colorful balloons with confetti

Helau, Alaaf der Narretei!

Alles nicht mehr so wichtig … Ja, es gab eine Zeit, da war ich im wahrsten Sinne des Wortes „jeck“. Verrückt nach Karneval. Oder, wie bei uns in Krefeld die Steigerung von „jeck“ heißt: „stapelsjeck“. Also: „jeck“ hoch gestapelt zu einem Rausch der saisonalen Beklopptheit. 

So „richtig schön bekloppt“! Drei tolle Tage außerhalb von „normal“. 

Als Claudia und ich heute vor genau dreißig Jahren, nämlich 1996, die Rolle des Prinzenpaares im Krefelder Karneval übernahmen, war es ein Leben am Limit. 225 mal auf den verschiedensten Bühnen, vor vollbesetzten Sälen. Aber auch in den kleineren Aufenthaltsräumen von Altenheimen. In Kitas, Schulen – und auch im Hospiz. Gesungen, gerappt und Blödsinn erzählt. Vor allem gelacht und Freude gebracht.

Unser Karneval war politisch. Philosophisch und schräg. Beeinflusst von „Dada“, dem gefeierten Unsinn. Eine begeisternde Hofnarren-Zeit.

Wir lebten unser Motto „Kunst, Kultur und Kokolores“. Vor allem aber ein dreifaches: „Freud tusame!“ Also: Freude, die wir gemeinsam rocken!

Morgen ist Rosenmontag.

Was ich mich heute, dreißig Jahre danach, frage: Brauchen wir drei außergewöhnliche Tage oberhalb des Limits, um danach wieder in die Spur zu kommen? Ab Aschermittwoch etwa? – Neben der Spur ist es doch auch ganz schön …

Die heutige Jugend sieht manches sicher anders. Die feiert sowieso eine Form von „Ganzjahreskarneval“. Dazu gehören Halloween und Festivals und Motto-Partys. Hedonistisches Sich-selber-feiern ohne Ende.

Ich brauche gerade, mit 77 Jahren, nicht mehr so sehr das Außen. Aber ich liebe meinen „inneren Hofnarren“. Jene Figur, die mir aus der Seele heraus meine Schwächen widerspiegelt, mir die Leviten liest, mein Gewissen und Korrektiv ist. Die mich beruhigt, wenn ich meine, noch ein paar Stunden an den Karneval dranzuhängen. Meine Kraft dafür aber nicht mehr reicht. Die mich aufmuntert, wenn ich träge zu werden drohe. Mein „innerer Hofnarr“ ist weiser Uhu und Harlekin zugleich.

Und was empfiehlt mein „innerer Hofnarr“ Euch, den jüngeren und jungen Menschen?

Im Karneval schrieb ich meinen „Spaß- und Freud-Rap“, den ich 1996 auf der CD „Freud tusame!!!“ veröffentlicht habe. Ich denke, er macht heute noch Sinn. Und der geht so:

„Mensch, sei für Dich ein Experiment! Bring Spannung in Dein Leben!

Und wenn Du spürst, Dir ist danach, dann tanz und zappel eben!

Spaß ist gesund! Riskier mal was – und lass die Fetzen fliegen!

Es muss nicht Felsenklettern sein, um Dich selbst zu besiegen!

Sei einfach Du, sei mal der Clown – und schneid vorm Spiegel Fratzen!

Dann blas die Bäckertüte auf, hau drauf – und lass sie platzen!

Ja, sei so jung und so verrückt – verrückt heißt „sich ver-rücken“,

weg vom normalen Alltagstrott sich selber mal entzücken.

Und red Dir nicht noch ständig ein: Was denken denn die Leute?

Das ist doch wurscht! Drum grübel nicht – Du lebst nur hier und heute!

Denn das Leben ist ‘ne Bühne und Du bist der Regisseur,

produzierst Dein eignes Stück – und darum mach es Dir nicht schwer!

Bist der König Deiner Rollen und zugleich der Intendant. 

Inszenier Dich, leb Dich aus – jawohl, Du hast es in der Hand!

Denn es geht um Lebensfreude und erst sekundär um Geld.

Du bist frei geboren – mach dein Spiel in dieser Welt!“

(Text: Georg Rupp)

An alle Menschen, die ihr Narrenherz auf dem richtigen Fleck tragen:

Genießt, was der Tag Euch bietet!

Heute mit einer roten Clownsnase im Gesicht

und tiefer Verbundenheit im Herzen 

Ihr Georg Rupp