I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.
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Das kleine Wörtchen „und“
Es gab eine Zeit, da rutschte mein Selbstwertgefühl wie auf einer kilometerlangen Abfahrtspiste zielstrebig nach unten. Das war in der Mitte meiner Pubertät. Im Gegensatz zu meinen Klassenkameraden wollte mein Körper nicht nach oben schießen. Klar, wenn man kurz gewachsene Eltern hat, kann kein langer Kerl entstehen.
Im Tanzschuppen – damals tanzte man ja noch zusammen und zappelte nicht selbstbezogen vor sich hin – hielt ich immer erst Ausschau nach den Mädels mit ähnlich gelagerter Wachstumshemmung. Durch den Vergleich mit den „echten Kerlen“ machte ich mir meine Jugendzeit selbst schwer. Irgendwann habe ich dann gelernt, darüber zu stehen.
Ja, es ist schon ein Kreuz mit dem Selbstwertgefühl… Warum glauben nur so viele Menschen, dass sie weniger wert seien als die Nachrichtensprecherin, der Olympiasieger, die Sängerin oder die Nachbarin mit der guten Figur? Klar, daran ist sicher die Kinderzeit schuld. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass Menschen mit „Minderwertigkeitskomplexen“ falsche Bewertungen zugrunde legen. Sie verknüpfen nämlich das Ergebnis einer Handlung mit ihrem Wert als Mensch: Hier habe ich versagt – und deshalb bin ich weniger wert als die anderen. Oder: Ich hätte dieses und jenes tun müssen. Dann wäre ich wertvoller.
Das Wichtigste aber fehlt: nämlich das kleine Wörtchen „und“.
Versuche einmal laut zu sagen: „Ich bin durch die Prüfung gefallen, und ich bin als Mensch genauso viel wert wie vorher.“ – „Der Typ hat mir einen Korb gegeben, und ich bin als Mensch genauso viel wert wie vorher.“ – „Ich habe mich beim Vorstellungsgespräch ungeschickt verhalten, und ich bin als Mensch genauso viel wert wie vorher.“
Die Patienten, die sich ganz minderwertig fühlen, frage ich schon mal: „Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Säuglingsstation der Klinik. Die gab es ja früher. Dort sehen Sie zwanzig neugeborene Kinder. Einige schlafen gerade, andere dösen oder quäken. Wir haben eine Reihe gesunder und einige behinderte Kinder. Und – es sind in dieser Fantasievorstellung verschiedene Hautfarben vertreten. Welches dieser Kinder ist am meisten wert?“
Es gab noch keinen Einzigen, der bisher gesagt hätte: „Das blonde Kind mit den blauen Augen.“ Alle sagen: „Da gibt es keinen Unterschied.“
Okay, einen Monat später. Alle Kinder sind in ihren Familien. Wer ist jetzt am meisten wert? – Ganz wenige sagen: „Das hängt von der Schicht ab, in der das Kind jetzt zu Hause ist.“ Fast alle antworten: „Da gibt es keinen Unterschied.“
Ja, wann ändert es sich denn? Einige wenige: „Vielleicht hängt es davon ab, welche Schulform besucht wird.“ Nahezu alle antworten: „Eigentlich nie.“
Dann frage ich: „Und warum werten Sie sich dann selbst ab?“
Keiner zwingt Dich, diese Meinung beizubehalten. Werde also in Zukunft Deine beste Freundin, Dein bester Freund. Du bist ein ganzes Leben mit Dir zusammen.
Treffend hat das Michel de Montaigne ausgedrückt: „Auch auf dem erhabensten Thron der Welt sitzen wir nur auf unserem eigenen Hintern.“ Erst recht auf dem Örtchen, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht …
Bücke Dich also nie vor einem lebenden Menschen! Denn kein Mensch ist mehr wert, als Du es bist! Du bist gesegnet.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Beim Augenarzt. Ja, wieder mal Kontrolluntersuchung. Die Augen könnten sich ja verschlechtert haben. Ich bin Diabetiker. Da ist es doppelt wichtig.
„Für Garderobe keine Haftung“. Die kleine Schrift kann ich noch gut lesen. Und dass man das Handy hier ausschalten soll. Aber das steht groß gedruckt im Fenster, damit es auch jeder sieht.
Ich ändere meine Blickrichtung. Mein Blick fällt jetzt auf die leicht abgegriffenen Zeitschriften auf dem eckigen Beistelltisch. Den Kopf kann ich noch gut drehen. Gott sei Dank, ich kann in verschiedene Richtungen schauen. Und damit den Blickwinkel verändern.
Da fällt mir ein, dass viele Menschen in ihrem Alltag nur eine Richtung kennen. Wenn ein Problem auftaucht, versuchen sie immer den gleichen Lösungsweg. Sie benutzen für ihr Denken dieselben Datenautobahnen, die früher für eine Lösung gut gewesen sind. Man nennt das auch „Gewohnheit“.
So stur sind Ratten nicht. Das haben wir früher im Studium untersucht. Im Fach „Tierpsychologie“. Wenn sie im Labyrinth an der einen Stelle kein Futter mehr fanden, schalteten sie schnell um und suchten andere Lösungswege. Sie veränderten ihre Blick- und Laufrichtung.
Flexibel und geschmeidig bleiben, die Dinge des Lebens von allen Seiten betrachten – das wäre doch ein Lösungsansatz. Denn um klarer zu sehen, genügt ein Wechsel der Blickrichtung, sagte Antoine de Saint-Exupéry, der Vater des „Kleinen Prinzen“.
Ich hätte dafür ein paar Vorschläge. Wir finden sie im „Rheinischen Grundgesetz“, das der Kabarettist Konrad Beikircher2001 veröffentlichte. Es wird auch genannt:
„Der Kölsche Buddhismus“.
Statt „Das geht sowieso schief!“ denkst Du einfach: „Et hätt noch emmer joot jejange.“(Das funktioniert schon!)
Statt „Das hab ich mir ganz anders vorgestellt!“ denkst Du: „Et es, wie et es.“ (Sieh den Tatsachen ins Auge, Du kannst eh nichts ändern.)
Statt „Ich hab Angst vor der Zukunft!“ denkst Du: „Et kütt, wie et kütt.“ (Füge Dich in das Unabwendbare; es liegt ohnehin nicht in Deiner Macht.)
Wenn Du denkst: „Ich kann nicht loslassen!“, ändere Deine Blickrichtung in: „Et bliev nix wie et wor.“ (Sei offen für Neuerungen.)
Wenn Du jammerst: „Meine Frau (mein Mann) versteht mich nicht.“ So sage Dir: „Jede Jeck es anders.“ (Nimm Deine Mitmenschen, wie sie sind.)
Und denkst Du verzweifelt: „Ich könnte mir in den Hintern beißen! Hätte ich meine Aktien doch bloß nicht verkauft!“ So hilft Dir sicher: „Wat fott es, es fott.“ (Jammere den Verlusten nicht nach und trauere nicht um längst vergangene Dinge.) Die Blickrichtung, die Sichtweise ändern … Schon ist der Stau vorbei, die Blockade gelöst.
Ein buddhistischer Mönch schrieb im vergangenen Jahrhundert: „Weisheit beginnt, wenn wir ein Problem aus mehr als einer Perspektive betrachten können.“ Da ist was dran.
Der Augenarzt guckt mir in die Augen. Alles paletti. „Ihre Sehstärke ist gut. Die lassen wir so“, sagt er beim Abschied.
So seh ich das auch!
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Da sitze ich so vor mich hin – ein eher seltener Vorgang – und schaue zwei Schmetterlingen beim Turteln zu.
Ich würde mal „turteln“ sagen … natürlich kenne ich nicht die Psychologie der Schmetterlinge. Vielleicht führen sie gerade, wild flatternd, auch nur eine lebhafte Kommunikation. Da ich kein Biologe bin, weiß ich aber auch nicht, wie Schmetterlinge sich verhalten, wenn sie kommunizieren.
Nein, ich entscheide mich: Sie turteln miteinander.
Es sind zwei große Schmetterlinge, gleicher Art und Farbe, die für mehrere Sekunden ihre Nähe suchen.
Dann, plötzlich, fliegt der eine von beiden eine große Kurve, verschwindet aus meinem Blickfeld. ‘Ob sie sich wiederfinden?‘, denke ich menschlich naiv. Schon fallen mir Romeo und Julia ein – und welche Dramen es wohl in der Liebe im Tierreich gibt –, da sehe ich beide wieder nebeneinander flattern.
Vielleicht gibt es das ja auch im Tierreich: Nähe und Distanz als Voraussetzung für gelingende Partnerschaft.
Holen wir uns bei dieser Betrachtung doch mal Anregungen aus Architektur und Technik:
Eine Brücke wird von mindestens zwei Pfeilern getragen. Was würde passieren, wenn diese zwei Pfeiler, die die Brücke stützen, auf einer Seite eng zusammenstehen würden, während auf der anderen Seite kein Pfeiler existierte? Was würde geschehen, wenn alle tragenden Elemente des Hauses auf einer Seite vorhanden wären – und auf der anderen Seite nicht? Was wäre die Folge, wenn alle vier Räder Deines Autos nur auf einer Seite angebracht wären? Zusammenbruch, Einsturz, Fahruntüchtigkeit.
Eine gute Partnerschaft verhält sich wie die zwei Pfeiler einer Brücke. Jeder Partner steht für sich, ist Unikat, ist einzigartig, ist selbstständiges Individuum. Die Partnerschaft kann sich nur Raum geben, Luft lassen, tragfähig sein, wenn beide Pfeiler nicht zu eng beieinanderstehen. Beide Menschen sind getrennt – und doch miteinander verbunden, denn beide haben ihre Brücke gebaut.
Eine Partnerschaft, die das richtige Maß an Nähe und Distanz berücksichtigt, ist tragfähig. So steht keiner im Schatten des anderen. So kann jeder sich selbst leben, ohne zu verschmelzen, ohne im anderen aufzugehen, ohne sich aufzugeben.
Das fällt mir gerade ein.
Und: Ob beiden Schmetterlingen ein Happy End gelingt? Sie wissen schon … Große Liebe, viele Kinder. Ich kann es nicht sagen. Ich sitze ja auch nur so vor mich hin – ein seltener Vorgang – und schaue ihnen beim Turteln zu. Und irgendwie genieße ich gerade meinen Freiraum – und die andere Seite der Nähe.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Lachen ist Angstfreiheit
Haben wir Erwachsene das Lachen verlernt, weil wir ernst genommen werden wollen? Oder weil das Leben so beschwerlich ist? Dem oft beschworenen „Ernst des Lebens“ nicht angemessen?
Manche lachen wohl auch aus Prinzip nicht, weil sie Lachen kindisch finden. Vielen vergeht auch das Lachen.
Wir müssen ja nicht über jeden Mist lachen. Aber es ist doch irgendwie auch Medizin. Und das ganz ohne Nebenwirkungen.
Seit 1964 gibt es in Kalifornien das Institut für Humorforschung, gegründet von Professor William Frey, dem Erfinder der Lachwissenschaft. Die ersten Versuche führte er an sich selbst durch: „Ich hatte mir einen Film von Laurel & Hardy (Dick und Doof) besorgt, um mich zum Lachen zu bringen. Die Folge, in der die beiden ein Klavier den Hügel hinauf schieben. Ich wollte herausfinden, was genau im Körper passiert während des Lachens. Also ließ ich mir in regelmäßigen Abständen Blut abnehmen und dann untersuchen.“
Dabei stellte er fest: Unser Immunsystem wird durch das Lachen aktiviert. Wir bauen Stress ab. Die Atmung wird tiefer, der Körper mit mehr Sauerstoff versorgt. Auch die Muskeln entspannen sich. Unter dem Strich: Lachen hält fit und baut Stress ab.
Das Gute ist aber auch: Lachen und Lächeln sind eine Art Universalsprache. Die versteht jeder, über alle Kulturkreise hinweg. Lachen verbindet und schweißt uns zusammen.
Das Lachen ist uns übrigens in die Wiege gelegt. Es muss in der Erwachsenenwelt nur wieder geweckt werden. Mittlerweile gibt es dafür sogar ein Deutsches Institut für Humor und den Berufsverband für Lachyoga und Humortraining.
Wir brauchen aber keine Witzesammlung, um lustig zu sein. Das Leben bietet so viele Situationen, tagtäglich, die uns zum Lachen bringen können.
Bei uns in Krefeld lebt ein älterer Künstlerfreund, der viel und gerne lacht. Er ist überzeugt: Das ganze Leben, die ganze Welt ist ein Kaspertheater. Ein Narrenschiff. Ein Maskenball.
Täglich fährt er mit seinem Fahrrad in die Stadt und setzt sich ins Kaffeehaus, um die Menschen zu beobachten. Ein köstliches Rezept sei das reale Theater da draußen. Was sich denn auf seiner Bühne vor dem Café abspiele, wollte ich von ihm wissen. Er ziehe die Leute, die vor dem Schaufenster vorübergehen, in seinem Geist anders an. Verpasse ihnen andere Kleider. Oder Leggins. „Dem Mann im Anzug setze ich eine Clownnase auf. Oder ein keckes Hütchen. Oder allen die gleiche Uniform. Das ist herrlich!“, sagt er. „Das ist ein tolles Programm.“ Und schüttelt sich vor Lachen. „Dieses Welttheater mit uns als Kasperlefiguren … Wir nehmen uns viel zu ernst“, wiederholt er. Jetzt lachen wir alle beide.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Oder: Was wir von Leonard Bernstein lernen können
Ich schaue ja nicht so viel fern. Hauptsächlich die Nachrichten. Oder „Titel, Thesen, Temperamente“. Kunst und Kultur sind mir wichtig.
Einmal hörte ich eher beiläufig den Beginn eines Interviews mit dem berühmten amerikanischen Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein, der die „West Side Story“ schrieb. Das Musical habe ich als Film sicher drei Mal gesehen.
Leonard Bernstein interessierte mich. Und so hörte ich hin, als ein recht junger Reporter den Meister im Fernsehen interviewte. Er wollte wissen, ob Herr Bernstein denn in seiner Jugendzeit auch mal daran gedacht hätte, etwas anderes zu werden als Komponist und Dirigent.
Sinngemäß fragte er: „Haben Sie als Jugendlicher irgendwann einmal davon geträumt, einen anderen Beruf zu ergreifen?“
Leonard Bernstein schmunzelte, überlegte kurz – und antwortete:
„Ich habe es immer mit einer alten Weisheit aus dem Zen-Buddhismus gehalten. Sie besagt:
Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort …“
Er schwieg drei Sekunden. Dann sprach er in den Augenblick der Stille hinein … leise, aber betont das entscheidende Wort: „NEIN.“
„Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort: nein!?“ wiederholte der Reporter irritiert. Es war ihm anzumerken – jede Nebelbank war für ihn besser zu greifen als diese Aussage.
Unbeirrt durch die spürbare Hilflosigkeit seines Gegenübers erläuterte der Maestro:
„Man soll die Weisheiten aus dem Zen im Grunde nicht interpretieren.
Aber: Wer wahrhaft liebt, der fragt nicht. Er liebt ja aus ganzem Herzen. Warum – und was – sollte er sich fragen?
Wer von einer Idee beseelt ist, der fragt sich nicht: Ist das richtig? Lohnt sich die Umsetzung? Er ist erfüllt. Er macht und handelt aus vollem Herzen.
Ich habe mich nie gefragt.
Also war es ein guter und richtiger Weg.“
Ein halbes Jahr später starb Leonard Bernstein. Aber sein radikaler Gedanke „Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort – nein!“ ist mir als sein Vermächtnis im Bewusstsein geblieben.
Wenn Du Dich also fragst, ob Du Dich für dieses oder jenes entscheiden sollst, bist Du nicht hundertprozentig bei der Sache. Ist Dein Herz nicht erfüllt. Ist Deine Hingabe zu schwach.
Wenn es in Dir nicht brennt – lass besser die Finger davon. Es wird die Gelegenheit kommen, bei der Du Dich nicht mehr fragst …
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Mensch, gerade mäht der Nachbar seinen Rasen. Muss sein, klar. Aber diese elektrischen Rasenmäher lassen ganz schön Lärm ab. Ist seine Rasenfläche wirklich so groß, wie es sich anhört? –
Ah, jetzt Ruhe … Nein, er fängt an zu flöten. Eine Melodie kann ich nicht erkennen. Er flötet schief. – Jetzt fehlt nur noch, dass der Hund kläfft … Das nicht, aber jetzt geht wieder der Rasenmäher.
Gut, es ist nicht mehr Mittagszeit. Da kann man natürlich kein Veto einlegen.
Ich war allerdings gerade dabei, ein Buch vom Dalai Lama zu lesen, als der Motor wie eine Kettensäge aufheulte. Und vom Dalai Lama lerne ich doch immer: einfach wahrnehmen, Gedanken loslassen, die Dinge des Lebens nicht bewerten.
Ich bemühe mich also, das Mähen in Nachbars Garten nicht zu bewerten. Es ist, wie es ist. Es ist immer so, wie es ist. Und es ist verdammt nochmal jetzt auch so, wie es ist.
Da fällt mir ein: Ich fokussiere mich wieder mal nach außen, nicht nach innen. Könnte ich doch in diesem Moment in die innere Ruhe, den tiefen Frieden in meinem Herzen eintauchen. (Den gibt es bei uns allen, davon bin ich überzeugt. Wir sind nur oft weit weg von unserer Mitte.)
Nicht bewerten? – Ich weiß nicht.
Hunger und Elend nicht bewerten? Die Despoten dieser Welt nicht bewerten? Die täglichen Ungerechtigkeiten nicht bewerten?
Der Dalai Lama hat sicherlich recht. Wir sind gelassener, wenn wir nicht bewerten. Wir sind freier, wenn wir nicht bewerten und nicht verurteilen. Aber wir sind auch nicht im asiatischen Lebensraum groß geworden.
Ich tröste mich: Ich meditiere und bitte die geistige Welt um mehr Gelassenheit, um das Vermögen, nicht zu bewerten, nicht zu urteilen. Manchmal klappt es ja.
Zum Beispiel jetzt, als der Nachbar seinen Rasen fertig geschnitten hat und wieder Ruhe herrscht …
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Das Leben, so denke ich, soll mir Freude machen. So dass mir tagtäglich das Herz aufgeht. Wie oft sagst auch Du: Da ist mir das Herz aufgegangen!?
- Wenn Du einen fröhlichen Menschen erlebst und wieder mal so richtig lachen kannst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du kleine Kinder selbstvergessen spielen siehst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du Tiere magst und ihr Vertrauen gewinnst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du Dich in den Armen Deines Partners geborgen fühlst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du die Sonne über dem Meer aufgehen siehst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du ein Konzert besuchst, das Dich tief in Deinem Inneren berührt, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du das gütige Lächeln eines alten Menschen siehst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du das Ballgefühl eines großartigen Fußballspielers im Stadion live erleben darfst, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du ein Ziel erreicht hast, das Dir sehr, sehr wichtig ist, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du einen Gipfel erklommen hast und Dein Blick in die Ferne schweift, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du staunst, wie viele Wunder es auf unserer Erde gibt, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du fühlst, dass Du sehr lebendig bist und die Menschen Dich mögen, geht Dir das Herz auf.
- Wenn Du jonglieren lernst und die drei Bälle zum ersten Mal in der Luft bleiben, geht Dir das Herz auf.
Ich wünsche Dir ein Leben mit unzähligen „Da geht mir das Herz auf“ – Gelegenheiten.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
„Was darf’s denn Schönes sein?“ fragt der Tiefkühl-Mann an der Türe und lächelt. Ich habe heute Home-Office, also Bürotag, und kann öffnen. Seine Frage irritiert mich kurz. „Was darf’s denn Schönes sein?“ hätte ich bei Schmuck, Kleidung oder Antiquitäten erwartet. Aber nicht unbedingt bei Porree, Hähnchenschenkeln und dicken Bohnen.
„Also“, schießt es mir durch den Kopf, „ist er entweder gut geschult – oder er macht seine Arbeit gerne. Vielleicht ist er auch ein Lebenskünstler, der sich seine Fröhlichkeit zwischen den Tiefkühl-Boxen bewahrt hat. Der liebt sein Leben. So sieht’s aus.“
Die ersten Knospen stehen kurz vor dem Aufbruch. Sind ganz schön prall geworden. Mutter Natur bereitet sich auf die Fülle des Jahres vor. Ein älterer Freund sprach immer davon, wie sehr er das „Crescendo des Frühlings“ liebt.
Was darf’s denn Schönes sein? Ein längerer Tag, ein Sonnenstrahl, ein guter Gedanke, ein liebendes Herz. Das Pferd auf der Koppel, die Katze des Nachbarn, die Fahne im Wind. Die letzten Blätter, die verspätet vom Baum fallen. Drei Häuser weiter ein Kinderlachen. Die Wahrnehmung, dass es mir gut geht.
Was darf’s denn Schönes sein? Grenzt es nicht an ein Wunder, dass eine so kurze Bemerkung, verbunden mit einem Lächeln, uns diese Freude schenkt?!
Nicht ganz so heitere Menschen könnten jetzt nüchtern einwerfen: „So verkauft er halt mehr!“ Das wird so sein. Ich gönne es ihm von Herzen. – Aber geht es nicht um eine tiefere Erkenntnis?
Wenn wir die Schönheiten dieser Welt, unsere eigene Schönheit, und die Schönheit der gesamten göttlichen Ordnung, mit inniger Freude betrachten, werden wir das Schöne bewahren und nicht lieblos mit dieser Welt und uns selber umgehen.
Was darf’s denn Schönes sein? lenkt unseren Blick in eine gute Richtung. Und die Käse-Lauchsuppe werde ich demnächst auch mit anderen Augen betrachten.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Unglaublich, welchen Hunger wir hatten. Es war unser erster Kongress für Verhaltenstherapie in Berlin. Sicher bald vierzig Jahre her.
Ehrlich gesagt, wollten wir Geld sparen und keine teure Gaststätte besuchen. MacDonalds war aber auch nicht unsere Kragenweite. Also suchten wir am Abend des ersten Kongresstages ein preiswertes chinesisches Restaurant.
Aber hier, außerhalb der Innenstadt, gab es sie nicht wie Sand am Meer. Im Gegenteil. Nirgendwo Leuchtreklamen, kaum Geschäfte. Ziemlich dunkel das Ganze und weit nach 22 Uhr. Der Hunger reichte nun schon bis unter die Arme.
Unmittelbar nach einer Kurve der Hoffnungsschimmer: Eine einzige Leuchtreklame weit und breit. Aber vom Chinesen: WA CHEN stand da erleuchtet.
Endlich lecker satt! schoss es mir durch den Kopf. Frühlingsrolle, gebratene Nudeln, die acht Kostbarkeiten…
Als wir aber nach einem Parkplatz suchten, kam uns das WA CHEN-Restaurant irgendwie spanisch vor. Bis es uns schlagartig dämmerte: Das heißt gar nicht
WA CHEN! – Das heißt WASCHEN!
Die Beleuchtung war einfach defekt, das S war ausgefallen. Wir standen bedröppelt vor einer Autowaschanlage. Nach wenigen Sekunden mussten wir lachen. So herzhaft lachen, dass wir den Hunger nicht mehr spürten.
Noch vierzig Jahre später lachen wir über WA CHEN. Es sind die Bilder in unseren Köpfen, die bei jeder Erinnerung wieder entstehen. Und die gemeinsamen Gefühle: Der gemeinsam erlebte Hunger, die gemeinsame Kurverei, die gemeinsame Hoffnung beim Entdecken der Leuchtreklame. Dieses „Wir sind endlich am Ziel“. Das gemeinsame „Es kann nicht wahr sein!“ und das schlussfolgernde: „Kann nur uns passieren!“.
Und heute? Dieses „Weißt Du noch, Berlin, WA CHEN?“ Und das erneute Lachen.
2020 sind wir schon fünfzig Jahre zusammen. Diese kleinen Ereignisse würzen unser Leben. Verbinden miteinander. Deshalb raten wir allen, die es hören wollen: Ruft Eure köstlichen Erinnerungen wach! Und schafft neue gemeinsame Erlebnisse, über die Ihr noch Jahrzehnte später lachen könnt! Lachen verbindet. Alles wird leichter mit Humor.
Sorge also in Deinen Kontakten, in Deiner Partnerschaft, in Deiner Familie für viele heitere, lächelnde „Weißt-Du-Nochs!“
Was ein kleiner, fehlender Buchstabe doch auslösen kann. Hätte ich vorher nicht gedacht!
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp -
Fragen kostet nichts. Fragen macht klug. Und wer nichts fragen kann, kann nichts lernen. Sagen deutsche Sprichwörter.
Ich habe mir vorgenommen, Dir eine einzige Frage zu stellen. Nur eine Frage. Aber die hat es in sich. Die schenkt Dir nämlich jede Menge Kraftquellen und Ressourcen. Sie kann entscheidend dafür sein, dass Du Dich auf einen guten Weg begibst. Oder auf Deinem guten Weg heiter fortschreiten kannst.
Hier und jetzt schreibe ich also nichts nieder, was mir wieder mal so einfällt. Nur eine Frage, die Deine Blickrichtung ins Positive lenkt (wenn Du es zulässt).
Diese Frage lautet: Was macht Dein Leben reich und bunt?
Sei intuitiv und spontan – und schreibe all das nieder, was Dir einfällt. Mindestens eine Woche lang. Spüre in Dein Herz – und lass es antworten: Was macht mein Leben reich und bunt?
Hier meine Antworten:
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Sei dankbar dafür.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp
The next post can find you.
Leave your address, and new essays will arrive as they’re published—no noise.










