I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.
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XIV. Dalai-Lama.
Dieser Gedanke des Dalai-Lama trifft sicherlich auf große Zustimmung. Zumindest bei den Menschen, die an Selbsterkenntnis und persönlichem Wachstum interessiert sind.
Warum aber ist es dann so schwer, dieses „Leitmotiv“ auf unser alltägliches Leben zu übertragen?
Dr. Wolf Büntig, Gründer und Leiter von ZIST (Zentrum zur Entwicklung menschlicher Kompetenz durch Selbsterfahrung, Wegbegleitung und Psychotherapie) beschreibt als eine der Ursachen, dass wir uns in der Kindheit den Bildern und Bewertungen unterwerfen, die unsere Eltern – und andere Bezugspersonen – uns vermitteln. Mehr noch: Wir identifizieren uns mit ihnen.
In unserer Gesellschaft sind wir oft einem hohen Leistungsdenken ausgesetzt. Dieser Leistungsdruck „drückt“ im wahrsten Sinne des Wortes auf unseren Körper. Wir halten dann auch im späteren Leben durch Muskelkraft an unseren Identifizierungen der Kindheit fest.
Da unser Körper „die Bühne unserer Gefühle“ ist (Antonio Damasio / Neurowissenschaftler), werden wir auch als Erwachsene immer wieder auf die Gefühle der ersten zwei bis drei Lebensjahre zurückgeworfen, und halten mit sehr viel Kraft und Energie an unseren „Notlösungen der Kindheit“ fest. Damals hatten sie uns geholfen, die Liebe und Zuneigung der anderen nicht zu verlieren. (Wir Menschen sind „Säugetiere“ und deshalb auf Beziehungen angewiesen.) Letzten Endes taten wir alles, um geliebt zu werden und nicht ausgegrenzt und alleine zu sein. Und tun es heute noch.
Was können wir in die Wege leiten, um unsere Körpererinnerungen zu verändern?
Was ist nötig, um Zufriedenheit und Erfüllung in uns selbst zu finden?Wir müssen unsere eigene Lebensspur wieder finden, nachdem wir als Kind „entgleist“ sind.
Was war Deine kindliche Lebensspur, mit der Du auf die Welt gekommen bist?
Was hat Dir als Kind große Freude gemacht?
Was tatest Du gerade, als Dein Herz aufging, Du alles um Dich herum vergessen hast?
Spüre in Dich hinein und frage Dein Herz – es kennt Deinen Weg.Setze Dich wieder auf Deine eigene Lebensspur. Finde Deine eigene Lebensmelodie. Lerne, Deine Selbstbeengungen loszulassen. Und öffne Deinem guten Leben eine Schneise, bahne ihm einen Weg, der Dich zufrieden macht. Schon Konfuzius (551-479 vor unserer Zeitrechnung) sagte: „Der Weise sucht, was in ihm selbst ist. Der Tor sucht außerhalb.“
Beginne jetzt! In diesem Augenblick!
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Ob heute, ob in 10 oder 20 Jahren – es wird eine unserer Aufgaben sein, dem Menschen Zuversicht zu geben. Zuversicht auch in dem Sinne, dass er wieder in Einklang mit sich selbst und seinen ureigensten Sinnen und Gefühlen als ganzheitliches Wesen leben und bestehen kann. Ob als Visionär, als Mensch der Tat, ob als Designer, Architekt, Theologe oder Lehrer – wir alle müssen uns mit dem Gedanken beschäftigen, wie der Mensch seine verlorengegangene Sinnlichkeit in seiner ihn umgebenden Welt, in der er lebt, arbeitet und sich erholt, wieder zu entdecken vermag. Wir brauchen Orte der Ruhe und Geborgenheit, wo der Mensch sich wohlfühlen und wieder zu sich, zur Natur – und letztlich auch zur Spiritualität – finden kann.
Wir brauchen Konzepte, die den Menschen mit Körper, Geist und Seele, mit seinen Sinnen, Empfindungen und Ahnungen ansprechen. Diese eröffnen dem Menschen die Möglichkeit, sich auf die Suche zu machen nach dem, was für ihn, für seine unverwechselbare Person, wesentlich ist. Und für seine Sinnfindung, für sein Spüren, Glauben und Hoffen. Denn Fort-Schritt heißt heute oft auch: Wir schreiten fort von dem, was wesentlich ist.
Ich bin überzeugt – und erfahre dies in vielen Gesprächen –, dass sich die Mehrzahl der Menschen nach Orientierung sehnt. In einer Zeit, die niemals chaotischer und hektischer war, in einer Zeit, in der immer neue, aufregende Computerspiele oder aufwändigere Smartphones für die „Kopf-runter-Generation“ produziert werden, um künstliche Knalleffekte im Gehirn zu erzielen, in dieser Zeit ist die Suche nach den eigenen Wurzeln und Kraftquellen, ist der Weg zur eigenen Mitte die sinn-vollste Alternative. Er entspricht der menschlichen Sehnsucht nach Geborgenheit, aber auch der Neugier, dem Fühlen, Tasten, Spüren und Staunen.
Wer aus seiner Mitte lebt, steht nicht – wie viele andere – mit beiden Beinen fest in den Wolken…
Nur wer tief in sich verwurzelt ist, kann sich auch zum Himmel strecken!
Warum also nicht auf Schulhöfen, in Senioren-Wohnanlagen und Gesundheitszentren einfach ein Teleskop aufstellen, um den Menschen die Dimensionen oben und unten, alle in Einem und eins in Allen ahnen zu lassen?
Warum nicht einfach ein Sandhaus bauen, in dem der Mensch sich in warmem Sand geborgen fühlt?
Warum nicht die Kostbarkeit des Sonnenstrahls in einem Erdhügel einfangen?
Warum nicht bewusst machen, wie viele neue Ufer es gibt, und wie berührend ein bewusstes Er-Leben sein kann?
Es gibt heute eine Reihe von Not-Wendigkeiten. Möglichkeiten, die Not zu wenden. Es gibt Ideen und Chancen. Es gibt noch so viel Lebendigkeit zu entdecken. Es kann noch so viel Glanz in den Augen entstehen…
Wie sagte Hugo Kükelhaus: „Wir müssen uns Zeit nehmen, wenn wir Gutes erreichen wollen. Die Zeit, die wir auf eine Sache verwenden, ist der Maßstab unserer Liebe zu ihr. Zeit ist gewissermaßen gleich Liebe. Und ohne Liebe kann keine Arbeit gedeihen.“
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Teil 3.
Wesentlich für unser Wohlbefinden sind unsere Sinnesorgane. Was erfreut Deinen Blick? Was nimmst Du wahr beim genauen Hinhören? Wie schmeckt etwas, wenn Du genau darauf achtest? Wie fühlt sich etwas an? Wie unterscheidest Du unterschiedliche Gerüche? Wo im Körper spürst Du, was Du fühlst?
Die Sinne sind, wie man so sagt, „im Kommen“.
Es geht also in Zukunft ganz wesentlich um Sinnlichkeit, Sinne und Sinn. Über die Sinne zum Sinn kann ich jedoch nur gelangen, indem ich meine Sinne zunächst einmal wahrnehme. Wahrnehmen heißt aber: Wahrheit nehmen. Da – so scheint mir oft – unterscheiden sich Männer und Frauen noch sehr.
Die Sinne zu schulen, kann für viele Männer, die noch im Helden-Mythos verwurzelt sind, eine echte Herausforderung bedeuten. Aber wenn wir die Zukunft meistern wollen – und das setzt eine Förderung der intuitiven Energien, auch der Bauchentscheidungen, also der Intelligenz der Gefühle, voraus –, dann kommen wir nicht umhin, die Emotionalität und Phantasie der rechten Gehirnhälfte mit dem rational-analytischen Denken der linken Hälfte besser zu koordinieren.
Aber ich kann quasi schon die Überzeugungen männlicher Bedenkenträger wahrnehmen, die der Meinung sind, Gefühle seien immer noch Sache der Frauen. Was heißen kann: In Gefühls- und Sinnesempfindungen bin ich meiner Frau hoffnungslos unterlegen, und ich will doch nicht dumm dastehen, wenn ich wie ein I-Dötzchen anfangen muss, daran zu arbeiten!
Die Ergänzung des „Helden“ durch den „weisen Lehrer“ in der zweiten Lebenshälfte ist ein echtes Männerprojekt – schwer genug, aber lehrreich, sinnvoll und notwendig.
Wird fortgesetzt…
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Teil 2.
Wenn Sie Freude daran haben, selber einmal Ihre Sensitivität und sinnliche Wahrnehmung zu testen, dann gibt es hierfür einige gute Adressen: Beispielsweise das „Phänomenia Erfahrungsfeld“ in Essen mit über 120 Experimentierstationen (www.erfahrungsfeld.de). Oder das „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens“ im Schloss Freudenberg in Wiesbaden (www.schlossfreudenberg.de). Es wird geleitet von Matthias Schenk, Weggefährte des 1984 verstorbenen Meisters Kükelhaus. Dort gibt es z.B. eine Tastgalerie, eine Partnerschaukel, Goethes Farbenlehre mit Prismen, Morgenrot und Himmelbau, Gongs und das Monochord des Pythagoras. Die Attraktion ist eine Dunkelbar, in der die DunkelBarkeeper Getränke ausschenken, die man später buchstäblich mit „Schwarzgeld“ (man sieht ja nichts) bezahlt.
Vom Begreifen der Kunst zur Kunst des Begreifens. Und das für Menschen von 3 bis 103 Jahren.
Auch die nun bereits 16 Jahre zurückliegende Weltausstellung Expo 2000 in Hannover war Anlass, in Laatzen einen „Park der Sinne“ zu gestalten. Dort gab es verschiedene Erlebnisstationen, einen Garten der Düfte, ein Trockental, ein Hecken-Labyrinth, den Echo-Garten, das Tal der Schmetterlinge usw.
Dieser Park wurde als hochwertiges Gartenkunstwerk konzipiert, das sich durch die Strukturen- und Formenvielfalt der verschiedenen Plätze und „Sinnes-Stationen“ sowie durch phantasievolle Spielbereiche auszeichnet.
Heute, im 21. Jahrhundert, geht es um die Balance von Körper, Geist und Seele. Das erscheint schon fast trivial angesichts der Tatsache, dass man den Menschen nicht aufspalten kann. Und wer die „Seele“ dem Theologen überlassen möchte, kann dafür die Worte „Gefühle“ oder „Sinne“ setzen.
Wird fortgesetzt…
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Teil 1.
Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten einige Kilometer über eine schnurgerade, ebene, hindernisfreie Betonbahn gehen. Am Ende der Strecke werden Sie ermattet sein.
Wie anders wird es Ihnen bei einer Wanderung durch den Wald ergehen! Da sind verschlungene Pfade, es geht über Stock und Stein. Wurzeln, Moos, dichtes Gebüsch, Rinnsale. Das Licht ist dämmerig. Sie müssen ganz Auge, ganz Ohr sein. Ganz Nase. Es duftet nach Waldkräutern und Waldboden. Seltsame Geräusche von überall her. Vogelstimmen.
Am Ende des Weges sind Sie erfrischt, fast wie „neugeboren“. Was ist geschehen?
Im Wald sind Sie mit Körper, Seele und allen Sinnen voll beansprucht. Überall kleine, mit Hindernissen verbundene „Wagnisse“.
Auf der risikolosen Betonbahn fordert Sie nichts heraus. Sie haben nichts zu bestehen. Sie sind sozusagen überflüssig. Das ist es, was uns „kaputt“ macht: Die Unterschlagung unserer Fähigkeiten. Leben bedarf der Hindernisse. Wo kein Wagnis, da kein Leben.
Leben bedarf der sinnlichen Wahrnehmung und Empfindung. Der Sinnhaftigkeit.
Ein deutscher Künstler, ein Multitalent, Hugo Kükelhaus (1900-1984), hatte dies bereits vor einigen Jahrzehnten beschrieben. „Schreiben“ hieß bei ihm noch Bücher per Hand zu schreiben, da er der Überzeugung war, dass die Gedanken authentischer fließen, wenn der Kopf sie in die Hand diktiert. Hugo Kükelhaus war seiner Zeit weit voraus.
Auf der Weltausstellung „Expo“ in Montreal 1967 schuf er sein „Erfahrungsfeld für die Sinne“. Aber damals ging es vielen jungen Menschen eher um Rebellionsgefühle und hedonistischen Aufbruch. Es war gleichzeitig die Pionierphase der sinnlichen Entdeckungen: des eigenen Körpers, der eigenen Sexualität, des „Eigen-Sinns“ und der Ekstase. Die Sehnsucht ließ die Herzen allerdings mehr in Richtung Flower Power, Hippies und San Francisco fliegen als auf das Erfahrungsfeld der Sinne von Hugo Kükelhaus.
Heute aber, in einer Zeit, die den Menschen immer stärker entwurzelt, wäre er Trendsetter. Trendsetter zumindest im Sinne des Gegentrends zur werteauflösenden Gesellschaft.
Wird fortgesetzt…
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Ein Briefwechsel über das Scheitern einer Beziehung.
Liebe Sandra, so ähnlich könnte es in Ihrer Ex-Freundin „abgelaufen“ sein. Was ein solcher Mensch meist nicht erkennt: Dass er in seiner eigenen Struktur sehr kompliziert ist. Vielleicht sind ihr auch ähnliche Muster vertraut: Möglicherweise liefen ihre früheren Partnerschaften in vergleichbarer Weise ab. Diese Muster sind in aller Regel in früher Kindheit geprägt worden. Durch „Modellverhalten“ der Bezugspersonen (Eltern), durch Verlassenheits- und Trennungserfahrungen, durch Enttäuschungen und Ängste. Kurz: Durch die eigene, sehr individuelle Lebensgeschichte.
Jetzt ist es, wie es ist. Manchen tröstet in einer solchen Situation der Gedanke: „Alles, was war, ist genauso gewesen.“ Darin steckt eine Form von Akzeptanz in das, was nicht mehr verändert werden kann, weil es Vergangenheit ist. Vergangenes gehört nicht mehr zur Gegenwart, und deshalb nicht zum Hier und Jetzt.
Es schmerzt – und gleichzeitig lebe ich im Jetzt. Es tut weh – und heute ist ein neuer Tag. Mein Herz trauert – und augenblicklich sehe ich die vielen Farben dieser Jahreszeit.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei aller Enttäuschung, aller Trauer, vielleicht auch Verzweiflung, die andere Seite der Münze wahrnehmen. Nämlich Mut und Zuversicht. Das Leben geht weiter – Tag für Tag. Und so schlecht ist dieses Leben nicht. Jede und jeder von uns hat die Chance, für sich das Beste daraus zu machen.
Auch Krise und Chance sind zwei Seiten einer Münze. Wie sollten wir uns entwickeln können, wenn wir nicht vorher in Schwierigkeiten „verwickelt“ waren? – Wir wachsen und reifen weniger an unseren Erfolgen. Wir wachsen und reifen besonders an unseren Herausforderungen, auch am eigenen Scheitern und Versagen.
Auch das macht Leben und Lebendigkeit aus: Dass wir Anteil haben an Licht und Schatten, an Höhen und Tiefen, an Glück und Unglück. Wie sollten wir als Menschen in diesem Leben „ganz und rund“ werden und (später) über den Dingen stehen, wenn wir nicht alle Seiten in uns vereinen?!
Der ehemalige Präsident der Tschechischen Republik, Vaclav Havel, schrieb über die Hoffnung: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
Wenn Sie dieser kurzen Beziehung einen Sinn geben (zumindest können Sie aus alledem lernen…) und sich nicht verschließen, kann Hoffnung aufkeimen und etwas Neues entstehen. Wenn Sie sich für die Gegenwart öffnen, hat das Leben eine neue Chance.
Ihnen alles Gute und einen herzlichen Gruß
Georg Rupp
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Ein Briefwechsel über das Scheitern einer Beziehung.
Vor kurzem erhielt ich von einer jungen Frau (Mitte zwanzig) einen Brief mit folgendem Inhalt:
Hallo Herr Dr. Rupp,
vielleicht können Sie mir einen Rat geben. Ich habe vor einem Monat ein echt tolles Mädchen kennen gelernt. Alles war perfekt, bis ich ihr erzählt habe, dass ich Tabletten nehmen muss – und dies vielleicht für mein ganzes Leben.
Seitdem hat sie keine Gefühle mehr für mich und kann nicht mehr mit mir zusammen sein. Auch wenn es nur ein Monat war, bin ich wirklich traurig. Die Sache ist gelaufen, und ich weiß nicht weiter.
Daraufhin antwortete ich ihr:
Guten Tag Sandra (Name geändert),
das ist natürlich eine Situation, in der ich keinen einfachen, vielleicht aber doch einen heilsamen “Rat“ geben kann.
Wenn Sie schreiben: „Alles war perfekt…“, dann kann es natürlich nur heißen: „Alles schien perfekt…“
Ihre Trauer ist verständlich. Die sollten Sie auch zulassen. Trauer darf – aus psychologischer Sicht – eben nicht verleugnet werden. Ohne Konfrontation mit der Trauer, und ohne ihre Akzeptanz, entsteht keine Trauerverarbeitung. Das heißt natürlich nicht, dass Sie über Wochen und Monate in eine Resignation, eine Selbstbemitleidung oder Selbstbejammerung abgleiten werden. Es gibt Menschen, die über den Verlust einer liebgewonnenen Person – durch Trennung oder Tod – nie hinweg kommen (wollen) und in einer „komplizierten Trauer“ verharren.
Das Hinschauen zur Trauer (Wo spüre ich sie körperlich? Nimmt sie mir den Atem? Fühlt sich mein Herz, mein Brustkorb schwer an? Fühle ich mich wie gelähmt? Usw.) macht die Sache, im wahrsten Sinne des Wortes, bald schon leichter. Aber auch das geht nicht von heute auf morgen.
Es lässt sich viel über echte Liebe und entlarvte Gefühle schreiben. Ein paar Gedanken hierzu: Das, was dieses „tolle Mädchen“ auszeichnet, ist keine bedingungslose Liebe, sondern bedingte Liebe. Also: „Ich liebe Dich, wenn Du gesund bist. Ich liebe Dich, solange Du nicht anstrengend für mich wirst. Ich liebe Dich, wenn Du keine Macken hast. Ich liebe Dich, wenn ich meine eigenen schwachen Seiten nicht in Dir gespiegelt sehe. Ich liebe Dich, solange Du der Fels in der Brandung bist. Ich liebe Dich, solange Du meinem Ideal entsprichst. Ich liebe Dich, solange Du auf dem Sockel stehen bleibst…
Aber wehe, Du stürzt vom Sockel, auf den ich Dich gestellt habe. Wehe, Du erfüllst meine Erwartungen nicht. Wehe, Du hast Schattenseiten, die mir Angst machen. Wehe, wenn ich durch Dich auf meine eigenen Schattenseiten gestoßen werde. Wehe, wenn mit Dir die „Wolke 7“ kein Dauerzustand ist. Wehe, wenn mein Narzissmus durch Dich nicht getragen wird. Wehe, wenn Du versagst oder scheiterst…
Denn: Ich will kein Auf und Ab, keine Höhen und Tiefen, kein endliches Glück. Ich will gar nicht hinschauen, wenn es schwierig wird. Ich will Oberfläche und Spaß, aber keine Tiefe mit Dir. Ich habe Angst, in einen Strudel zu geraten, für den ich nicht gewappnet bin. Nicht geeignet bin. Ich habe nicht gelernt, mit Konflikten umzugehen. Ich bin zu schwach, zu klein, zu unselbstständig.
Ich fordere vom Leben, dass es einfach und überschaubar ist. Dass es mich verschont von Problemen, die mir Angst machen. Ich fordere von meiner Partnerin, dass sie mein Leben einfach und überschaubar macht. Und damit sicherer. Ich sehne mich nach Schutz und Geborgenheit. Beides finde ich nämlich nicht in mir. Ehrlich gesagt, finde ich mich selber nicht. Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich habe gehofft, das in Dir zu finden. Und jetzt nimmst Du Tabletten, und das wahrscheinlich ein Leben lang. Damit kann ich nicht umgehen. Du könntest ein „Problemfall“ werden. Dann wäre ich total überfordert.
In guten und in schlechten Tagen? Nein, von den schlechten will ich nichts wissen. Dann ziehe ich mich lieber zurück. Sofort. – Meine Gefühle? Die kann ich schnell in die Tiefkühltruhe legen! Die kann ich mir vom Hals schaffen. Gott sei Dank. Sonst wäre ich ja meinen eigenen Gefühlen, meiner Enttäuschung, meiner Wut, meiner Resignation ausgeliefert. Nein, wie gesagt: Ich will es im Leben einfach haben. Das ist mir alles zu kompliziert. Ich ziehe mich dann mal zurück…“
Wird fortgesetzt…
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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In einer Kolumne der Rheinischen Post vom 04.02.2016 schreibt die Journalistin und Theaterwissenschaftlerin Dr. Dorothee Krings:
„Triebfeder Anerkennung – oft ist es gar nicht der Leistungsdruck, der Menschen zur Selbstausbeutung treibt, sondern die Sehnsucht nach Anerkennung. Dabei kann man sich Selbstwertgefühl nicht verdienen.“
Ich veröffentliche diese Kolumne, weil sie mir aus dem Herzen spricht.
„Man muss nur mal mit Kindern Verstecken spielen. Man erlebt dann, dass es dabei natürlich nicht ums Verstecken geht, sondern ums Gefundenwerden. Schließlich verkriechen sich die meisten Kinder perfekt, quietschen vor Glück über Nischen, in die nur sie sich zwängen können, doch wenn der Sucher ergebnislos umherirrt, rufen sie schleunigst „Piep“, verraten all ihre Verbergungsbemühungen sofort, nehmen das Verlieren in Kauf, alles, um nur ja nicht übersehen zu werden.
Der Mensch will beachtet werden, er braucht die Bestätigung von außen, denn scheinbar nährt sie das Selbstwertgefühl und hilft, die naturgegebene Einsamkeit des Individuums zu ertragen. Darum ist die Sehnsucht nach Anerkennung eine so starke Triebfeder: Heranwachsende strengen sich in der Schule an, um von Lehrern gesehen und von ihren Eltern gelobt zu werden. Sie werden der Pausenclown, um die Beachtung der Mitschüler zu bekommen, oder versuchen stiller, den einen guten Freund zu finden, mit dem sie alle Gruppendynamiken überstehen.
Erwachsene strampeln sich ab, um sich im Job hervorzutun, um bemerkt zu werden und Bestätigung zu finden. So hat all die Selbstausbeutung, die in modernen Unternehmen an der Tagesordnung ist, oft gar nicht so viel mit Leistungsdruck oder Prämien zu tun. Was die Menschen antreibt, ist die ungeheure Sehnsucht nach Beachtung. Das Streben nach den raren Momenten, da ein anderer einen wahrnimmt, wertschätzt, aus der Masse erhebt.
Das sind Widerhaken in flüchtigen Zeiten, Daseinsbestätigungen, unscheinbare Augenblicke, in denen der Einzelne glaubt, seine kleine Existenz zu überschreiten. Darum ist Gesehen werden überlebenswichtig.
Allerdings kann aus dieser Sehnsucht auch Sucht werden. Dann machen sich Menschen abhängig vom Urteil der anderen, gieren nach der Wertschätzung durch Kollegen, Freunde, egal wen und ordnen dem alles unter. Dann ist eine Existenz nur noch nach außen gerichtet – und das höhlt aus. Von Ehrgeiz zerfressen, sagt man.
In Zeiten, da vieles auf Wettbewerb ausgerichtet ist, ist es schwer, dem zu entkommen. Denn der Gedanke, dass jedes Leben an sich wertvoll ist, erscheint vielen nur mehr als weichlicher Quatsch. Doch Selbstwertgefühl lässt sich nicht verdienen, es speist sich aus einem tiefen Einverständnis mit dem eigenen Selbst. Und dazu gelangt man nicht, indem man Lob vom Chef anhäuft, sondern ein Leben führt, das in Beziehungen reifen kann.“
Soweit Dr. Dorothee Krings in ihrer Kolumne, erschienen in der Rheinischen Post am 04.02.2016.
Was bedeutet „Selbstwert“?
Selbstwert setzt eine positive Form der Selbstliebe, setzt Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl voraus. Vielleicht fragen Sie sich einmal: Lebe ich mein Leben achtsam und im Gleichgewicht? Auf eine Art, die für mich stimmig ist? Spiele ich meine eigene Lebensmelodie? Begleite ich mich selber liebevoll und freundschaftlich durch jeden Tag?
Ein Schlüssel zum guten Leben heißt: Selbstrespekt. Wann stellen Sie sich wieder mal eine Rose auf Ihren Schreibtisch und sagen sich: Ich bin es mir wert!?
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Eine Patientin war in einer schwierigen Lebenssituation. Ihr Ehemann hatte sich von ihr getrennt und sitzt nun alles aus – auch die finanzielle Regelung –, so dass eine außergerichtliche Einigung vor dem Scheidungstermin unmöglich erscheint. Neben dem Schmerz der Trennung ist es das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht, das an den Kräften zehrt. Wenn die andere Seite blockiert, ist ein Neuanfang nicht drin. – Wirklich nicht?
Verständlicherweise litt die Patientin unter dieser ungeklärten Situation: „Es muss doch ein Ende haben. Ich versuche alles, damit ich mein Leben wieder hinbekomme. Ich versuche, auf schmerzliche Weise loszulassen. Ich frage mich, wofür ich kämpfe, wenn alles kein Ende hat und ein Neuanfang nicht möglich ist.“
Ich schrieb ihr dazu: „Der Neuanfang kann nur von Ihnen ausgehen und nicht von äußeren Umständen. Die äußeren Umstände können wir – wie in Ihrem Fall – kaum oder gar nicht beeinflussen. Wenn Thomas (Name geändert) alles aussitzen will, ist das Ihnen gegenüber nicht fair, aber Sie können es nicht beeinflussen.
Was Sie aber beeinflussen können, ist eine eigene, klare innere Haltung, die eindeutig auf Aufbruch und Neuanfang steht. Die innere Haltung schafft einen Neuanfang, die Thomas nicht verhindern kann. Er kann rechtlich Verzögerungen herbeiführen, aber er kann einen gehenden, zielgerichteten Menschen nicht aufhalten. Ein Neuanfang ist jederzeit möglich, wenn Sie sich durch Tricks und Mätzchen nicht beeinflussen lassen.
Sobald Sie sich für Ihren eigenen Weg entschieden haben, für das, was Ihre innere Stimme Ihnen sagt, bekommt Ihr Leben wieder eine Fließgeschwindigkeit. Wenn Sie sich umdrehen und sich auf das Verhalten von Thomas fixieren, stagnieren Sie – und blockieren damit Ihr Leben. Wer sein Leben nach vorne spielt, kann von niemandem mehr aufgehalten werden.“
Der Neuanfang ist eine Angelegenheit des Herzens. Jeder Mensch hat einen freien Willen mit auf seinen Lebensweg bekommen. Jeder Mensch kann entscheiden, ob er bereit und willens ist, das Kaninchen vor der Schlange zu sein oder bereit und willens ist, der Schlange den Rücken zu kehren. Ich kann mich vom Problem hypnotisieren lassen – oder mich vom Problem lösen. Diese Wahl kann ich treffen.
Der größte Feind auf dem Weg in die innere Freiheit ist ein ’Ja, aber…’. Die ’Ja, aber’-Menschen wollen bei ihrer Meinung bleiben. Sie wollen die Anstrengung einer Veränderung, ihrer Veränderung, nicht aufbringen. Lieber bleiben sie bei ihrer Meinung, bellen den Mond an oder sitzen jammernd in der Stagnations-Ecke.
Es ist schwer und einfach zugleich: Schwer durch die Gewohnheit, die uns lähmt – und leicht durch neues Denken und Fühlen im Hier und Jetzt.
„Mach aus ‘Ja, aber…‘ ein ’Aber ja!‘ – und richte dich auf!“ – Das möchte ich meinen Patienten mit auf den Weg geben.
Ein neuer Weg entsteht beim Gehen. Im Herzen. Und im Geist.
Ja, ein Neuanfang.
Ja, ich bin auf meinem Weg.
Ja, ich gehe in mein neues Leben.
Ja, mein Leben ist kostbar.
Ja, ich bin es mir wert.
Ja, die Türen stehen offen.
Ja, ich will, ich kann und ich werde.
Ja, ich bin frei und bereit.
Ja, ich vertraue mir und dem Leben.
Ja, das Licht begleitet mich überall hin.
Ja, ich bin gesegnet.
Ja, das Leben liebt mich.
Ja, ich bin ich – und ich bin wertvoll.
Ja, meine Zukunft – ich bin offen und bereit!Innere Kraft und Zuversicht sind der Schlüssel. Jede Krise ist eine Chance.
Was sich so banal anhört, ist einfach wahr: Alles dient der Reifung und dem Wachstum unserer Persönlichkeit. Auch wenn es noch nicht so aussieht – es geht voran. Aus dem Mangel in die Fülle.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
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Freude ist doch eigentlich so selbstverständlich, dass man nicht viele Worte darüber verlieren muss…
Teil 3.
Was ist das Wesentliche, die Essenz der Freude?
In der Essenz ist die Freude der Weg unterhalb des Gipfels.
Der fast gelungene Überblick über das Leben.
Die Freude ist die Ahnung des Kommenden.
Freude ahnt, dass das Licht in Sicht kommt.
Freude heißt deshalb auch: Vorfreude.Da fallen mir gerade die Seefahrer, die großen Entdecker ein, für die der Ruf „Land in Sicht!“ sicherlich mit großer Freude verbunden war. Und wohl auch mit größerer Freude als die reine Vorfreude.
Vermutlich war es eine intensive, aber kurze Freude.
Dann jedoch beginnt schon bald wieder die Neugierde, der Gedanke:
Was ist das für ein Land? Was findest Du dort?Dann bist Du nicht mehr in der reinen Freude, sondern in der Erwartung.
Dann wird es in Dir hektisch.
Dann geht die Betriebstemperatur nach oben.
Dann steigt das Fieberthermometer an.Die echte, auch die stille, aber wahre Freude,
die überdauernde Freude, ist die Freude des Übergangs.
Das Hier und das Jetzt.Die Freude, die den Augenblick genießt.
Die Freude, die sich Zeit lässt.
Die Freude, die sich Raum gewährt.Die wahre und tiefe Freude wächst nur
in der Loslösung von Deinen Erwartungen,
im Freiraum Deiner Seele.In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
The next post can find you.
Leave your address, and new essays will arrive as they’re published—no noise.

