I teach and write about books, slow mornings, and the occasional recipe that actually works—start with the essays.

  • Einst fand ein Fischer in seinem Netz eine Flasche mit einem Bleiverschluss.

    Er öffnete die Flasche und vor ihm erschien ein mächtiger Geist, der alle seine Wünsche erfüllen konnte.

    Der befreite Geist sagte zu dem Fischer: „Du hast drei Wünsche, die ich dir erfüllen werde. Was ist dein erster Wunsch?“

    Der Fischer dachte kurz nach, dann sagte er: „Ich möchte, dass du mir die Weisheit schenkst, um die richtige Wahl für die zwei anderen Wünsche zu treffen.“

    „Es ist schon geschehen,“ sagte der Geist. „Und was sind deine anderen Wünsche?“

    Der Fischer wurde kurz still.

    Dann sagte er: „Ich danke dir. Ich habe keine weiteren Wünsche mehr.“

    Verfasser unbekannt

  • In alten Sagen, im Heldenepos, ist derjenige der Mutige, der in sich seine Zweifel besiegt und handelt.

    Der Held wagt sich in Situationen hinein, in denen es keine Sicherheiten gibt, die noch niemand vor ihm ausprobiert hat. So war es mit Odysseus, so war es mit Kolumbus.

    So war es auch mit Muhammad Ali bei einem seiner letzten Kämpfe, von dem ihm jeder abgeraten hatte, weil er angeblich zu alt für einen Siegertypen war. Er musste gewaltig einstecken – aber mit dem letzten Schlag schickte er seinen jüngeren Gegner entscheidend zu Boden. Das nennt man „Kämpferherz“.

    Der Held ist der vom Bösewicht, das heißt, seinem Gegenspieler der Schattenwelt, in die Enge Getriebene. Man ahnt: Jetzt – oder nie. So in der Enge, so mit dem Rücken zur Wand… da muss der Held handeln. Jetzt muss er etwas machen, von dem er meist nicht weiß, ob es für ihn gut ausgeht. Es ist der „Showdown“ im Erfolgskino.

    Oft geht es noch nicht einmal darum, in dieser Situation das Richtige zu tun, sondern darum, überhaupt etwas zu tun. Aber nur an einem gleichwertigen Gegner kann sich der Held beweisen.

    Oftmals ist der größte Gegner – man selbst. Der größte Sieg ist deshalb oft der Sieg über die eigene Person, die eigenen Zweifel, die eigene Bequemlichkeit, die eigene Komfortzone.

    Wer nichts tut, macht keine Fehler.

    Ist das wirklich so? Gehören nicht die kleinen Verrücktheiten zum Leben? Geht es nicht darum, das Leben immer wieder neu zu erobern, sich Herausforderungen zu stellen? Und je größer das Hindernis, umso größer der Sieg, der Gewinn für uns?!

    Keiner von uns muss als Held ins Guiness-Buch der Rekorde eingehen. Aber die Maßstäbe zu ver-rücken und aus dem Bauch heraus handeln… das zeichnet den Mut als Vorboten der Lebensfreude aus.

    In herzlicher Verbundenheit

     Georg Rupp

     Das
    Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben
    . 

  • Das Herz spricht leise, aber tausendfach intensiver als die Stimme, die Du kennst und täglich in Deinen Gesprächen gebrauchst. 

    Die Stimme des Herzens kann wie Feuer sein, wie eine Glut, ein zündender Funke. Sie ist Zustimmung und Zuneigung. Die Sprache des Herzens ist die Sprache der Liebe. Sie führt Dich in eine unermessliche Tiefe, in das Heil Deiner Seele, in die raum- und zeitlose Erfahrung Deiner Selbst.

    Die Sprache der Liebe kennt keine Begriffe wie Angst und Furcht. Sie urteilt und verurteilt nicht. Sie schöpft aus der Überfülle des Lebens. Sie ist die engste Verbindung zu Gott. Sie ist der vollständige Einklang mit sich selbst, mit dem Anderen, mit der Natur und allen Elementen. Das Eins-sein mit der göttlichen Schwingung.

    In der Sprache des Herzens und der Liebe gibt es keine Fragen. Und es gibt keine Antworten. Es gibt nur eins: Das Hier und das Jetzt.

    Ich bin.

    Die Stimme der Liebe ist fraglos, geräuschlos – und doch so machtvoll. Sie drängt sich nicht auf. Besitzt andere nicht und gibt sich selbst nicht auf. Sie ist unangreifbar und führt keinen Kampf. Sie hadert nicht, sie überhöht und unterwirft sich nicht.

    Sie ist.

    Die Sprache der Liebe beansprucht nicht. Sie ist der Ausdruck reiner Seelentiefe und Harmonie. Eine Stimme tiefster Gewissheit: Alles ist eins. Es gibt keine Trennung. Weder zwischen Körper, Geist und Seele, noch zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur, Mensch und Gott.

    In der Sprache der Liebe ist alles verborgen – und liegt alles offen. Wer die Stimme der Liebe wiederentdeckt, hat das Labyrinth seines Lebens durchschritten. Er ist zum Zentrum zurückgekehrt.

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

    Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ von Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 Euro)

  • Umwege sind oft Meilensteine auf dem Weg der Erfahrung und Erkenntnis.

    Sind die Erfahrungen, die Du auf einem begradigten Flusslauf machen kannst, genauso vielfältig wie die Erfahrungen in den Windungen und Kehren eines natürlichen Flusses?

    Der begradigte Fluss schwemmt Dich ohne Anecken, ohne Verwundungen, ohne Verweilen, ohne Innehalten an ein Ziel.

    Bist Du dadurch reifer geworden? Bist Du dadurch reicher geworden – an Erfahrung, an Erkenntnis und Weisheit?

    Wie geht es Dir am Ziel, wenn Du nicht eins bist mit allem, was Dich ausmacht, was Du bist?

    Also, freue Dich über die Biegungen, die Kurven, die Tiefen und Strömungen Deines Lebensflusses und nimm sie dankbar an. Du kannst sicher sein: Umwege sind keine Irrwege.

    Was Du als Umweg betrachtest, ist notwendige Voraussetzung für Wachstum und Reife des ganzen Menschen.

    Ist das nicht Dein Lächeln, Deine innige Freude, Dein JA und Deine Liebe zu allem wert?

    In herzlicher Verbundenheit

    Georg Rupp

    Aus: Georg Rupp „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ (ISBN 978-3938270028, Preis 29,80 Euro)

  • 1. Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes
    Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren. Ich bin ohne Hoffnung. Es
    ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos, um wieder herauszukommen.

    2. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein
    tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

    3. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein
    tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein – aus
    Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene
    Schuld. Ich komme sofort wieder heraus.

    4. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein
    tiefes Loch im Gehsteig. Ich gehe drumherum.

    5. Ich gehe eine andere Straße.

    Sogyal Rinpoche

    gefunden unter: www.sinnige-geschichten.de

  • Der berühmte amerikanische Komponist und Dirigent Leonard Bernstein („West Side Story“) wurde ein halbes Jahr vor seinem Tode von einem jungen Reporter gefragt, ob er denn in seiner Jugendzeit auch mal daran gedacht hätte, etwas anderes zu werden als Komponist und Dirigent:

    „Haben Sie als Jugendlicher irgendwann einmal davon geträumt, einen anderen Beruf zu ergreifen?“
    Daraufhin antwortete Mister Bernstein: „Ich habe es immer gehalten mit einer alten Weisheit aus dem Zen, die besagt:

    „Wenn Du die Frage stellst, ist die Antwort …“

    Dann sprach er in den Augenblick der Stille hinein – leise, aber betont, das entscheidende Wort: „…nein.“„Wenn du die Frage stellst, ist die Antwort – nein!?“ wiederholte der Reporter irritiert. Es war ihm anzumerken – jede Nebelbank ist besser zu greifen als diese Aussage. 
    Unbeirrt durch die spürbare Hilflosigkeit seines Gegenübers erläuterte der Maestro:
    Wer wahrhaft liebt, der fragt nicht.
    Er liebt ja aus ganzem Herzen.
    Warum – und was – sollte er sich fragen?
    Wer von einer Idee beseelt ist, der fragt sich nicht:
    Ist das richtig?
    Lohnt sich die Umsetzung?
    Er ist erfüllt.
    Er macht und handelt aus vollem Herzen.
    Ich habe mich nie gefragt.
    Also war es ein guter und richtiger Weg.“

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp  

    Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80€)

  • Eine kleine Einführung in die Körpersprache.

    Jubelnde Sportler legen ihre Hände nicht an die Hosennaht, sondern recken, strecken, werfen ihre Arme gen Himmel, ballen ihre Hand zur Faust und stoßen sie in die Luft. Manche jubeln auch so extrovertiert, dass sie den Maschendrahtzaun in der Fankurve anspringen. Dieses ekstatische Beispiel von Jubel sieht man des Öfteren beim Fußball. Möglicherweise würde dieses “Seht her, ich war’s!“ noch von einem tarzanmäßigen Klopfen auf die Brust begleitet werden, wenn sich der Fußballheld nicht mit beiden Händen am Zaun festhalten müsste.

    Womit wir beim Thema Sternum wären. Es ist aus medizinischer Sicht das Brustbein des Menschen, welches sich in der Mitte Deiner Brust befindet. Berührst Du es, dann legst Du Hand an die Zentrale Deiner Gefühlswelt… ein erhebender Moment!

    Warum aber sieht man so selten Menschen, die im lauten Jubel das Sternum einbeziehen? Lauter Jubel ist exzessiv, nach außen gerichtet. Wenn man die Welt umarmen kann, hält man nicht inne. Der Olympiasieger läuft nicht mit auf der Brust verschränkten Armen durchs Ziel.

    Aber – kurze Zeit später, unmittelbar nach dem lauten Jubel, lässt sich diese Geste oft für einen flüchtigen Moment beobachten. Es ist die Geste, wenn man das Glück nicht fassen kann, Tränen des Glücks kommen wollen. Wenn man gerührt ist, eine stille, tiefe Freude spürbar wird. Dann allerdings greifen Sportler schon mal mit beiden Händen zum Sternum – als Zeichen inniger Gerührtheit. So wie Franziska van Almsick, die sich nach ihrem EM-Sieg in Weltrekordzeit – im wahrsten Sinne des Wortes – ans Sternum fasste.

    Als Nena („99 Luftballons“) vor einiger Zeit im Fernsehen interviewt wurde, ob sie nicht auch – wie andere Großverdiener – lieber in Luxemburg oder in Monaco leben würde, antwortete sie: „Ich lebe gerne in Deutschland. Ich sage das mit Stolz und Liebe.“ Dabei legte sie für einige Sekunden ihre Hand aufs Sternum.

    In innigen Szenen des Theaters, aber auch in der leichten und ernsten Muse des Gesangs, fällt diese Geste auf. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um seichte Schlagertexte („Ich lebe so, wie ich bin …“) handelt. um Hip-Hop („Ich habe dicke Pläne für mich …“) oder um Arien („Dein ist mein ganzes Herz“) – der Griff ans Brustbein ist oftmals zwar flüchtig und unbewusst, aber deutlich wahrnehmbar.

    Symptomatisch ist die Äußerung eines Bekannten, dem ich erstmalig von der Tatsache der Berührung des Sternums erzählte. Er erwiderte im Brustton der Überzeugung: „Das mache ich nicht!“ Beim Wort „ich“, schaute er an sich herunter. Zur eigenen Überraschung hatte er sich gerade auf das Sternum getippt.

    Dieser Hinweis ist nicht auf das „Ich“ beschränkt.

    Verzückung, Verklärung (wie in religiösen Darstellungen), Ergriffenheit, Enttäuschung, Gram, Freude, Glück, ebenso wie das Zusammenziehen bei der Angst… die Luft, die einem fehlt, wenn es einem den Atem verschlägt. Aber auch das stille Glück der Verliebten. Das Selbstbewusstsein, der Stolz auf die eigene Leistung.

    Alles das, was uns mit unseren Licht- und Schattenseiten ausmacht, findet hier einen Resonanzboden. Schwingt in dieser Seelentiefe. Alles, was das Herz berührt, was es ängstigt und erfreut, findet hier, in diesem Punkt, seinen Widerhall.

    Im Sternum ist das Leuchten der Seele, ist abgrundtiefe Trauer, ist das Scheitern wie auch der „Phoenix aus der Asche“, ist Zerfall und Auferstehung.

    Das Sternum ist somit auch der Dreh- und Angelpunkt für die Vielschichtigkeit – und Einzigartigkeit – menschlichen Lebens. 

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp

    Aus: „Das Sternum-Projekt: Die 7 Schlüssel für ein reiches Leben“ – Dr. phil. Georg Rupp (Macht Sinn GbR, 1. Auflage 2004, ISBN 978-3938270028, Preis 29,80€)

  • In einer alten Hindulegende wird berichtet, dass früher alle Menschen Götter waren. Die Menschen missbrauchten jedoch in einer furchtbaren Weise ihre Gottheit. 

    Brahma, der Gott über den Göttern, beschloss den Menschen die göttliche Macht fortzunehmen und an einem für sie unauffindbaren Platz zu verstecken. Das große Problem war, ein geheimes Versteck zu finden.

    Als Brahma die Mitgötter zusammenrief, um dieses große Problem zu lösen, machten sie folgenden Vorschlag: 

    „Lasst uns die Gottheit des Menschen in der Erde verbergen.“

    Brahma antwortete: „Nein, dies genügt nicht! Der Mensch wird graben und die Gottheit wiederfinden.“ 

    Da machten die Mitgötter einen anderen Vorschlag:

    „Dann lasst uns die Gottheit in der tiefsten Tiefe des Ozeans versenken.“

    Brahma antwortete auf diesen Vorschlag:

    „Früher oder später wird der Mensch auch die Tiefen aller Ozeane entdecken, dann wird er seine Gottheit wiederfinden und an die Oberfläche holen. Auch dieses Versteck ist nicht sicher.“

    Wieder überlegten die Mitgötter, wo denn die Gottheit des Menschen sicher verborgen werden könnte. Schließlich schlugen sie dem Brahma vor: 

    „Lasst uns die Gottheit in die entferntesten Entfernungen des Universums verbannen, von dort kann sich der Mensch die Gottheit nicht zurückholen.“

    Brahma hörte sich geduldig an, was seine Mitgötter ihm vortrugen. Dann antwortete er: 

    „Der Tag wird kommen, an dem die Menschen das All erobern und die Gottheit wieder an sich nehmen. Auch das Universum ist als Versteck nicht geeignet.“

    Da wussten die Mitgötter keinen Rat mehr:

    „Wo können wir die Gottheit verstecken? Es gibt weder auf der Erde, in den Meeren noch im ganzen Universum einen Platz, wo der Mensch sie nicht finden wird.“

    Brahma in seiner unendlichen Weisheit sprach:

    „Seht, was wir mit der Gottheit des Menschen machen! Wir verstecken sie im Tiefsten von ihm selbst, denn das ist der einzige Platz, an dem er nie danach suchen wird.“

    Seit dieser Zeit – so schließt die Legende – hat der Mensch die Welt erobert, hat sich aufgemacht, das Universum zu entdecken, ist getaucht, geflogen und hat gegraben, um etwas zu suchen, das nur in ihm selbst zu finden ist.

    Nach einem Text von Eric Butterworth

  • Eine kleine Philosophie der Ausstrahlung.

    Diamanten, so sagt ein Lied, sind die besten Freunde einer Frau. Das wurde schon aus berufenem Munde besungen. Und deshalb liegen sie manchmal strahlend rein oder bedeutungsschwer unter dem Weihnachtsbaum. Auch wir Männer können von Diamanten einiges lernen:

    Diamanten sind 

    • vor 2 Milliarden Jahren
    • in 200 km Tiefe
    • bei 1250° Celsius
    • und ca. 70000 Druckatmosphären
    • aus reinem Kohlenstoff entstanden.

    Sie brauchten eine lange, eine sehr lange Zeit, nämlich fast 2 Milliarden Jahre, bis sie durch vulkanische Eruptionen an die Oberfläche gelangen konnten. Die ersten Diamanten wurden ca. 800 vor Christus in Indien entdeckt.

    Es braucht also Druck, Hitze, Energie und Geduld, um die absolute Klarheit, Schönheit und Brillanz zu erlangen, um aufzusteigen in das Licht des Tages, in die Bewunderung und in die Faszination. Soweit zur Entstehung.

    Auch unser Herz ist wie ein Diamant.

    Auf geistig-seelischer Ebene bedeutet das: Auch die Qualität unseres Herzens, unser inneres Feuer, braucht eine Zeit der Entwicklung, der Reife, bis die Essenz, unsere eigene Faszination, spürbar wird.

    Wie wird ein Rohkristall zum Diamanten?

    Auf uns bezogen: Wie bekommen wir Ausstrahlung und Charisma?

    Schauen wir uns den Diamanten an: Jeder Diamant will ganz individuell behandelt werden, sonst sperrt er sich. Mit anderen Worten: Wir müssen die Struktur eines Diamanten genau lesen können.

    Der deutsche Mystiker und Benediktinerpater Willigis Jäger sagt: In jedem Roh-Diamanten wohnt ein Schmetterling, den wir freisetzen müssen. Dieses Bild zeigt uns:

    Wenn wir Menschen zu unserer Essenz kommen wollen, zur wahren Tiefe unserer Talente und zur Größe unserer Fähigkeiten, müssen wir nichts hinzufügen. Ganz im Gegenteil: Wir müssen etwas wegnehmen! Wir müssen etwas verlieren, um etwas zu gewinnen.

    Ein Meister des „Wegnehmens“ war der weltberühmte Künstler Michelangelo Buonarroti. Michelangelo, das große Genie, saß vor dem Marmorblock und begann die Skulptur des Davids zu
    gestalten. Nach der Vollendung seines Werkes, bewundert von seinen Zeitgenossen, sprach er: Ich sah im Marmorblock schon zu Beginn den David in seiner ganzen Anmut und Gestalt. Ich musste nur wegnehmen, was nichtDavid war.

    Ähnlich verhält es sich mit dem Gleichnis vom Rebstock – Johannes, Kapitel 15. Dort heißt es sinngemäß: Die Zweige, die keine reiche Frucht tragen, schlage sie ab. Dann kann alle Kraft in die Mitte, in den Stamm fließen, und der Rebstock wird – aus seiner Mitte heraus – viele und reiche
    Früchte tragen.

    Heißt das nicht für uns als Konsequenz:

    Vom Rohkristall zur Entwicklung unserer wahren Fähigkeiten kommen wir nicht, indem wir hinzufügen, sondern indem wir wegnehmen, indem wir uns konzentrieren. Indem wir loslassen und entfernen, was uns daran hindert, unsere ganz individuellen Qualitäten voll und ganz zu entfalten. Dies ist nur möglich durch Hingabe und Konzentration auf das, was jedem eigen ist, was jeder in unverwechselbarer Weise leben und geben kann.

    Dabei ist eines ganz klar:

    Du kannst nur geben, was Du besitzt.

    An einem Apfelbaum kann keine Zitrone wachsen. Es geht also nur mit der eigenen Persönlichkeit, nicht gegen sie.

    Der Diamant kann nur entlang seiner Kristallstruktur (= Veranlagung) verändert werden. Diamantenschleifer wissen: Ein Diamant „schreit“, wenn er gegen seine Struktur bearbeitet wird.

    Menschen, ein Team, eine Gesellschaft, können gegenseitig und füreinander „Diamantenschleifer“ sein. Ein Diamant muss den anderen bearbeiten. Beide reiben sich aneinander, damit sie in eine Form geraten, in der beide Ausstrahlung erlangen.

    Seien wir also – im besten Sinne des Wortes – „Schleifer“ füreinander. Helfen wir uns gemeinsam, an der richtigen Stelle, mit nie nachlassendem Mut und mit Herzlichkeit, unsere Talente auszuformen und zum Kern unserer Fähigkeiten zu gelangen. Aber merken wir uns auch: Aus einer Orange kann man keinen Pfirsichsaft pressen.

    Wenn der Ältere dem Jüngeren, der Kreative dem sorgfältigen „Arbeiter“, der Gefühlsbetonte dem Verstandesmenschen (und umgekehrt) mit Rat und Tat, mit „Schleifstein“ und Herzlichkeit, mit Förderung und Forderung zur Seite steht, werden wir unser inneres Licht, unseren innewohnenden „Diamanten“ nach außen tragen und erstrahlen lassen können.

    Nur wenn wir von innen strahlen, haben wir Ausstrahlung. Nur dann können wir andere für uns einnehmen und für das, was uns am Herzen liegt: Die Lebensfreude, die Kultur, die Freundschaft und die Dankbarkeit. 

    Hätten Sie gedacht, dass wir von einem Diamanten soviel lernen können?

    In herzlicher Verbundenheit
    Georg Rupp

  • Wo soll ich anfangen?

    Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst. Du fragst: „An welchen?“

    An den Punkt, wo das Herz hart wird.

    Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.

    Warum solltest einzig Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selbst? Ja, wer mit selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?

    Denk‘ also daran: Gönne Dich Dir selbst.

    Ich sage nicht: „Tu das immer.“ Ich sage nicht: „Tu das oft.“

    Aber ich sage: „Tu das immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

    Bernhard von Clairvaux (1090-1153) in einem Brief
    an Papst Eugen III.