Über das Zögern und Zaudern – und das Entscheiden und Machen
Wer sich nicht entscheiden kann, könnte Bigamist werden.
Oder am kalten Buffet verhungern.
Oder alle Jobangebote ausschlagen, weil sie noch nicht die hundertprozentige Erfüllung zu bieten scheinen.
Wer sich nicht entscheiden kann, lebt sein Leben als eine Art „Vielleicht“ …
Es ist immer das Gleiche: Du stehst vor einer Weggabelung und überlegst Dir, welchen der Wege Du betreten sollst. Oder Du fragst Dich: Soll ich nach vorne gehen? Oder besser nicht? Bleibe ich stehen? Oder gehe ich zurück?
Mir ist es auch so gegangen. Die Frage bei mir lautete bis vor Kurzem: Mache ich in meinem Alter noch mal eine Praxis für Psychotherapie auf – oder ist das totaler Blödsinn und nur dem eigenen Anerkennungsstreben geschuldet?
Also: Soll ich – oder soll ich nicht?
Gut, jetzt hätte ich mir selbst den Ratschlag geben können: Mach dir vor der Entscheidung eine Plus-Minus-Liste. Wie könnte die aussehen?
- Menschen helfen können = +
- Langweilige Verwaltungsarbeit leisten müssen = –
- Anerkennung finden = +
- Mögliche Auseinandersetzungen mit Kassen und Kammer führen = –
- Berufung leben, Sinn finden = +
- Sich selbst und seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten möglicherweise überschätzen = –
Was kommt dabei heraus? – Eher eine Patt-Situation. Plus und Minus heben sich auf. Da stehst Du – oder stünde in diesem Falle ich – an der Weggabelung und treffe keine Entscheidung. Sowas kann ganz schön lähmen und die Verzweiflung fördern.
Geht es Dir auch öfter so? Ja, nein, vielleicht, eher nicht?
Anders herum: Wann fielen Dir die Entscheidungen leicht? Hör einfach mal nach innen … Wenn Dein Herz für Dich entschieden hat! Wenn Du gar nichts mehr dagegensetzen konntest, weil Dein Herz, Deine Intuition, Dein „Instinkt“ Dir den Weg gezeigt haben.
Um jetzt für Dich weiterzukommen, brauchst Du nur zu handeln. So, wie der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe schon früher sagte: „Wirf Dein Herz über das Hindernis – und spring ihm nach.“
Dein ehrliches, nicht manipuliertes Herz, Deine innere Weisheit, Deine Seelenfreude und Zuversicht – sie zeigen Dir den Weg. Auch wenn die Strecke sich gabelt und dehnt.
Die Voraussetzung: Hab Vertrauen in Deine innere Stärke. „Vertrauen“ bedeutet nicht, „vertrauensselig“ zu sein. Allerdings: an sich selbst zu glauben. Sich selbst etwas zuzutrauen. Und: Fehler als Lernmöglichkeit zu akzeptieren. Denn aus Fehlern lernst Du. Versuchst Du sie zu vermeiden, bleibst Du verunsichert zurück. Deshalb: Entscheide Dich an der Weggabelung. Du kannst irren, ja. Du kannst scheitern, klar. Und Du kannst phantastische Erfahrungen machen.
Ich habe mir die Frage, ob ich mit 77 Jahren noch einmal von vorne starte, nochmal eine neue Praxis eröffne, nicht lange gestellt. Ich habe mich aus dem Bauch heraus entschieden. Egal, wie es ausgeht.
Wird fortgesetzt mit dem „Futter-Artikel“: Der Weg, der nicht begangen wurde.
In herzlicher Verbundenheit
Ihr Georg Rupp
