Entscheidungsfindung leicht gemacht. Oder: Was wir von Leonard Bernstein lernen können

Ich schaue ja nicht so viel fern. Hauptsächlich die Nachrichten. Oder „Titel, Thesen, Temperamente“. Kunst und Kultur sind mir wichtig.

Einmal hörte ich eher beiläufig den Beginn eines Interviews mit dem berühmten amerikanischen Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein, der die „West Side Story“ schrieb. Das Musical habe ich als Film sicher drei Mal gesehen. 

Leonard Bernstein interessierte mich. Und so hörte ich hin, als ein recht junger Reporter den Meister im Fernsehen interviewte. Er wollte wissen, ob Herr Bernstein denn in seiner Jugendzeit auch mal daran gedacht hätte, etwas anderes zu werden als Komponist und Dirigent. 

Sinngemäß fragte er: „Haben Sie als Jugendlicher irgendwann einmal davon geträumt, einen anderen Beruf zu ergreifen?“ 

Leonard Bernstein schmunzelte, überlegte kurz – und antwortete: 

„Ich habe es immer mit einer alten Weisheit aus dem Zen-Buddhismus gehalten. Sie besagt:

Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort …“

Er schwieg drei Sekunden. Dann sprach er in den Augenblick der Stille hinein … leise, aber betont das entscheidende Wort: „NEIN.“

„Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort: nein!?“ wiederholte der Reporter irritiert. Es war ihm anzumerken – jede Nebelbank war für ihn besser zu greifen als diese Aussage.

Unbeirrt durch die spürbare Hilflosigkeit seines Gegenübers erläuterte der Maestro:

„Man soll die Weisheiten aus dem Zen im Grunde nicht interpretieren.

Aber: Wer wahrhaft liebt, der fragt nicht. Er liebt ja aus ganzem Herzen. Warum – und was – sollte er sich fragen?

Wer von einer Idee beseelt ist, der fragt sich nicht: Ist das richtig? Lohnt sich die Umsetzung? Er ist erfüllt. Er macht und handelt aus vollem Herzen.

Ich habe mich nie gefragt.

Also war es ein guter und richtiger Weg.“

Ein halbes Jahr später starb Leonard Bernstein. Aber sein radikaler Gedanke „Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort – nein!“ ist mir als sein Vermächtnis im Bewusstsein geblieben.

Wenn Du Dich also fragst, ob Du Dich für dieses oder jenes entscheiden sollst, bist Du nicht hundertprozentig bei der Sache. Ist Dein Herz nicht erfüllt. Ist Deine Hingabe zu schwach. 

Wenn es in Dir nicht brennt – lass besser die Finger davon. Es wird die Gelegenheit kommen, bei der Du Dich nicht mehr fragst …

In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp