I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.

  • Was wir von Leonard Bernstein lernen können

    Teil 2

    Es gibt Menschen, die ihr Leben lang hin- und herpendeln. Sie können sich nicht entscheiden. Die Früchte am anderen Ufer könnten ja süßer sein … Aber hier ist ihnen alles so vertraut.

    Und so schwanken sie zwischen zwei Sehnsüchten. Zwischen zwei Partnerinnen oder Partnern, zwei Berufswünschen, zwei Städten, zwei Urlaubszielen. Und wundern sich dann noch über ihren psychosomatischen Schwankschwindel.

    Als ich mir vor vielen Jahrzehnten – in einer sehr komplexen Lebenssituation – die Frage nach der beruflichen Entscheidung zwischen A und B stellte, lief es immer auf ein Unentschieden hinaus. Für mich war keine Lösung in Sicht. 

    Also fing ich an, mich von den Alternativen A und B zu lösen. Keine Fragen mehr zu stellen. Und auf keine Antwort mehr zu warten. 

    Ich entschied mich für eine andere Möglichkeit, für die es keinen Plan gab: Meinem Herzen zu folgen.

    Kurze Zeit später kündigte ich und eröffnete bald darauf meine psychologische Praxis. Die Begeisterung und Leidenschaft, mit Menschen zu arbeiten, habe ich nie hinterfragt. Also war es ein guter und richtiger Weg. 

    Klarheit und Entschiedenheit entstehen also eher aus Deiner Intuition, aus Deinem Bauchgefühl. Lerne, Dir und diesem Gefühl zu vertrauen. Wissenschaftlich ist mittlerweile längst nachgewiesen, dass der Bauch Sitz Deiner zweiten Intelligenz ist. Neunzig Prozent der Impulse laufen von dort nach oben zum Kopf. Deine Intuition, die Intelligenz Deiner Gefühle, kann Dir sehr viel ehrlicher die Antwort geben als Dein Verstand. Für Männer ist das oft ein besonders ungewohnter Lernprozess.

    Um loszulassen und auf Deine innere Stimme zu hören, brauchst Du die Wertschätzung für Dich selbst, das Vertrauen in Dich – und den Mut zur Entscheidung. Wenn Du Deinen inneren Wegweiser gefunden hast, wirst Du es leichter haben, Dich an Weggabelungen von Deinem Herzen, von Deiner inneren Weisheit leiten zu lassen.

    Dennoch werden wir falsche Entscheidungen nie ganz vermeiden können. Doch können wir von einer alten chinesischen Weisheit lernen: Im Chinesischen besitzt jedes Wort ein eigenes Schriftzeichen. Es gibt aber eine Ausnahme. Und das sind die Worte: „Krise“ und „Chance“. Sie teilen sich ein und dasselbe Schriftzeichen.

    In jeder Krise liegt eine Chance. Die Chance zur Umkehr, zum Aufbruch, zum Neubeginn.

    Konfuzius (551-470 v. Chr.) sprach: „Wohin Du auch gehst, geh mit Deinem ganzen Herzen.“ Dem brauchen wir nichts hinzuzufügen.

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp

  • Was wir von Leonard Bernstein lernen können

    Teil 1 

    Ich schaue selten fern. Hauptsächlich die Nachrichten. Oder ARTE. Und „Titel, Thesen, Temperamente“. Kunst und Kultur sind mir wichtig. 

    Einmal sah ich eher beiläufig ein Gespräch mit dem amerikanischen Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein, der die „West Side Story“ schrieb. Das Musical habe ich als Leinwandspektakel mehrere Male genossen. In den halbstarken 60er Jahren.

    Leonard Bernstein interessierte mich. Und so hörte ich genau hin, als ein junger Reporter den Meister im Fernsehen interviewte. Er wollte wissen, ob Mister Bernstein in seiner Jugend auch mal daran gedacht hätte, etwas anderes zu werden als Komponist und Dirigent. Sinngemäß fragte er: „Haben Sie als Jugendlicher davon geträumt, einen anderen Beruf zu ergreifen?“ 

    ‚Etwa Postbote? Oder Lokomotivführer?‘, dachte ich für einen Moment. 

    Leonard Bernstein schmunzelte, überlegte kurz – und antwortete: „Wissen Sie … ich habe mich immer an eine alte Weisheit aus dem Zen-Buddhismus gehalten. Sie lautet: 

    „Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort …“ 

    Er schwieg drei Sekunden. Dann sprach er in die erwartungsvolle Stille hinein … leise, aber betont … das entscheidende Wort: „Nein.“

    „Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort nein!?“, wiederholte der Reporter irritiert. Es war ihm anzumerken – jede Nebelbank hätte er besser greifen können als diese Aussage.

    Unbeirrt durch die spürbare Hilflosigkeit seines Gegenübers erläuterte Bernstein: „Man soll die Weisheiten aus dem Zen ja nicht interpretieren. Aber: Wer wahrhaft liebt, der fragt nicht nach Alternativen. Er liebt aus ganzem Herzen. Warum – und was – sollte er sich fragen?

    Wer von einer Idee erfüllt ist, fragt sich nicht: Ist das richtig? Lohnt sich die Umsetzung? – Er kann nicht anders. Er ist beseelt. Er handelt aus voller Überzeugung. Mit großer Leidenschaft.“ Es hatte den Anschein, als blickte der Musiker für einen kurzen Moment nach innen. Dann zog er Bilanz. „Ich habe mich nie gefragt“, sprach er mit dem Hauch eines Lächelns. „Also war es ein guter und richtiger Weg.“

    Ein halbes Jahr später starb Leonard Bernstein. Aber sein radikaler Gedanke „Wenn Du die Frage nach Alternativen stellst, ist die Antwort auf Dein Vorhaben: nein!“ blieb fest in meiner Erinnerung verankert. Als sein Vermächtnis sozusagen. 

    Wenn Du Dich selbst also fragst, ob Du Dich für dieses oder doch für jenes entscheiden sollst, bist Du nicht hundertprozentig bei der Sache. Ist Dein Herz nicht erfüllt. Ist Deine Hingabe zu schwach. 

    Das ist sicher zugespitzt formuliert. Aber möglicherweise doch eine Hilfe für mehr Klarheit. 

    Wenn es also nicht in Dir brennt – lass besser die Finger davon. Es wird eine andere Gelegenheit kommen, bei der Du Dich nicht mehr fragst … 

    Wird fortgesetzt 

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp

  • Stabile Seitenlage

    oder: Die Angst vor dem Leben 

    Neues Jahr – neues Glück? Oder: Neues Jahr – alte Probleme? Wer von uns weiß schon, was die Zukunft bringt?!

    Eine frühere Patientin von mir, Lehrerin an einer Berufsschule, sah immer schwarz. Ich bat sie, am Beginn des Jahres aufzuschreiben, was in den kommenden zwölf Monaten auf sie einprasseln würde. An welchen Herausforderungen sie scheitern wird. Welche Dramen sich in ihrem Leben abspielen könnten: Krankheiten, Enttäuschungen, Überforderungen. Und: Dass irgendjemand, vielleicht ein Kollege … schlimmer noch, das ganze Kollegium, in diesem Jahr dahinterkommt, dass sie in ihrem Beruf eine totale Versagerin ist. Eine Hochstaplerin, die sich in das Lehramt hineingemogelt hat. 

    Ihre typischen Sätze dazu: „Ich bin nichts!“ – „Ich kann nichts!“ Oder auch: „Ich bin ein menschlicher Gesamtfehler!“ Rot angestrichen! 

    Das Jahr verging – und am Jahresende nahmen wir uns die Liste erneut vor. Und ich fragte sie: „Wieviel Prozent Ihrer Befürchtungen sind in den vergangenen zwölf Monaten eingetroffen?“ – Ihrem Gesicht war anzumerken, dass sie sich große Mühe gab, den Nachweis ihres Totalversagens und der Hochstapelei zu erbringen. Die Zeit verging … 

    „Ja, und welche Katastrophen sind tatsächlich und nachweislich eingetreten?“ Leichter Schweiß stieg auf ihre Stirn. Sie gab sich wirklich die größte Mühe. Dann nach einigen Minuten, die unausweichliche Erkenntnis: „Tatsächlich – anscheinend … nichts!“ 

    Ich lächelte. „Für nichts – und wieder nichts – haben Sie sich ein ganzes Jahr verrückt gemacht. Klug scheint mir das nicht zu sein!“

    Viele Menschen leiden an generalisierten Angststörungen. Grübeln Tag und Nacht. Zumindest aber in der einen oder anderen Stunde. Manchmal verständlich, wenn das Geld knapper wird. Oft aber grübeln Menschen über Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Für die es keine Gewähr gibt. Denn ein Leben ohne Risiken gibt es nicht: Jedem von uns kann ein Dachziegel auf den Kopf fallen. Im kleinen Häuschen kann der Keller überflutet werden. Und das Auto kann auf dem Weg in den Urlaub mit Motorschaden liegen bleiben. Kann … muss aber nicht.

    Ich kann auch die Kündigung erhalten. Oder meine Beziehung geht in die Brüche. Ja … ich kann aber auch in der Lotterie gewinnen oder einem Menschen das Leben retten und dafür geehrt werden. Ich kann dankbar für jede kleine Freude sein und Lachfältchen bekommen. Ich kann das Vertrauen in mich wieder stärken und alleine auf Reisen gehen. Alles ist möglich in diesem neuen Jahr.

    Es ist unsere Entscheidung, ob wir durch die Grübelattacken ruhelos werden, nervös und gereizt. Oder ob wir uns sagen: Heute Nacht gehe ich in eine stabile Seitenlage – und lass mich vom Leben überraschen. Es kann ja auch sein, dass wir einen guten Schlaf haben und von glücklichen Momenten träumen. Dafür ist eine stabile Seitenlage immer gut. Und dann fehlen uns vielleicht nur noch Demut und Geduld, um sagen zu können: Gut, wird schon werden … 

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Prosit Neujahr!

    Blick zurück und Blick nach vorn

    Als ich klein war, betete meine Mutter jeden Abend vor dem Schlafengehen mit mir. Da war eine ganze Litanei an Gebeten fällig: Ein „Vaterunser“, ein „Gegrüßet seist Du, Maria“. Danach Fürbitten und ein Gebet für die Verstorbenen unserer Familie, dass ihnen das Ewige Licht auch leuchten möge. 

    Auch sollte ich darüber nachdenken, ob ich ein reines Gewissen habe oder schlechte Gedanken und Handlungen mich vom Glauben abbringen könnten. 

    Meistens fiel mir hierzu nichts ein. Meine kleinen Geheimnisse hatte ich schon. Aber ich fand, dass diese Dinge meine Mutter nichts angingen.

    Es war ein Ritual, das Abend für Abend stattfand. Ich denke nicht, dass es mich zu einem besseren Menschen gemacht hat. Zumal ich für diese Litanei in meinem Bettchen knien und ehrfürchtig auf meine gefalteten Hände schauen musste.

    Eins war es vor allem für mich im Vorschulalter: Saulangweilig. Jeden Abend dasselbe. Mindestens fünf Minuten oder länger.

    Vor lauter Langeweile wich mein Blick immer wieder von den himmelwärts gerichteten Händen ab – hin zur Tapete, in deren Muster ich wahre Heldengeschichten hineininterpretierte. Bis der strenge Zeigefinger meiner Mutter den andächtigen Blick auf meine betenden Hände wieder einforderte.

    Ein frommer Mensch bin ich rückblickend dadurch wohl nicht geworden. Aber der Seele meiner Mutter tat das Ritual wahrscheinlich gut – im Sinne eines ruhigen Gewissens, mich zu einem christlichen Kind der Kirche erzogen zu haben.

    „Gewissenserforschungen“ sind heute nicht mehr meine Sache. Allerdings gibt es immer wieder Momente in meinem Leben, in denen ich in mich hineinspüre, ob ich im Großen und Ganzen ein sinnvolles Leben führe. Die Menschen wirklich wertschätze und mich für Gerechtigkeit und Frieden auch mit meinem ganzen Herzen einsetze. 

    Heute ist wieder so ein Tag. Heute, am Beginn eines neuen Jahres. Und doch sind es keine „guten Vorsätze“. Gute Vorsätze sind meistens so flüchtig und vergänglich wie Schall und Rauch. Zumindest nach einigen Tagen oder Wochen. 

    Heute nehme ich mir nur vor, Menschen und Natur zu ehren. Wald, Feld, Wiese und Garten mit Respekt und Freude zu begegnen. 

    Mich bei der Erde zu bedanken, die uns Nahrung gibt und uns trägt. 

    Beim Feuer, das uns wärmt und beseelt.

    Beim Wasser, das uns Kraft und Gesundheit schenkt. 

    Und bei der Luft, die uns atmen lässt und uns am Leben hält.

    Vieles davon habe ich von Indianern und Schamanen aus Mexiko gelernt, die mit der Natur leben, sie ehren und schützen. 

    Das möchte ich in diesem neuen Jahr zur täglichen Aufgabe machen: Tag für Tag mit Ehrfurcht und Respekt leben und arbeiten. 

    Vielleicht ist es ja doch eine „Gewissenserforschung“, die mich zu dieser Erkenntnis führt. Aber eher andersherum: Mutter Natur lehrt uns die wahre Lebenskunst an jedem neuen Tag. Wir brauchen nur achtsam zu sein und auf ihre Botschaften zu hören. 

    Ein gutes neues Jahr!

    In Liebe und Wertschätzung für „Gaia“, unsere Mutter Erde, und für alle Menschen, die unserer Hilfe und unseres Mitgefühls bedürfen. 

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Die Sprache der Liebe 

    Eine Übung

    Einige Gedanken zum bevorstehenden Fest:

    Weihnachten gilt als das Fest der Liebe. Idealerweise. Wenn wir dieses christliche Fest allerdings auf den Prüfstand stellen, ist es eher ein Fest des Konsums, der Streitigkeiten und der nicht erfüllten Sehnsüchte. Weihnachten ist ein strapaziöses Fest geworden – (auch) durch die Überfrachtung mit zu vielen Erwartungen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Jedenfalls für viele Menschen in unserem Kulturkreis. 

    Vielleicht fehlen den Menschen in dieser Gesellschaft auch einfach nur die innere Ruhe, die Besinnung auf das, was wirklich zählt – und das Ausschalten-Können des Handys. Auch der Verzicht auf die sozialen Medien kommt für viele selbst an Weihnachten einer Amputation gleich.

    Wie wollen wir da mitbekommen, wann und wie unser Herz zu uns spricht? 

    Deshalb heute eine Einladung zu einer Meditation. Du findest hier also keine Geschichte wie üblicherweise, sondern eine Übung, um Dich selbst besser kennenzulernen. Um über Dich zu reflektieren. Und die Erkenntnisse über Dein Leben zu erweitern. 

    Vielleicht hast Du Lust, diesen Text auf Dein Handy zu sprechen. Langsam … und mit vielen Pausen, um Dein Herz von den Fragen und Visionen berühren zu lassen. 

    Hier beginnt nun Deine Übung: Die Sprache der Liebe.

    Das Herz spricht leise, aber tausendfach intensiver als die Stimme, die Du kennst und täglich in Deinen Gesprächen gebrauchst. 

    Die Stimme des Herzens kann wie Feuer sein, wie eine Glut, ein zündender Funke. Sie ist Zustimmung und Zuneigung. 

    Die Sprache des Herzens ist die Sprache der Liebe.

    Sie führt Dich in eine unermessliche Tiefe, in das Heil Deiner Seele, in die raum- und zeitlose Erfahrung Deiner Selbst.

    Die Sprache der Liebe kennt keine Begriffe wie Angst und Furcht. Sie urteilt und verurteilt nicht. Sie schöpft aus der Überfülle des Lebens. Sie ist die engste Verbindung zu Gott.

    Sie ist der vollständige Einklang mit sich selbst, mit dem Anderen, mit der Natur und allen Elementen. Das Eins-sein mit der göttlichen Schwingung.

    In der Sprache des Herzens und der Liebe gibt es keine Fragen. Und es gibt keine Antworten. Es gibt nur eins: Das Hier und das Jetzt. 

    Ich bin.

    Die Stimme der Liebe ist fraglos, geräuschlos – und doch so machtvoll. Sie drängt sich nicht auf. Besitzt andere nicht und gibt sich selbst nicht auf. Sie ist unangreifbar und führt keinen Kampf. Sie hadert nicht, sie überhöht und unterwirft sich nicht. 

    Sie ist.

    Die Sprache der Liebe beansprucht nicht. Sie ist der Ausdruck reiner Seelentiefe und Harmonie. Eine Stimme tiefster Gewissheit: Alles ist eins.

    Es gibt keine Trennung. Weder zwischen Körper, Geist und Seele, noch zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur, Mensch und Gott.

    In der Sprache der Liebe ist alles verborgen – und liegt alles offen.

    Wer die Stimme der Liebe wiederentdeckt, hat das Labyrinth seines Lebens durchschritten. 

    Er ist zum Zentrum zurückgekehrt.

    Diesen Text durfte ich in einer Meditation genau so, mit diesen Worten und Sätzen, erfahren. Ich gebe ihn weiter, wie er mir offenbart wurde. 

    Allen eine friedliche und gesegnete Weihnacht!

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Gib Deiner Freude Wurzeln!

    Klingt das nicht schön? Wer sehnt sich nicht nach der Leichtigkeit des Seins? Am Himmel zu schweben wie Ikarus, der Held aus der griechischen Sage – natürlich ohne wie dieser abzustürzen.

    Nur: Das Schwebende, Leichte, ist auch flüchtig. Es kann sich auflösen, entschwinden, enteilen. Es entzieht sich der Beständigkeit.

    Der Augenblick der Freude, der bleibt, kann nur von innen kommen. Das unterscheidet tiefe Freude auch vom oberflächlichen Spaß: Tiefe Freude ist nicht vergänglich wie ein Feuerwerk, nicht zu Ende wie ein Konzert, nicht vorüber wie ein Strandurlaub.

    Nur die tiefe Freude in Dir nährt sich von selbst. Darum: Dehne sie aus. Verlängere sie. Vergrößere sie. Vertiefe sie. Gib Dir Zeit und Raum für Deine tiefe innere Freude – und koste sie aus. Sie macht Dich unabhängig und frei. Deshalb:

    Gib Deiner Freude Wurzeln! 

    Wenn Du Deiner Freude Wurzeln gibst,

    kannst Du ihr Flügel geben.

    Wer tief in sich verwurzelt ist, der kann sich auch zum Himmel strecken. Gib Deiner Freude Wurzeln, dann ist Dein Lachen keine Maskerade, kein Rollenspiel, sondern tief empfundenes Einverständnis mit dem Auf und Ab des Lebens. 

    Kein Mensch kann ewig lächeln. Aber ein heiteres Gemüt, eine optimistische Grundhaltung, die Freude darüber, dass die göttliche Energie mir diesen irdischen Freiraum gewährt, die kannst Du Dir täglich gönnen. 

    Was kannst Du tun, um diesen Weg ab jetzt einzuschlagen?

    Du brauchst nur Deine Mundwinkel ein paar Millimeter anzuheben. Merkst Du, was geschieht? Vielleicht denkst Du jetzt: Da komme ich mir aber blöd vor, wenn ich mit hochgezogenen Mundwinkeln durchs Leben laufen soll.

    Wenn Du so denkst, wunderbar. Dann stellst Du nämlich fest, dass dies für Dich eine unnatürliche Haltung ist, an der Du arbeiten kannst. 

    Verändere Deine Physiognomie, Deine Gesichts- und Körpersprache – und Du wirst feststellen, wie wohltuend andere darauf reagieren.

    „Ein Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen“, sagte Konrad Adenauer. 

    Gib Deiner Freude Wurzeln. 

    Du kannst Adler sein. Aber ohne Wurzeln in Deinem Herzen wirst Du wie Ikarus vom Himmel fallen. 

    Flügel schmelzen in der Sonne, 

    wenn sie im Herzen nicht verankert sind.

    Aus: Dr. Georg Rupp: „Das Sternum-Projekt“: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben (macht Sinn Verlag, Krefeld, 1. Aufl. 2004, S. 160ff.)

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Die Normalität ist eine gepflasterte Straße

    Was sollen wir denn mit diesem seltsamen Vergleich anfangen?

    „Gepflasterte Straße“ … Klar. Aber was meint „Normalität“ überhaupt? Was ist „normal“?

    Nun ist die Überschrift dieses Artikels nur der erste Teil eines Zitats. Vollständig heißt es: 

    „Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; 

    man kann gut darauf gehen,

    doch es wachsen keine Blumen auf ihr.“

    Das soll der niederländische Maler Vincent van Gogh (1853-1890), einer der Begründer der modernen Malerei, gesagt haben.

    Was aber bedeutet es nun, „normal“ zu sein? Brav zu sein, nicht anzuecken, sich nicht ins Rampenlicht zu stellen?

    Oder: Sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten, die Nachtruhe nicht zu stören, andere Menschen mit seiner Meinung nicht zu überfordern?

    Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, was „normal“ ist. Wenn aber, wie der Kölner als solcher gerne sagt, jeder Jeck anders ist, kann „Normalität“ nicht das Maß aller Dinge sein. 

    Und, ehrlich gesagt: Ich selbst möchte nicht „normal“ sein. Das wäre für mich so, als hätte ich keinen Lebensmut, keine Fantasie, keine zündende, bunte Freude in mir. Also: „Normalität“ ist nicht mein Ding. Und: Das Normale – und immer nur das normale Leben ohne große Veränderungen und neue Erfahrungen – kann krank machen. 

    Mein verstorbener Mentor, der Arzt und Psychotherapeut Dr. Wolf Büntig, prägte für Menschen, die sich immer und überall im „Normbereich“ bewegen, einen eigenen Krankheitsbegriff: Die „Normopathie“. Und verstand darunter: Das Leiden am stinknormalen Leben. 

    Oft gehören Menschen dazu, die nie aus der Rolle fallen, auch nie auffallen möchten. Die auf Abenteuer und Mutproben verzichten, weil sie ja schiefgehen könnten. Weil man versagen und sich blamieren könnte, ausgelacht oder rot anlaufen könnte. Weil man sich selbst nicht über den Weg traut. Dann lieber ein ganz „normales“, mittelmäßiges Leben führen.

    Um nicht falsch verstanden zu werden: Das ist völlig in Ordnung. Denn es ist die eigene Wahl. 

    Aber die gepflasterte Straße ist eben auch keine Blumenwiese. Das Pflaster entwickelt keine Farbenpracht, keinen Duft, ist kein „Hingucker“. Das Pflaster lässt uns einigermaßen sicher durchs Leben laufen. Mehr aber auch nicht.

    Vincent van Gogh neigte in seinen Sehnsüchten und Wünschen immer mehr zur anderen Seite. Bei geringstem Lebensstandard floss das allermeiste Geld in seine Malutensilien, vor allem in die Farben. In diesen Farben schwelgte er, malte oft wie ein Besessener. (Wie alles im Leben, kann man natürlich auch die Blumenwiese überbeanspruchen.)

    Vielleicht sollten wir ein Leben lieben lernen, das uns lebendig werden lässt auf den Blumenwiesen unseres Lebensweges. Dass wir uns hin und wieder aber auch mit den gepflasterten Straßen versöhnen. Von Zeit zu Zeit können sie hilfreich sein, um uns auf den Weg zur nächsten bunten Blumenwiese zu führen.

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Drei Schachteln Rasierklingen

    und was sie mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun haben

    1962 war es noch nicht so voll im Zentrum unserer Stadt. Bereiche für Fußgänger gab es noch nicht. Der aufkeimende Autoverkehr hatte Vorfahrt. Modern waren Unterführungen an belebten Kreuzungen. Nicht für Autos, sondern für Menschen. 

    Zu diesem Zeitpunkt war ich 14 Jahre. Meine Pubertät setzte schon ein Jahr früher ein. Aber der Bartwuchs ließ noch zu wünschen übrig. Da wuchs nichts zusammen. Eher ein Flaum und ein paar weiche Stoppeln im Gesicht. Da wollte ich mit dem Rasieren noch gar nicht anfangen. Lohnte ja nicht. Das war keinen Gedanken wert – bis ich zur nächsten Straßenecke kam.

    Auf dem Weg zu meinem Lieblings-Schallplattengeschäft wurde ich nämlich von einem glattrasierten Dreißigjährigen ausgebremst. Ob ich nicht was bräuchte, sprach er mich an. – Was bräuchte? – Ich weiß noch, dass ich im selben Moment Angst um mein schmales Taschengeld bekam. ‚Ich will doch nichts!‘, schoss es mir durch den Kopf. Aber: „Nein“ sagen hatte ich nicht gelernt. 

    Als ich meinen Gang vor ihm stoppte, um nicht unhöflich zu sein, fingerte er aus seiner Hosentasche eine Schachtel mit Rasierklingen heraus. „Die kannst Du sicher gut gebrauchen. Kosten nur zwei Mark!“ – Um Gottes Willen! Rasieren stand noch gar nicht an. Und wenn, dann wollte ich Vaters Rasierapparat ausprobieren.

    Da hatte er sich vor mir auf dem Bürgersteig aufgebaut und in Position gebracht … ‚Ich komm gar nicht an ihm vorbei!‘ Mein Herz pochte bis zum Hals. Rucksack abschnallen, zwei Mark in der Schülerbörse suchen … Das schien mir die einzige Chance, um ihm zu entkommen. Alle Passanten gingen ja achtlos vorbei. Keiner bekam mit, was hier los war.

    Ich hielt ihm ein Zwei-Mark-Stück zum Tausch hin. Er nahm das Geld, lächelte – und blieb stehen. ‚Warum geht der nicht weiter?‘ – „Dann brauchst Du sicher“, schob er hinterher, „noch zwei Ersatzschachteln mit Rasierklingen.“ Fingerte in seiner Hosentasche … Gut, fünf Mark war dann sein Sonderpreis. Dann ging er mir endlich, äußerst zufrieden, aus dem Weg. 

    Vergeblich versuchte ich zu Hause, meinem Vater die Rasierklingen weiterzuverkaufen. Kopfschüttelnd wunderte er sich über meine Naivität.

    Später trainierte ich das „Nein-sagen“. Überall und bei jeder Gelegenheit. Das half mir, selbstsicherer und selbstbewusster zu werden.

    Und weil das jede und jeder schaffen kann, schreibe ich hier über diese kleine Begebenheit des vierzehnjährigen Georgs. 

    Grenzen setzen macht frei. Jeder Mensch kann nur seine Selbstständigkeit und seinen Freiraum behalten, wenn er sich abgrenzen kann. Mit siebzehn war die Sache für mich klar. Das „NEIN“ war programmiert. Es gibt aber keine Altersgrenze, um eigene Grenzen zu ziehen und sie zu verteidigen. Das Leben gibt uns immer wieder die Chance dazu.

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Bilder meines / Deines Lebens

    „Das Sternum-Projekt“

    Am 16. Oktober eröffnet die Frankfurter Buchmesse. Darauf lässt sich hinweisen – ist es doch ein Kulturereignis. Andererseits: Wirkt dieser Hinweis in einer Zeit der schnellen Umschaltmomente, der stetigen Abwechslung, inflationären Versprechen und Fake-Fotos nicht ein wenig aus der Zeit gefallen? 

    Nun, mir geht es hier weniger um die morgige Eröffnung für interessierte Besucher. Sondern um die Bedeutung, die die Frankfurter Buchmesse für mich persönlich hat. Es sind und bleiben Bilder meines Lebens.

    Es ist genau zwanzig Jahre her: Für Oktober 2004 hatte ich einen Stand gemietet, mir eine Unterkunft besorgt, und im Vorfeld Termine für das Layout meines Buches gemacht. Danach noch für zehn Tage ein Tonstudio für die dazugehörenden zwei CDs gebucht. Meditation und Symphonie.

    Alles, was im Vorfeld geschah, führt bis heute zu unauslöschlichen Bildern meines Lebens. Jeder Tag war anders. Einmalig. Spannend. Lenkte mich in eine ungewisse, aber bunte und hoffnungsfrohe Zukunft. Zumal mit einem Projekt, das mich selbst psychologisch überzeugte – und musikalisch faszinierte. 

    Und ich erinnere mich, wie ich fünf Monate vor der Messe auf einmal sauer und unzufrieden war mit meinen Texten. Alles in die Blaue Tonne warf … und von vorne begann. Drei Monate blieben bis zum Layout. Nicht viel Zeit für 218 Seiten. 

    Am Schreibtisch kamen mir keine Ideen. Also raus in den Garten – mit einem Diktiergerät. Bei Sonne, Wind und Regen. So entstand das komplette Buch beim langsamen Gehen. Was noch entstand, war ein absolutes Gefühl der Gelassenheit und Zuversicht. Und eine Überzeugung, trotz Termindrucks keine Eile zu haben. 

    Alles, was ich beim Gehen an der frischen Luft aufsprach, blieb, wie es war. Es wurde mein wichtigstes Buch, meine schönsten und spirituellsten Texte. 

    Der Garten, mein behutsames Schreiten, meine Geschichten auf Band … nie vergessene Bilder meines Lebens. Gerüche, Lichtspiele, Farben. Und das Gras unter meinen Füßen. 

    Ein Rückblick, der schon über zwanzig Jahre mein Herz berührt. 

    Es ist bis heute mein größtes Lebenswerk. Erfüllend und beglückend. „Das Sternum-Projekt“, im Eigenverlag erschienen, wurde vor jetzt genau zwanzig Jahren geboren. Erblickte das Licht der Welt auf der Frankfurter Buchmesse. Es wurde kein Kassenschlager. Aber darauf kommt es bei den Bildern des Lebens auch nicht an. 

    Und jetzt suche einmal in Deinen Erinnerungen.  

    Was sind die Bilder Deines Lebens? Was hat sich in Deiner Erinnerung festgesetzt, was hat Dich geprägt, was hat sich einprogrammiert? 

    Bei welchen Erinnerungen geht Dein Herz auf? 

    Was vergisst Du nie mehr? 

    Was hat Dich glücklich gemacht? 

    Wie lange ist das her? 

    War es der erste Halbmarathon Deines Lebens?

    Dein erster Karaoke-Wettbewerb? 

    Deine erste Liebesnacht?

    Ein Konzert mit einer tollen Gemeinschaftserfahrung? 

    Die Geburt Deines Kindes? 

    Das stille Glück eines einzigen Augenblicks?

    Lass die Bilder Deines Lebens an Deinem inneren Auge vorüberziehen … Bleib auf der positiven Seite. Das gibt Dir Kraft und schenkt Dir Zuversicht. 

    Und jetzt reihe Deine Bilder zu einer wunderschönen Perlenkette auf. Zur Perlenkette Deines Lebens. 

    Lass diese Perlenkette zu Deinem Anker werden. Ein Anker, der Dich wortwörtlich auf der Sonnenseite Deines Lebens stärkt, „verankert“. Und dann: Genieße die schönen, bunten, fantasievollen Bilder Deines Lebens. 

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 


    Dr. Georg Rupp: Das „Sternum-Projekt“: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben (macht Sinn-Verlag, Krefeld, 1. Auflage 2004)

    Neue Ausgaben sind beim Autor erhältlich.

    Stimmen zum Sternum-Projekt:

    • „Das Sternum-Projekt hat mich sofort angesprochen.“ (Pater Anselm Grün)
    • „Das Sternum-Projekt ist für mich der ästhetisch schönste Reiseführer für die wichtigste Reise, die ein Mensch unternehmen kann, die Reise in die eigene Tiefe. Grandios!“ (Werner Tiki Küstenmacher)
    • „Das Sternum-Projekt ist eine gelungene Komposition von Inhalt, Grafik, Sprache und Musik. Ein sehr berührendes Werk.“ (Dagmar Fischer, Chefredaktion „Gesundheit durch Wissen“)
    • „Das Sternum-Projekt ist da, wo das Christentum die anderen Weisheitsformen berührt.“ (Benediktinerpater Dr. Elmar Salmann)
    • „… als hätte man mir einen Gullydeckel von der Brust gehoben. Ich konnte wieder atmen.“ (M.B., Lehramtsanwärterin)
  • Wann hast Du zum letzten Mal 

    in Deinem Leben gestaunt?

    Stell Dir vor, Du wärst erst vor kurzem geboren. Der dreijährige Junge, das fünfjährige Mädchen … was alles würdest Du zum ersten Mal in Deinem Leben wahrnehmen? 

    Was würde Dich überraschen? 
    Was würdest Du mit großen Kulleraugen beobachten? 
    Was mit großem „OOOOh“-Mund bestaunen? 
    Was würde Dich begeistern?

    Ist es der Riesenkäfer?

    Der erste Schneeball?

    Die Pfütze, die ihr Wasser so herrlich herumspritzt?

    Das erste krakelige Bild, das nur Du so malen kannst?

    Das Aufdecken von Unterschieden, die Dich erstaunen lassen?

    Das Entdecken einer anderen Hautfarbe?

    Ist es der Luftballon, der in Kreiselbewegungen zum Himmel schwebt?

    Wann hast Du zum letzten Mal gestaunt?

    Klar, wir Erwachsenen sind gegen Überraschungen gefeit. Uns hat das Leben unachtsam gemacht, abgebrüht, an uns prallt das meiste ab. Alles ist selbstverständlich geworden.

    Es ist Deine Entscheidung: Du kannst das Staunen neu entdecken. Tag für Tag. Und es ist ganz einfach: Über Deine Sinne, über Deine Sinnlichkeit. Die Sinne sind nämlich ganz einfach zu bedienen, und – wir haben sie immer bei der Hand. 

    Wann stehst Du morgens in aller Frühe auf und beobachtest schweigend, wie langsam die Sonne aufgeht?

    Wann setzt Du Dich wieder in die Schaukel wie ein Kind? Überlässt Dich dem Schwingen und fühlst Dich frei? 

    Wann stellst Du Dir eine Rose auf Deinen Schreibtisch und sagst Dir: „Das bin ich mir wert!“?

    Es gibt so viel Sinn zu entdecken. 

    Gebrauche Deine Sinne. Täglich. 

    Aus welchen Gründen hat das Leben sie Dir sonst geschenkt?!

    Ein tibetisches Sprichwort lautet: „Werde wieder wie ein staunendes Kind, das die Welt entdeckt – jeden Augenblick neu.“ 

    Denn: Die wahre und tiefe Freude wächst nur in der Loslösung von Deinen Erwartungen, im Freiraum Deiner Seele. 

    Zu staunen ist ein Weg dorthin.

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp