Über einen Text von Paulo Coelho
Es ist die Zeit des Advents. Wie immer: Zu viel Hektik, zu wenig Ruhe. Zu viel auf der To-do-Liste, zu wenig Muße. Und der Glühwein am Stand auf dem Weihnachtsmarkt gaukelt uns eine Stimmung vor, die es in unseren Herzen meist nicht wirklich gibt. Oder spürst Du den Frieden in Dir – und um Dich herum?
Advent. Ankunft. Eine Zeit der Erwartung. – Im Grunde erwarte ich immer weniger. Das schenkt mir mehr Freiheit. Was sollen wir in dieser doch sehr chaotischen Welt schon erwarten?
Den Erlöser? Glaubenssache! – Ich finde, wir könnten die Weihnachtszeit aber sinnvoll nutzen, um uns zu versöhnen. Versöhnen mit uns selbst. Versöhnen mit der Partnerin, dem Partner. Versöhnen mit der Familie. Versöhnen mit Andersdenkenden, Andersgläubigen, Andershandelnden. Versöhnen mit dem Scheitern, versöhnen mit dem Leben, wie schwierig es auch immer sein mag.
Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho, 1947 geboren, bedankt sich dazu bei allen Menschen, die in seinem Leben Spuren hinterlassen haben. Wir könnten den Inhalt seines Gedichts auch philosophisch betrachten und feststellen: „Nichts ist ohne Sinn.“
Wir könnten aber auch niederrheinisch-heiter anmerken: „Alles ist für irgendwas gut!“ – Na, dann: Ein versöhnliches Jahresende!
Ich danke allen
(von Paulo Coelho)
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben.
Sie haben meine Phantasie beflügelt.
Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten.
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.
Ich danke allen, die mich belogen haben.
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.
Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben.
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.
Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben.
Sie haben meinen Trotz geschürt.
Ich danke allen, die mich verlassen haben.
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.
Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben.
Sie haben mich erwachsen werden lassen.
Ich danke allen, die mich verletzt haben.
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.
Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben.
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.
Ich danke allen, die mich verwirrt haben.
Sie haben mir meinen Standpunkt klar gemacht.
Vor allem aber danke ich all denen,
die mich lieben, so wie ich bin.
Sie geben mir die Kraft zum Leben!
Danke.
In herzlicher Verbundenheit
Ihr Georg Rupp
