Suche die Stille (Teil 3)

Im Sommer 2018.

Dieser Augenblick schenkt mir die Freiheit, meine Sinne wahrzunehmen. Riechen kann ich leider nichts, dazu bin ich noch zu sehr verschnupft. Hatte die Nase – im Vorfeld meines Urlaubs – wohl gestrichen voll. Aber der Augenblick schenkt mir andere Freiheiten. Die Freiheit zu sehen, soweit mein Auge reicht. Zu hören, wie der spärliche Wind die Blätter sanft bewegt. Zu fühlen, wie ich mich langsam in der Ruhe des Augenblicks einrichten kann. Für diesen Moment angekommen bin. Zumindest bis der nächste Griff zum Taschentuch, oder der nächste Hustenreiz, meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Aber bis dahin, für diesen einen Augenblick, fühle ich mich frei.

Es geht immer nur um diesen einen Augenblick. Es geht nie um mehr. Es geht nie um gestern oder morgen. Gestern ist vorbei. Ja, selbst die letzte Sekunde ist vorbei. Morgen ist nur ein Versprechen. Ja, selbst die nächste Sekunde ist nur ein Versprechen. Oder die Absicht des Universums, ein paar Sekunden an die Milliarden Jahre dranzuhängen. Beides kann ich nicht (Zukunft) oder nicht mehr (Vergangenheit) beeinflussen.

Wir haben keine Wahl und keine Kontrolle. Es gibt nur das „Jetzt und Hier“, diesen einen Augenblick. Immer. Und überall. Diese eine Sekunde Stille.