Ja, was jetzt? – Feiertage sind doch vorgegeben. Weihnachten, Ostern, Tag der deutschen Einheit … Also kirchliche und staatliche Gedenktage. Richtig. Aber – hast Du schon Deinen persönlichen Feiertag? Einen Tag, um Dich und Dein Leben zu feiern? Zu genießen, dass Du hier bist. Mitten unter uns!
Kommt nicht in Frage? Hast Du nicht verdient? Sack und Asche stehen Dir besser?
Ja, das dachte auch Andrea (Name geändert). „Ich habe ein ganz schwaches Selbstwertgefühl“, sagte sie beim Kennenlernen. „Ach“, erwiderte ich, „warum glauben nur so viele Menschen, dass sie weniger wert seien als die Nachrichtensprecherin, der Olympiasieger, die Sängerin oder die Nachbarin mit der guten Figur?“
Klar, daran ist meistens die Kinderzeit schuld. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass Menschen mit „Minderwertigkeitskomplexen“ falsche Bewertungen zugrunde legen. Sie verknüpfen nämlich das Ergebnis einer Handlung mit ihrem Wert als Mensch.
Andrea fuhr fort: „Wir sind im Team mit zwölf Kolleginnen und Kollegen. Ich musste in diesem Arbeitskreis einen kurzen Impulsvortrag halten. Die Zeit vorher war knapp – und ich war leider nicht perfekt vorbereitet. Dann sah ich in gelangweilte Gesichter. Da ist mir voll der Faden gerissen. Ich fühlte mich absolut blamiert. Hätte ich doch im Boden versinken können!“ – Und die Konsequenz? Andrea schaute ins Leere, schwieg eine Weile … und bekannte dann mit leiser Stimme: „Ich bin weniger wert als alle anderen!“
Was in der eigenen Denke fehlt, ist das Wichtigste überhaupt: nämlich das kleine Wörtchen „und“.
Versuche, doch einmal laut zu sagen: „Ich war schlecht auf den Vortrag vorbereitet – und ich bin als Mensch genauso viel wert wie vorher.“ Oder: „Der nette Typ vom Internet hat sich nicht mehr bei mir gemeldet – und ich bin als Mensch genauso viel wert wie vorher.“ Oder: „Ich habe mich beim Vorstellungsgespräch ungeschickt verhalten – und ich bin als Mensch genauso viel wert wie vorher.“
Ist das nicht toll?! Dein Wert ändert sich nicht durch das Ergebnis Deiner Handlung. Dein Wert bleibt, weil Du Mensch bist. Deinen Wert musst Du Dir nicht durch Leistung verdienen. So wie Du Dein Leben nicht „verdient“ hast. Du bist Teil der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst. Du bist geboren – und kannst Dein Leben und Deinen Wert nicht „verdienen“. Der innere Kern Deiner Persönlichkeit, Deine Seele, bleibt unantastbar – und verliert nie ihren Wert.
Deshalb: Feier Dich und Dein Leben. Schenk Dir einen Feiertag! Auch den hast Du nicht „verdient“. Es geht nicht um Belohnung. Es geht darum, dass Du Dich ehrst für das, was Du bist: ein unverwechselbares Original auf dieser Erde mit über acht Milliarden Menschen. Dein Fingerabdruck ist nicht kopierbar.
Sei gut zu Dir – und schenke Dir heute, spätestens am Wochenende, einen Tag ganz für Dich und Deine Liebe zu Dir selbst. Verwöhne Dich! Und wenn Du ganz offen bist, dann male Dir vor dem Wannenbad mit Lippenstift ein paar Herzen auf Deinen Körper. Besonders auf die Stellen, die Du so lange vernachlässigt hast. Klingt irre … aber mach’s doch einfach mal!
Wenn Du bereit bist, Dir einen „Feiertag“ zu schenken, hast Du es geschafft. Du bist es Dir wert!
So wie Andrea. Deren Geburt ins Selbstwertgefühl hinein alles andere als einfach war. Aber es gelang – Schritt für Schritt. Weil sie nicht mehr bereit war, sich selbst zu vernichten.
Gut so. Dann kann ich Andrea und Dir am Ende dieser Geschichte einen irischen Segensspruch mit auf Deinen Weg geben, der wie ein Same in Dir aufgehen wird:
„Möge immer die Sonne über Dir scheinen, göttliche Liebe Dich umgeben und das reine Licht in Dir alle Deine Wege beleuchten.“
Feier Deinen Tag!
Feier Dein Leben!
In herzlicher Verbundenheit
Ihr Georg Rupp
