I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.

  • Forever young?

    Teil 1

    Bob Dylan sang es („May you stay forever young“). Das war 1974. Und zehn Jahre später auch die deutsche Band Alphaville mit ihrem Sänger und Songwriter Marian Gold („I want to be forever young“).

    „Forever young“ hieß auch das Erfolgsprogramm des Mediziners Dr. Ulrich Strunz, der seit dem Jahr 1999 viele Bücher zu diesem Thema schrieb und zu zahlreichen Gesundheits-Seminaren einlud. 

    Ja, da stellt sich doch die Frage: 

    Was denkst Du über das Thema „Für immer jung“? 

    Ist es erstrebenswert, für immer jung zu bleiben? Geht das überhaupt? Oder laufen die „für immer Jungen“ nur vor den Herausforderungen ihres Lebens davon?

    Nicht wenige Menschen zeigen einen inneren Widerstand gegen „runde“ Geburtstage. – Als ich 40 wurde, also „nullte“, sprach ich davon, dass ich mich noch genauso jung fühlte wie gestern – mit 39 Jahren. Komisch … Das einzige Mal. Ich hatte damals wohl Angst vor der Midlife-Crisis. Vor der unbekannten „Lebensmitte“. Vor den unkontrollierbaren Veränderungen an Körper, Geist und Seele. Nach dem „Bergfest“ des Lebens. 

    In den späten 1980er-Jahren lernte ich in meiner Praxis eine zierliche, sehr aktive Patientin kennen. Sie vergötterte ihren Star Elvis Presley. Der starb allerdings schon 1977 mit 42 Jahren. Für sie lebte er jedoch als Legende weiter. 

    Das außergewöhnlichste an ihrer Liebe war vielleicht, dass ihr 70. Geburtstag schon hinter ihr lag. Mit ihrem Rockabilly-Kleid aus den 1950er-Jahren war sie voll aus der Zeit gefallen. 

    Und jetzt stand auch noch eine Operation an. „Ohne meine Elvis-Handtasche gehe ich nicht in den OP-Saal!“ Ihre Augen blitzten. So viel war sicher: Elvis musste sie beschützen. 

    Wie auch immer … Sie überzeugte tatsächlich ihre Ärzte. Und durfte ihre Tasche mit seinem Portrait in den OP-Saal mitnehmen. Desinfiziert und eingeschweißt. 

    Egal. Alles ging gut. „Solange ich Elvis an meiner Seite habe, bleibe ich jung!“, sagte sie später. – Voller Überzeugung? Ich weiß es nicht. Vielleicht eher als Mutmacher. Trotz ihrer 70 Jahre hielt sie an früheren Lebensabschnitten fest. 

    „Forever young?“ … Mir kommt es so vor, als wollten viele Menschen den Fluss ihres Lebens aufhalten. Mauern bauen gegen das Älterwerden. „Anti-Aging“ als Parole verkünden. 

    Da halte ich es doch eher mit der Aussage: „Dieser Tag ist der erste Tag Deines restlichen Lebens!“ Dafür gibt es bei mir einen Hintergrund: Es war 1967 – und ich war 19 Jahre jung.

    Was mir in einer tiefgreifenden Berufs- und Lebenskrise zur Hilfe kam, war ein Poster, das ich bereits zwei Jahre zuvor an der Innentür meines kleinen Bades im Haus meiner Eltern befestigt hatte. Darauf stand dieser Spruch, eine alte Indianer-Weisheit, deren Sinngehalt mir ab diesem Morgen immer tiefer einleuchtete: „This day is the first day of the rest of your life.“ 

    Ab diesem Zeitpunkt nahm ich mir vor, jeden Tag als den Beginn eines neuen Lebens zu betrachten. 

    So wurde jeder Tag – vom Rest meines Lebens – auf einen Schlag ganz wertvoll. Unwiederbringlich. Und kostbar. Tag für Tag – und Stunde für Stunde. 

    Ich will nicht für immer jung sein und bleiben. Ich bin 77 – und habe noch jede Menge Pläne. 

    Und einen Spruch auf das Leben loslassen, möchte ich auch. Auf dieses tolle, spannende, verrückte Leben. Ihr kennt den Satz: „Carpe diem!“ – Genieße den Tag! – Heute. 

    Wird fortgesetzt

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Dein Dankbarkeitstagebuch

    Über die Dankbarkeit und die Demut

    Der spätere südafrikanische Präsident Nelson Mandela (1918-2013) saß während der Apartheit über 27 Jahre im Gefängnis. Nach seiner Befreiung sprach ein Journalist mit ihm und sagte mitfühlend: „Sie haben 27 Jahre Ihres Lebens verloren!“ – „Nein, mein Freund“, antwortete Nelson Mandela lächelnd, „ich habe mich 27 Jahre auf das Leben vorbereitet.“

    Wenn der Mensch seine Angst überwunden und seinen Mut entdeckt hat, kann er seinen Mut weitergeben und dankbar sein. Er kann sich mitteilen. Sein Wissen und seine Erkenntnisse mit anderen teilen. Oder er kann abdriften ins „Ich bin der Größte!“, „Ich stehe über allem!“ Das ist Hochmut. (Ja, da fallen mir doch sofort Donald Trump, Putin und deren machtgeile Tech-Milliardäre und Oligarchen ein …) 

    „Hochmut kommt vor dem Fall“ – und führt mit etwas Verspätung oft in eine Depression. Denn der Fall, der Absturz, ist ja das Gefühl, im Nichts zu versinken.

    Du kannst natürlich, wenn Du Deine Angst erst gar nicht überwindest – also nie Mut und Zuversicht entwickelst und Dein Leben voller Angst und Sorge ist – auch ohne den Weg über den Hochmut in die Depression gelangen. Dann steht nicht der Hochmut zwischen Angst und Depression, sondern das „Minderwertigkeitsgefühl“. Das Gefühl, es nicht zu schaffen und eine Versagerin, ein Versager zu sein. 

    Demut heißt auch: „Annehmen dessen, was ist …“

    Wenn der Mensch die Angst annimmt und sich mit ihr versöhnt, kann er über diese Versöhnung in die Freude gelangen. Ohne die Annahme und Wertschätzung der eigenen Schattenseiten sind Entwicklungsschritte allerdings nicht möglich.

    Dankbarkeit heißt: Sich einordnen in die Struktur des Lebens. Den anderen nicht ausschließen, sondern teilhaben lassen. Sich ein Herz für die Schöpfung bewahren. Dem Geschwächten zur Seite stehen. Die Schönheit des Augenblicks lieben.

    Ist es da nicht gut, ein „Dankbarkeitstagebuch“ anzulegen – es täglich zu führen und zu erweitern?

    „Heute bin ich dankbar für …“ (Schreibe diesen Satz anfangs für jeden Tag neun Mal untereinander in Dein Tagebuch.) 

    Und zum Abschluss: „Und besonders dankbar bin ich heute für …“

    Ein paar Beispiele: Heute bin ich dankbar für … die bunten Blumen auf den Feldern / das Lächeln von Max und Lisa / den Sonnenstrahl, der durch die Wolken fiel / für meine guten und liebevollen Gedanken / für die Kissenschlacht, die uns viel Spaß gemacht hat / für das gute Rezept, an das ich mich herangetraut habe / für das Telefonat mit Oma Hilde / für die warme Dusche am Morgen / für den tollen Lesestoff, den ich mir gegönnt habe / für das herzliche Lachen im Nachbarsgarten.

    Und besonders dankbar bin ich heute für … den schönen Tag!

    Hundert Mal am Tag kannst Du das wichtigste Wort sagen. Das absolute Geheimniswort: DANKE!

    Dann fällst Du nicht mehr in Dein Gedankenmuster, dass Dein Leben nicht in Ordnung ist. 

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Hereinspaziert!

    Die Sechswörtergeschichte

    Liest Du gerne? Und wenn ja: Was? Es gibt Romane, Kinderbücher, Sachbücher, Comics. Und tausend Sachen mehr. 

    Ich habe gar nicht so viel Zeit zum Lesen. Dafür schreibe ich fast unentwegt. Zum Beispiel alle vierzehn Tage eine neue Kurzgeschichte in der Sparte „Futter für die Seele“. Nun schon über zwölf Jahre lang. Mehr oder weniger kurze Geschichten. Meistens auf nur eineinhalb DIN A4 Seiten. Und in kurzen Sätzen. 

    Ernest Hemingway (1899-1961), riet allen Schriftstellerinnen und Schriftstellern: „Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.“ 

    Als Meister der kurzen Sätze gilt zwar der Prinz von Kölle, Lukas Podolski („Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause.“), aber auch Hemingway selbst war ein Meister der Kurzgeschichten. Seine kürzeste bestand aus sechs Wörtern: „For sale: Baby shoes. Never worn.“ (In der deutschen Übersetzung reichen sogar vier Worte: „Babyschuhe, ungetragen, zu verkaufen.“) Eine Geschichte, ein Roman, ein Drama – kürzer geht es nicht.

    Und, ja … der sechs-Worte-Satz ist eine psychologisch-biografische Übungsaufgabe. Oder, um im Rahmen zu bleiben: Die Sechswörtergeschichte als ein eigenes, kleines Genre. 

    Also, wenn Du Lust hast: Schreibe das Hauptthema Deines Lebens in nur sechs Wörtern auf. 

    Beispiele? Bitte sehr: 

    • „Mein erstes Konzert: Bowie. Erklärt alles!“
    • „Schwierige Kindheit führt mich zur Weisheit.“
    • „Grauer Star. Hab’s nicht kommen sehen.“
    • „Tschüss, blöder Günther, jetzt lebe ich!“
    • „Drei Katzen, ich bleibe niemals ungeliebt.“
    • „Freude und Schmerz sind eng verwoben.“

    Alles Sechswörtergeschichten. 

    Die kurze Form zwingt dazu, eine Essenz zu finden und sich selbst zu reflektieren: Ist mein Leben gelungen – mehr oder weniger? Welche Überschrift bestimmt mein Leben? Was ist der Grundton meiner Existenz?

    Als Claudia und ich die „Sechswörtergeschichten“ kennenlernten, näherten wir uns – nach einigen halbgaren Versuchen – unseren wirklichen Lebensmotiven an. Unserer Lebensmotivation. Dem, was uns beseelt. Dem, was unser Leben ausmacht. In nur sechs Wörtern niedergeschrieben:

    • „Liebe trägt mich durch mein Leben.“ (Claudia) Und:
    • „Ich bring mein Herz zum Leuchten.“ (Georg)

    Und nun: Werde Schriftsteller/in. Formuliere Deine Sechswörtergeschichte. Bis Deine Seele zufrieden ist.

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Kauf Dir einen Sorgenstuhl 

    Teil 2

    Erwünscht ist auch, alle Sorgen aufzubauschen.Wenn Du schon minderwertig bist, dann bist Du mit Sicherheit das minderwertigste Wesen des gesamten Universums. Wenn Du ein Versager bist, dann gleich die allergrößte Niete seit Adam und Eva. Wenn Du ein armer Tropf bist, dann aber auch der allerärmste Wurm, der sich hier auf Erden krümmt …

    Bei Jana könnte sich das so anhören: „Wenn die Nackenschmerzen nie mehr weggehen?! – Dann kann ich nicht mehr Auto fahren. Dann verliere ich meinen Status. Den Arbeitsplatz sowieso. Dann lachen alle über mich. Dann bin ich der letzte Heuler. – Und wenn meine Nackenprobleme ansteckend sind? Eine Katastrophe. Hinterher laufen alle so rum – und ich bin schuld. Großer Gott… Alle Menschen auf dieser Erde greifen sich dann in den Nacken. Und ich hab’s verbockt! Alle zeigen mit den Fingern auf mich!“

    Und die Sorgen auf die Spitze getrieben: „Heiliger Himmel! Wenn die Wissenschaft diese Krankheit auch noch nach mir benennt: Das ‚Jana-Nackenschmerz-Syndrom‘, heißt es dann. Und das steht weltweit im Diagnoseregister … In jeder Arztpraxis fällt mein Name … Dann hab ich Follower ohne Ende. Welche Schande!“ 

    Wir nennen diese Technik „Blow Up“. Das heißt so viel wie „aufblähen und vergrößern“. Denn Übertreiben hilft, um Humor in das Ganze zu bringen. Damit zeigst Du Deinen Ängsten die rote Karte!

    Was aber, wenn sich in den Zeiten zwischen den beiden Sorgenstuhl-Sitzungen die destruktiven Gedanken noch mehr Raum verschaffen, wasanfangs ganz normal ist?

    Dann hilft die Zusatz-Methode des „Gedankenstopps“.

    Wenn sich also Deine üblichen Gedanken aufdrängen, rufe innerlich oder laut: „Halt! Stopp! Um 18.20 Uhr!“ Verweise also Deine Grübeleien auf den nächsten Sorgenstuhl-Termin.

    Du zweifelst, dass es funktioniert? Anfangs zu Recht. Aber Dein Gehirn gewöhnt sich nach einer Woche an die Verschiebung Deiner Sorgen.

    Also: Du verdichtest die Grübel-Attacken und bindest sie an die Sorgenstuhl-Zeit. 10 Minuten morgens, 10 Minuten abends. Unbequemer Sitz. Gesicht zur Wand. Grübeln. Aufblähen. Humorvoll übertreiben … Dann: Stopp! Grübelpause.

    Und jetzt der Plan:

    Erste Woche, wie besprochen: 10 Minuten morgens und 10 Minuten abends. Immer zur gleichen Zeit. Zweite Woche:5 Minuten morgens und 5 Minuten abends. Immer zur gleichen Zeit. Dritte Woche: 5 Minuten morgens oder 5 Minuten abends. (Eine Sorgenstuhl-Sitzung entfällt.) Vierte Woche: Nur noch 1 Minute, morgens oder abends. Schluss. Ende.Grübelaus.

    Vier Wochen Training für mehr Gedankenruhe. Für weniger Selbstsabotageprogramme, weniger Katastrophen-Gedanken. 

    Vier Wochen für besseren Schlaf und bunte Farben im Leben. 

    Und vor allem für mehr Zuversicht und die Gewissheit: Ich kann etwas ändern und Neues lernen, wenn ich aktiv bin.

    Bei Jana wirkten die Übungen bereits nach drei Wochen. Sie entschied sich auch dazu, flexibler zu sein und in ihrem Alltag geschmeidiger zu leben. Mit weniger Kontrolle und einer fröhlicheren Grundeinstellung. Ihre Lösungen hießen jetzt: „Das juckt mich nicht!“ Und: „Mit einem leichten ‚Scheißegal‘ geh ich durchs Leben …“ Ab diesem Zeitpunkt konnte sie den Kopf wieder drehen, wieder in alle Richtungen schauen. 

    Und den Sorgenstuhl? Den hat sie zu ihrer eigenen Genugtuung nach kurzer Zeit entsorgt. Welch ein Glücks-Tag!

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Kauf Dir einen Sorgenstuhl 

    Teil 1

    „Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurch finden zu den großen Gedanken, die einen stärken.“ (Dietrich Bonhoeffer)

    Jana (Name geändert), eine Patientin im Alter von 48, greift sich in den Nacken. „Ich hab immer so Nackenprobleme“, sagt sie. „Ich kann mich nicht drehen. Ich weiß nicht, wohin ich gucken soll.“

    ‚Starr geradeaus?‘, fährt es mir durch den Kopf. 

    „Meine Mutter war ihr Leben lang der Ansicht, dass man über Gefühle nicht spricht.“ Klar, Gefühle waren zu jeder Zeit nur etwas für die wirklich Mutigen. Stand auf einer Spruchkarte. Ich schaue gerne Spruchkarten. Claudia weiß, vor jedem Schreibwarengeschäft bleibe ich stehen und drehe den Kartenständer einmal um die Achse. „Ihnen haben aber viele gefallen!“ sagt später die Kassiererin. 

    Ich finde positive, lebensbejahende Gedanken einfach wundervoll. „Nimm Dir Zeit, um froh zu sein, es ist die Musik der Seele.“Ist so eine Karte nicht schön?! 

    Jana, meiner Patientin, hätte ich gerne die Einstellung vermittelt: „Unser Leben ist so leicht wie eine Pusteblume: Wenn wir uns fallen lassen, lernen wir selber fliegen!“ 

    Das geht natürlich nicht, weil dieser Satz sie nicht dort abholt, wo sie sich gerade selbst sieht und fühlt. Die Grübeleien gehen ja nicht von alleine weg. Dieses Gedankenkarussell: „Ich brauche Kontrolle. Die Nackenschmerzen kann ich nicht beeinflussen. Deshalb fühle ich mich hilflos und ausgeliefert.“ 

    So was rattert im Kopf herum. Diese Sprüche hat sie ja auch sehr konsequent und über viele Jahre intensiv trainiert. Immer und immer wieder. Das reicht dann bis in den Keller der absoluten Selbstzweifel.

    Da hilft nichts … außer: Gegentraining mit der „Sorgenstuhl-Methode“. Und die funktioniert so: Du brauchst 15 Euro und vier Wochen Zeit, anfangs 2 x 10 Minuten pro Tag.

    Wenn das nicht möglich sein sollte (15 Euro zu viel Geld, 20 Minuten nicht durchführbar), dann lass besser die Finger davon. Ich habe diese Methode vor ungefähr 50 Jahren in meinem Psychologiestudium kennen- und schätzen gelernt. Aber Vorsicht: Wenn Du 15 (vielleicht im Sonderangebot auch nur 10) Euro nicht investieren möchtest, dann grüble einfach weiter. Dann ist das ja vielleicht Deine Bestimmung.

    Du willst investieren? Gut. Dann kauf Dir gleich morgen von den 15 (vielleicht auch nur 10) Euro einen einfachen, unbequemen Hocker ohne Rücken- und Armlehne. Es gibt solche mit vier Metallbeinen und aufgeschraubtem Holzsitz. Das ist für die nächsten vier Wochen Dein „Sorgenstuhl“.

    Warum so billig, fragst Du Dich? Du sollst ihn natürlich nach vier Wochen wegwerfen oder im Keller deponieren können. Auf diesem Sorgenstuhl wirst Du in den nächsten 28 Tagen alle Deine Sorgen bündeln und ausleben. (Verstehst Du jetzt, warum er unbequem und nur begrenzt haltbar sein soll?! Du wirst später Deinen „Sorgen-Sammel-Stuhl“ wohl nicht in Deiner Nähe aufbewahren wollen…)

    Also, wie gehst Du vor?

    Platziere Deinen „Sorgenstuhl“ an der unattraktivsten Stelle Deiner Wohnung. Empfehlenswert ist eine Ecke, in der Du sonst nie sitzt. Wenn Du ihn benutzt, setzt Du Dich am besten mit Deinem Gesicht bewusst zur Wand. Da sollte natürlich kein schönes Foto hängen, sondern Langeweile entstehen.

    Die Übung in der 1. Woche: Vom 1. bis zum 8. Tag nimmst Du Dir eine 10-minütige, feste Zeit am Vormittag (beispielsweise von 6.40 Uhr bis 6.50 Uhr) und eine feste Zeit am frühen Abend (beispielsweise 18.20 Uhr bis 18.30 Uhr) vor.

    7 Tage lang setzt Du Dich jetzt um 6.40 Uhr und um 18.20 Uhr mit dem Gesicht zur Wand auf Deinen Hocker, und beginnst Dir über alles und jedes Gedanken zu machen. Alle Ängste und alle Sorgen sind erwünscht,alle Grübeleien, jeder Selbst- und Fremdvorwurf, alle überzogenen und unerfüllten Erwartungen an Gott und die Welt oder auch an Dich selbst. Alle Bewertungen wie: „Ich bin sowieso nichts wert!“, „Keiner liebt mich!“, „Alle anderen sind besser als ich…“

    Oder auch: „Was geschieht mit mir, wenn die Panikattacke kommt?“ – „Wenn im Kino Feuer ausbricht?“ – „Wenn ich den Job verliere?“ – „Ein Dachziegel auf meinen Kopf fällt?“ – „Ich aus der Niedergeschlagenheit nicht mehr herausfinde?“ …

    Male Dir alle Katastrophen, die Dir widerfahren könnten, in bunten Farben aus. Spüre genau hin: Wo sitzt die Angst in Deinem Körper? Die Panik? Die Depression? Die Wut? Die Ohnmacht?

    Wird fortgesetzt

  • Die 7. Welle

    Was ist der richtige Moment für den Absprung? Für die Veränderung im Leben? Den Wandel und den Neubeginn? 

    Vor längerer Zeit, genau im Jahr 1973, erschien der Film „Papillon“ im Kino. Mit den Darstellern Steve McQueen und Dustin Hoffman in den Hauptrollen. Ein hartes Gefangenendrama, das Anfang der 1930er Jahre mit der Deportation von etwa hundert Gefangenen aus Frankreich in die Strafkolonie Französisch-Guayana beginnt. Unter den Gefangenen ist auch Henri Charrière (Steve McQueen), der wegen seines auf die Brust tätowierten Schmetterlings, dem Zeichen für Freiheit, „Papillon“ genannt wird.

    Er entwickelt schließlich den Plan, von einer Klippe der Gefängnisinsel ins Meer zu springen – und sich auf Säcken voller Kokosnüsse ans Festland treiben zu lassen. 

    Doch einfach ist sein Plan nicht. In der Schluss-Szene berichtet er seinem etwas schrulligen Mitgefangenen (Dustin Hoffman): „Wenn Du einfach in die Tiefe springst, wirst Du es nicht schaffen. Ich habe mitgezählt. Die ersten sechs Wellen schlagen gegen die Klippe. Sie werden Dich nicht auf das offene Meer führen, sondern gegen den Felsen schmettern. Erst jede siebte Welle trägt Dich hinaus.“ 

    Papillon zählte die Wellen – und setzte seinen spektakulären Klippensprung genau vor Beginn der siebten Welle an. Die Brandung führte ihn schließlich aufs offene Meer – und in die Freiheit. 

    Die siebte Welle … in Veränderungsprozessen ist nicht die Küste und nicht das offene Meer das Problem, sondern die Brandung. Die Wellen und die Gischt, die uns die Kraft rauben. Der Wind, der uns entgegenbläst. Der Weg, der noch nicht gebahnt ist.

    Es gibt richtige und es gibt falsche Augenblicke für unseren Veränderungsprozess. Nicht alles können wir planen. Manchmal weist uns das Schicksal auf den passenden Zeitpunkt hin. Das kann eine Krankheit, die permanente Nicht-Erfüllung von Wünschen sein. Die immer gleichen Steine, die uns im Weg liegen. Die immer gleichen Klippen, die uns die Hoffnung nehmen. Die immer gleichen Gedanken, die uns am Aufschwung und Umschwung hindern. 

    Doch: Die siebte Welle gibt es auch für uns. Für Dich und für mich. Es gibt diesen „richtigen“ Zeitpunkt für Veränderungen, für Aufbruch und Neubeginn. Die einzige Voraussetzung: Offen und bereit zu sein für den Wind, der uns antreibt.

    Wie uns schon ein chinesisches Sprichwort verrät: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern – und die anderen Windmühlen.“

    Wind und Wellen gab es zu allen Zeiten. Auf der Arbeit, in der Partnerschaft, in einer gescheiterten Lebensbalance. Seien wir wachsam und neugierig auf die Zeit der siebten Welle. Am besten mit Mut und Zuversicht. 

    Dann gibt es jedoch nur einen guten Rat: Klammere Dich nicht an der Klippe fest!

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Freude!

    Schön! – Was ist erfüllender als das wunderbare Gefühl der Freude? Schade, wenn sie fehlt … 

    Die fühlte ich in den letzten Monaten nämlich nicht so oft: Erst ein doppelter Rippenbruch auf Glatteis, danach einen Magen-Darm-Virus, und obendrauf noch eine fette, dicke Gürtelrose. Also Krankenstand statt Lebensfreude. Ärgerlich. Frustrierend. Gerade diese Schlappheit. Immerzu müde.

    Was mich aufbaut? Zum Beispiel ein persisches Sprichwort. Es heißt: „Auch dies geht vorüber.“ Also: Auf Regen folgt Sonnenschein. Oder auch: Nichts bleibt, wie es ist. 

    Bedeutet: Die Freude hat immer die Chance, zurückzukehren.

    Manchmal vergleiche ich die alltägliche Freude mit einer knallbunten Blumenwiese im Frühling.

    An dieser blühenden Vielfalt führt unser Weg entlang. So, wie die Knospen sich voller Freude entfalten, entfaltet auch der Weg seine Kraft und Schönheit. 

    Wenn Du also bereit und offen bist für die Freude, wird sich Dein Lebensweg vor Deinen Augen entfalten. Und früher oder später wirst Du es fühlen: Dieser Weg entlang der Frühlingswiese ist kein Weg mehr der ständigen Zweifel, der Angst und der Unsicherheit. Er ist ein Aufbruch zu Deiner wirklichen Identität, zu Deinem wahren Sein. 

    Manchmal wirst Du auch den neuen Weg hinterfragen, denn er führt Dich auf unbekannte Pfade. Und möglicherweise in ein „Niemandsland“ zwischen dem Altvertrauten, aber auch Lähmenden – und Deiner neuen Entwicklung.

    Freude an Veränderungen ist ein „game changer“, verändert das Spiel des Lebens.

    Und wenn die Frühlingswiese verblüht und der Weg wieder unebener geworden ist?

    Dann schenk Dir doch selbst eine wunderschöne rote Rose, stell sie auf Deinen Schreibtisch und sage Dir bei jeder Gelegenheit: „Das bin ich mir wert!“

    Oder lass auf den herbstlichen Feldern einen bunten Drachen steigen – und freue Dich daran, wie es auch die Kinder tun. 

    Jeder Farbtupfer, jeder Sonnenstrahl kann Anlass zur Freude sein. Aber hatte nicht auch der Komiker Karl Valentin (1882-1948) recht, wenn er uns in seiner trocken-humorigen Art mitteilte: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

    Na, also … 

    Meine Gürtelrose heilt langsam ab. Welch ein Grund zur Freude!

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Wecke Deine Lebensfreude!

    Rechts, links – immer im Wechsel
    Teil 2

    Lebensfreude ist auch ein Produkt Deines Gehirns. Also gib Deinem Hirn die richtige Denk-Nahrung, damit es die Chance hat, Deine Lebensfreude zu wecken!

    Ich schrieb im ersten Teil vom „Rechts-Links-Rhythmus“ als Übungsprogramm für die grauen Zellen. Ein ständiger Wechsel in der Aktivierung Deiner beiden Gehirnhälften erleichtert seine Lern- und Veränderungsbereitschaft. Und die Lösung von Problemen. 

    Heute möchte ich Dir weitere Tipps auf Deinen Weg geben, wie Du durch einfache Übungen Dein Gehirn trainieren kannst, schnell und kreativ zu reagieren – statt träge und satt immer die alten Denk- und Verhaltensmuster zu bedienen. 

    Ich führe gerne eine kleine Übung beim Autofahren durch – allerdings nur im Stillstand an einer roten Ampel. Meine Hände halte ich dann weiter in der üblichen „10 vor 2“-Stellung. Und klopfe jetzt mit beiden Zeigefingern im Wechsel auf das Lenkrad. Also: Beide Hände am Steuer lassen – und abwechselnd rechts-links mit den Zeigefingern klopfen. Wenn Gelb-Grün wieder leuchtet, höre ich damit natürlich auf.

    Ebenso kannst Du Dir beim Fernsehen mit den Innenseiten der Hände auf die Oberschenkel klopfen – sanft und immer im Wechsel. Eine Minute lang. 

    Oder Du rollst die Augen nach rechts, nach links – hin und her. Eine Minute für ein lösungsorientiertes Gehirn.

    Sicher fallen Dir noch ganz andere kleine Körperübungen für mehr Flexibilität und Lebensfreude ein.

    Was mir auch noch einfällt: Lebensfreude und Lebensgenuss sind wie zwei optimistisch gestimmte Geschwisterchen. 

    Wir sind nicht auf dieser Welt, um uns zu quälen und zu bestrafen.

    Wir sind hier, um uns selbst in unseren Möglichkeiten und Potenzialen zu erfahren und uns selbst und anderen Menschen und Tieren Freude zu bereiten. 

    Wir sind hier, um uns am Leben, an der Natur und an sozialen Kontakten zu erfreuen.

    Hören wir auf, uns einzureden, dass schöne und erfüllende Gefühle nichts für uns sind. 

    Wenn Du an eine Schöpferkraft glaubst: Meinst Du, Gott – oder wie immer wir diese Energie bezeichnen –, würde sich nicht selbst an unserem frohen Sinn erfreuen?! 

    Meinst Du, ein Leben in „Sack und Asche“, also geplagt von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, würde besser zu Dir passen? 

    Ganz im Gegenteil: Wir sind hier, um uns und das Leben – so oft es geht – zu feiern!

    Wenn wir unsere Herzen öffnen, sind wir nur noch einen ganz kleinen Schritt von einem Leben entfernt, das uns berührt und Freude schenkt.

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Wecke Deine Lebensfreude!

    Übung in vier Schritten
    Teil 1

    Was bedeutet „Lebensfreude“ eigentlich? Freude am Leben, klar. Aber was meint das wirklich? 

    Im Rheinland ist gerade die hohe Zeit des Karnevals. Jetzt, an den „drei tollen Tagen“. Aber nicht jeder Jeck, der eine Pappnase trägt, wird Lebensfreude fühlen. Karneval kann auch zur bloßen Pflicht verkommen, zum „Fröhlich-sein-Müssen“. Und nicht jeder Karnevalsscherz zielt auf die Freude und das Wohlgefühl aller ab. Manche fokussieren sich auch nur auf ihren sehnsüchtigen Wunsch nach ausgelassenem Vergnügen. 

    Der österreichische Schriftsteller und Lehrer Ernst Ferstl sagt dazu: „Vergnügungssüchtige gehen überall hin – nur nicht in sich.“ Die oberflächliche Lust am Vergnügen kann letzten Endes sogar krank machen.

    Was wir aus wissenschaftlichen Untersuchungen lernen konnten: Menschen, die keine Lebensfreude mehr empfinden, stecken häufig in gedanklichen „Datenautobahnen“ fest. In jahrzehntelang gewohnten Denk- und Verhaltensmustern.

    Das zu ändern ist ein langwieriger Prozess, und setzt viel Trainingsarbeit voraus. Einerseits.

    Andererseits gibt es eine kleine Übung, mit der Du Deine belastenden Gedanken ganz schnell positiv verändern kannst. Sie stammt aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) und geht so: 

    Besorge Dir einen DIN A5-Block oder einen Stapel Karteikarten. Ich persönlich liebe den Stapel Karteikarten.

    Dann schreibe einen kurzen Gedanken auf, an den Du glaubst und der Deine Lebensfreude blockiert. Zum Beispiel: „Ich darf das Leben nicht genießen!“ Oder: „Für jede Sekunde Glück muss ich tagelang büßen!“ Oder auch: „Bei meinen Eltern durfte ich gar nichts!“ 

    Hast Du Deinen blockierenden Gedanken aufgeschrieben?

    Dann folgt der nächste Schritt: Zähle jetzt die Buchstaben Deines Satzes zusammen. Und schreibe die Anzahl der Buchstaben unter Deinen Gedanken. 

    In die nächste Zeile schreibst Du, in welcher Farbe Du den Satz hingeschrieben hast: Schwarz, blau, rot? 

    Und dann? Nimmst Du Deinen Gedanken – und singst den Satz auf eine bekannte oder selbstgestrickte Melodie laut vor Dich hin. Auch schräg oder falsch oder atonal. 

    So könntest Du den Gedanken: „Ich bin ja gar nichts wert!“ auf die karnevalistische Melodie singen: „Es ist noch Suppe da!“ – Wie schön!

    Wobei wir wieder bei einem gesunden Maß an Lebensfreude sind … 

    Humor ist nämlich die halbe Miete für Deine gruseligen Gedanken und Selbstanklagen. 

    Sing Deinen Text auf eine beliebige Melodie. Trau Dich! Und Du spürst im nächsten Moment: „Mit diesem Scheiß-Satz hab ich nichts mehr zu tun.“ Und das in längstens zwei Minuten. 

    Wie kommt das? Weil Du in den vier Zeilen auf Deiner Karte ständig die Aktivität Deiner beiden Gehirnhälften wechselst. Und der rasche Wechsel Deiner Rechts-Links-Aktivität im Hirn stärkt sofort die Lern- und Lösungsbereitschaft Deiner grauen Zellen. Also: Raus aus destruktiver und liebloser Selbstanklage – und rein in die Freude über Dich selbst und das Leben. 

    Humor kann auch in der Therapie ein „Gamechanger“, ein Spielveränderer sein. Gerade deshalb lag in meiner Praxis über viele Jahre eine rote Clownsnase herum. Ich setzte sie während einer therapeutischen Sitzung nicht oft auf. Aber mit Sicherheit dann, wenn ich mich vom Patienten nicht ernstgenommen fühlte. Und ich mir selbst eine Freude machen wollte. Eine gute, alte, therapeutische Verwirrtechnik. Nicht nur am Rosenmontag.

    Das ganze Jahr hindurch fahre ich mittlerweile eine rote Pappnase in meinem Auto spazieren. Für alle Fälle … 

    Wird fortgesetzt

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp 

  • Warum soll ich mich ändern?

    Über den Fluss des Lebens

    Wir müssen die Aussage von Mikael Gorbatschow, dem früheren russischen Präsidenten, ja nicht rauf- und runtersingen … Aber: Da ist was dran. 1989 soll er die Sätze geprägt haben: „Das Leben verlangt mutige Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ 

    Wir können uns wegducken. Nicht schlimm. Wir können Herausforderungen vermeiden. Okay. Aber wir können nicht ewig weglaufen.

    Und da lese ich in einem philosophischen Text: „Veränderungsbereitschaft ist der Schlüssel zum persönlichen Wachstum und zur Entfaltung des Lebens. Sie erfordert Mut …“ (aus: Weisheitsletter, Ausgabe 5/2025, Publik-Forum-Verlagsgesellschaft mbH, Oberursel)

    Vor einiger Zeit kam ein 39jähriger Arbeiter zu mir in die Therapie. Auf seiner Arbeitsstelle fühlte er sich permanent abgewertet, nicht ernstgenommen. Er wirkte leicht verzweifelt: Wenn er für seine Kollegen Bier heranschleppen solle, könne er nicht „nein“ sagen. Auch zu Hause stünde er im Schatten seiner Frau – und überhaupt, alle Menschen machten mit ihm, was sie wollten.

    Wichtig für ihn war offensichtlich, an seinem mangelnden Mut zu arbeiten. Er nahm sich vor, den Satz „Ich habe Mut!“ per „Huckepack-Verfahren“ zu lernen. Das bedeutet: Wenn Du einen Gedanken, eine Einstellung, die noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, im Unterbewusstsein verankern willst, dann knüpfe sie an eine Tätigkeit, die Du Tag für Tag ohne nachzudenken praktizierst.

    Dieser Patient trug zusätzlich zu seinem Job jeden Morgen Zeitungen aus. Vor jedem Einwurf in den Briefkasten oder das Zeitungsfach sagte er jetzt zu sich selbst „Ich habe Mut!“ Zweihundert Mal am Tag. So viele Male, wie er Zeitungen austrug. 

    Vier Tage später stand er in der Tür und sagte: „Dieser Satz sitzt. Den nächsten bitte.“ 

    So verankerte er in einem Monat vier Sätze. Und war wie ausgewechselt: Den Kollegen sagte er die Meinung, seiner Frau gab er selbstsicher, aber liebevoll Widerworte – und ein halbes Jahr später fuhr er für mehrere Monate auf Montage nach Südafrika. Ein Wunsch, den er sich bis dahin nie erfüllen mochte. Er hatte gelernt: Mut wächst mit dem Beginnen.

    Ziemlich oft in unserem Leben stehen wir an Weggabelungen. Beim Waldspaziergang orientieren wir uns, wenn der Weg sich gabelt, vielleicht daran, welcher von beiden häufiger begangen wurde. Denn er führt mit ziemlicher Sicherheit an ein Ziel.

    Manche stehen dann aber auch festgewurzelt wie der sprichwörtliche „Ochs vor dem Berg“. Auch aus Angst, sich an dieser Stelle falsch zu entscheiden. Nicht anzukommen. Oder Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Vielleicht auch aus Angst, nicht mehr zurückzufinden.

    Und dennoch: Jede Wahl, jede Veränderung, bietet uns die Chance, neue Wege zu entdecken.

    Was aber, wenn wir uns nicht ändern wollen? Wenn wir uns gegen Änderungen wehren, kostet uns das sehr viel Kraft und Energie. Die Verweigerung, Entscheidungen zu treffen, macht unser Leben nicht leichter. Denn: Gegen Wellen zu kämpfen, sich vor ihnen aufzubäumen, ist eine von mehreren Wahlmöglichkeiten. Eine andere ist, auf den Wellen zu surfen, und zu schauen, wohin sie uns tragen.

    Unser Leben ist ein stetiger Wandel. Schon der antike Denker Heraklit von Ephesus sprach vor ca. 2500 Jahren: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“ Der Fluss ist beim zweiten Mal ein anderer, hat sich gewandelt und verändert. Das Wasser, das uns umströmt, ist frisch und neu. Wenn wir akzeptieren, dass alles fließt und sich alles ändert, gewinnen wir persönliches Wachstum – und haben die Chance auf eine größere Ruhe und Gelassenheit. 

    In herzlicher Verbundenheit

    Ihr Georg Rupp