte finde.“

    Ich war mir ziemlich sicher, in der ersten Hälfte der 18 Minuten keine Probleme zu haben, da die Musik von Mark Fox hier den Zugang erleichtert. 

    Was geschah? Ich hörte keine Glöckchen in den ersten Minuten, fand aber den passenden Einsatz durch die unterschiedlichen Musikstile. Vor dem zweiten Teil hatte ich aber regelrecht Schiss. 

    Dann geschah das, was ich Dir hier recht ausführlich schildere, was ich aber auch mache, um es festzuhalten, weil es mich sehr berührt und mein Leben auch wieder stärker in Richtung des Sternums bewegt hat. 

    Ich kam also in der Mitte des Halbplaybacks „2. Schlüssel: Die Liebe“ an. Es war eine sehr achtsame und liebevolle Energie im Kongresssaal. Das erleichterte mir das innere Loslassen. Ab der Mitte der Meditation war ich dann wirklich in meinem Herzen angekommen. Was dann geschah, hat mich – ja, wie könnte ich es ausdrücken – fast „umgehauen“. Besser: Staunen lassen und sehr demütig gemacht. Als ich ganz im eigenen Herzen angekommen war, konnte ich die Glöckchen wieder hören – und zwar in einer Intensität, dass mein Verstand kurz eingriff, um mir zu sagen: Menschenskind, das ist ja laut… nicht, dass die Menschen im Saal das als aufdringlich bewerten.

    Wenn ich jetzt sage, ich habe die Glöckchen zu dem Zeitpunkt, nachdem ich selber in der Meditation im Herzen angekommen war, wieder hören können, stimmt das ja nicht wirklich. Meine Ohren haben sie nicht gehört, aber mein Herz. 

    Ich war einfach glücklich, weil ich in diesem Moment erfahren habe: Man sieht nicht nur mit dem Herzen gut, man hört auch mit dem Herzen gut.

    Später, im Podiumsgespräch auf der Bühne, habe ich diese Erfahrung noch mit den Kongressteilnehmern geteilt. Es war überwältigend. 

    Viele dieser herzoffenen Menschen kauften hinterher Buch und CDs (was mir aber nicht aus kommerziellen Gründen wichtig war), zeigten sich sehr berührt, einige weinten sogar vor Rührung. Es war ein wundervolles Geschenk, dies erleben zu dürfen.

    Jetzt, mit dem Impuls, Dir das zu schreiben, spüre ich immer noch die Herzenswärme im Sternum und bin ganz dankbar, dieses Projekt, was mir eingegeben wurde, mit auf den Weg gebracht zu haben. Gleichzeitig möchte ich Dir – und natürlich auch Mark – neun Jahre nach der Aufnahme in Deinem Tonstudio dafür danken, dass wir den göttlichen Plan gemeinsam umgesetzt haben. 

    Ich lasse es nun erst einmal auf mich wirken, ob ich die Glöckchen verändern, also lauter machen möchte. Ich glaube, zunächst einmal möchte ich den neuen (alten) Zugang zur Sternum-CD auf Herz und Seele einwirken lassen. Vielleicht gibt das Schicksal mir die Aufgabe auf, endlich mehr und intensiver mit dem Herzen zu hören. Dafür war das Herz-Symposium in Kirchzarten eine wundervolle Übung.

    Dir und Deiner Familie ganz herzliche Grüße. Gott schütze Euch.

    Liebe Leserinnen, liebe Leser, dieses fünf Jahre alte Schreiben fiel mir vor kurzem wieder in die Hände. Es gibt ja keine Zufälle. Was gibt es Wichtigeres in diesem Leben, als unserem Herzen zu vertrauen, und sich selbst und anderen Liebe zu senden?! Ist es nicht so, dass wir am Ende unseres Lebens nicht gefragt werden: Wieviel materiellen Reichtum hast Du Dir erworben? Sondern eher: Wieviel Liebe hast Du verschenkt? 

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Teil 2.

    Wenn Du aus alten Gewohnheiten ausbrechen möchtest, dann lebe im Hier und Jetzt. Versuche, mehr und mehr jeden Tag wie ein eigenständiges Leben zu sehen.

    Alles, was war, ist genauso gewesen. Keine Sekunde der Vergangenheit kannst Du verändern. Und das Morgen ist nur ein Versprechen. Wenn Dir heute ein Dachziegel auf den Kopf fällt, hast Du Dir alle Sorgen um Deine Zukunft vergeblich gemacht.

    Reduziere also Deine Schuldgefühle. Sie sind Teil Deiner Vergangenheit. Reduziere Deine Sorgen. Sie sind nur der Zukunft geschuldet. Erlaube Dir, Dich freizugeben. 

    Du kannst diesen Augenblick, diese Sekunde dazu nutzen, Dich zu entscheiden, mit Deiner ganzen Seele und Deinem ganzen Herzen erwachsen zu sein. Wenn Du erwachsen bist, kannst Du loslassen: Verstrickungen in Familiensysteme, selbstsabotierende Grübeleien, Schuldgefühle, Hass auf das Leben oder Selbstzweifel und die Überzeugung, etwas nicht verdient zu haben.

    Du bist erwachsen – jetzt!

    Reduziere auch hier Deine Möglichkeiten. Reduziere Dich auf Deine innere Wahrheit. Du bist erwachsen und darfst Dich – auch als Skeptiker – der Führung Deines Herzens anvertrauen. 

    Wenn es nicht sofort klappt, kann es auch sein, dass Du mehr Übung benötigst. Ein Meister fällt nicht vom Himmel. Schenke Dir die Zeit und den Freiraum, alle Erfahrungen dieser Welt machen zu dürfen. Vielleicht hilft Dir dabei die alte Weisheit aus dem Zen: „Der Weg entsteht beim Gehen.“

    Manchmal klappt es auch nicht sofort, wenn ein Mensch sich nicht auf einen einzigen Weg konzentriert, sondern sich viele Hintertüren – sprich: alternative Methoden – offen lässt. Nach dem Motto: Wenn das eine nicht unmittelbar hilft, probiere ich halt Autogenes Training, Reiki und eine Rückführung aus. Oder mach mal eine Familienaufstellung. 

    Ich nenne das „Guru-Hopping“. Auch hier gilt: 

    Reduziere Deine Möglichkeiten – und Du gewinnst mehr Freiheit. 

    Du kannst alles machen, aber ich empfehle Dir, Dich zunächst auf einen Weg zu konzentrieren. Auf welchen, bleibt Dir selbst überlassen. Aber verschieße Deine Energien nicht wie mit der Schrotflinte, sondern sammle sie in Deiner Mitte.

    Dann geh den Weg Deines Herzens.

    „Wir sind nicht menschliche Wesen, die spirituelle Erfahrungen machen,
    sondern spirituelle Wesen, die menschliche Erfahrungen machen.“

    Willigis Jäger

    Aus meinem Buch: Dr. Georg Rupp „Befreiung aus dem Hin & Her des Lebens: Lass Dein Herz entscheiden“ (Verlag „Die Silberschnur“ GmbH, ISBN: 978-3-89845-355-4, 1. Aufl. 2012,  Preis 14,90 €)

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Teil 1.

    Wie gerne möchten wir uns verändern – und fallen doch immer wieder in die alten Gewohnheiten zurück. Gewohnheiten scheinen uns und unseren guten Willen zu beherrschen. Woran liegt das? 

    Es gibt vielfältige Ursachen, aber ein ganz wichtiger Punkt sind innere Selbstsabotage-Programme, mit denen wir uns so wunderschön fertig machen können.

    Da gibt es z.B.:

    • Häufige Selbst- und Fremdvorwürfe,
    • Opferhaltungen und abwertende Beurteilungen,
    • Katastrophen- und Verlustängste,
    • zu hohe und perfektionistische Erwartungen an sich selbst und andere,
    • Leiden an den Ungerechtigkeiten des Lebens,
    • Schuldgefühle und Sorgenspiralen,
    • Prophezeiungen und Gedanken, für die es keine Beweise gibt,
    • inneres Schrumpfen auf Kleinkindalter bei bestimmten Herausforderungen oder Autoritätspersonen,
    • nicht zuletzt aber auch ein unbewusster Loyalitätskonflikt mit der eigenen Herkunftsfamilie.

    Wer sich (unbewusst) fertigmachen will, sagt sich etwa: 

    • Meine Schwester hat ein so schweres Leben. Da habe ich doch gar kein leichtes Leben verdient.
    • Meine Eltern brauchen mich. Wenn ich sie verlasse, mache ich mich schuldig.
    • Ich bin doch immer nur gescheitert. Das macht doch alles keinen Sinn mehr. 
    • Ich kriege nirgendwo die Anerkennung, die ich verdient habe!
    • Ich bin so wütend auf das Leben! Ich fühle mich bestraft!
    • Ich werde es nie schaffen, „nein“ zu sagen.
    • Ich höre immer noch meinen Vater: „Junge, mach was Vernünftiges. Und sicher muss es sein!“
    • Meine Oma sagte immer zu mir: „Für jede Sekunde Glück musst Du stundenlang büßen!“
    • Ich bin völlig langweilig. Einfach zu schüchtern. Mein Freund findet sowieso eine Hübschere.
    • Erst muss es den Menschen in meiner Umgebung gut gehen, dann kann es mir gut gehen.

    Den inneren Selbstsabotage-Programmen sind keine Grenzen gesetzt. Wenn Du etwas verändern möchtest, dann achte hier und jetzt auch auf Deine Sprache. Die Art, wie Du sprichst, findet einen Widerhall in Deinem Körpergefühl und Deinem Bewusstsein. In unserer Sprachkultur reden wir seit Urzeiten von „Wortschatz“ und nicht von „Wortmüll“. Wortmüll zieht Dich herunter. 

    „Wie ist das Wetter bei Euch im Urlaub?“ – „Es regnet nicht.“ 

    „Wie geht’s Dir?“ – „Nicht schlecht.“

    So schadet uns auch die verneinende, ja geradezu vernichtende Sprache, denn sie verhindert das Fühlen. Wenn es „nicht regnet“, kann ich nicht fühlen, was die bewölkten 15° in mir auslösen. Und wenn es mir „nicht schlecht“ geht, vermeide ich ein aufmerksames Nach-innen-Blicken.

    Da hilft nur eines: Gib Dir die Erlaubnis, Dich entwickeln zu dürfen. Ohne diese Entscheidung wirst Du immer in Ängsten und Zwängen gefangen bleiben und in destruktiven Systemen verharren müssen. 

    Buddha Siddhartha Gautama (ca. 420-368 v.Chr.) gab uns den bedenkenswerten Hinweis:

    Laufe nicht der Vergangenheit nach, 
    verliere Dich nicht in der Zukunft.
    Die Vergangenheit ist nicht mehr.
    Die Zukunft ist noch nicht gekommen.
    Das Leben ist hier und jetzt.

    Teil 2 folgt

    Aus meinem Buch: Dr. Georg Rupp „Befreiung aus dem Hin & Her des Lebens: Lass Dein Herz entscheiden“ (Verlag „Die Silberschnur“ GmbH, ISBN: 978-3-89845-355-4, 1. Aufl. 2012, Preis 14,90 €)

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp 

  • Die folgenden Gedanken von Albert Schweitzer (1875-1965) berühren mich immer wieder. Ich gebe sie so weiter, wie ich sie erfahren habe.

    Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt, sie ist ein Geisteszustand.

    Sie ist Schwung des Willens, Regsamkeit und Fantasie, Stärke der Gefühle,
    Sieg des Mutes über die Feigheit, Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit. 

    Niemand wird alt, weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat.
    Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
    Mit den Jahren runzelt die Haut,
    mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele. 


    Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen, Angst und Hoffnungslosigkeit,

    das sind die langen, langen Jahre, die das Haupt zur Erde ziehen
    und den aufrechten Gang in den Staub beugen. 

    Ob siebzig oder siebzehn, im Herzen eines jeden Menschen
    wohnt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren,
    das erhebende Staunen beim Anblick der ewigen Sterne
    und der ewigen Gedanken und Dinge, das furchtlose Wagnis,
    die unersättliche, kindliche Spannung, was der nächste Tag bringen möge,
    die ausgelassene Freude und Lebenslust.

    Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel,
    so jung wie deine Hoffnung, so alt wie deine Verzagtheit.
    Solange die Botschaft der Schönheit, Freude und Kühnheit,
    der Größe der Erde, des Menschen und des Unendlichen
    dein Herz erreicht, solange bist du jung. 

    Erst wenn die Flügel nach unten hängen,
    und das Innere deines Herzens vom Schnee des Pessimismus und
    vom Eis des Zynismus bedeckt ist,
    dann erst bist du wahrhaftig alt geworden.

    In herzlicher Verbundenheit 

    Georg Rupp