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36 Grad im Schatten

… und wie wir darüber denken 
Teil 2

Die kältesten Wochen bei uns in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren die Wintermonate 1962/63. Damals, mit 14 Jahren, bewunderte ich die Parade der Eiszapfen, die von allen Dachvorsprüngen herabhingen. Wahre Kunstwerke der Natur. Monatelang waren auch die Seen zugefroren. Mehrmals in der Woche versuchte ich, auf dem Eis mit meinen Schlittschuhen Kringel zu drehen. Oder mit geeigneten Stöcken Eishockey zu spielen. Mir wurde erst völlig warm … und dann – nach einiger Zeit – wieder ziemlich kalt.

In der Tat: Kalte Vorstellungen können Dich an sehr heißen Tagen locker abkühlen. Dazu fällt mir die folgende erstaunliche Erkenntnis als Argument ein: 

In der Hypnoseforschung machte vor einigen Jahren ein außergewöhnlicher Bericht die Runde. Ein Stahlarbeiter einer amerikanischen Firma übersah im Werk einen Spezialeimer mit siedend heißem Öl, trat hinein – und zog sich am Bein allerschwerste Verbrennungen zu. Der Werksarzt, ein ausgebildeter Hypnosetherapeut, war – wie der Zufall es will – ganz schnell am Ort. Und suggerierte dem Verletzten, er sei mit seinem Bein in eine eiskalte Gletscherspalte getreten. Das Bein sei in der Lage, diese unglaubliche Kälte in extremem Ausmaß zu spüren. Es könnte beinahe abfrieren, wurde ihm suggeriert.

Das Ende der Geschichte: Sein lädiertes Bein wurde nicht nur gerettet, es wurde auch wieder gesund. Was bis dahin als „Wunder“ galt: Selbst die Beinhärchen wuchsen wieder neu. Was für ein Glücksmoment! 

Also: Ändere mit Deiner Vorstellungskraft die gefühlte Temperatur: Von siedend heiß zu eisig kalt. 

Die letzten warmen Strahlen der Abendsonne färben den Tag rötlich ein. Keiner schmettert mir heute ein „O sole mio“ entgegen. Aber die Dankbarkeit für diesen zwar heißen, aber schönen Sonnentag kann mir niemand nehmen. Es bleibt eine Frage der Sichtweise. Die kannst Du ändern. Auch bei 36 Grad im Schatten. 

In herzlicher Verbundenheit

Ihr Georg Rupp