auf der Weltausstellung EXPO 2000
Wie er aus einem Traum entstand …
Dieser Raum ist nicht am Reißbrett entstanden. Ich habe ihn im Sommer 1991 geträumt. Die ganze Konzeption ist mir symbolisch im Traum erschienen. Später nannte ich ihn den „Zeit-Raum“. Was so viel bedeutete wie: Nimm Dir Zeit in diesem Raum. Genieße Deine Auszeit. Komm herunter, entspanne und zentriere Dich – und tanke wieder auf. Kurz und gut: Komm zur Ruhe. Finde Deine innere Mitte.
Vorausgegangen war folgende Episode:
Auf einer Fahrt nach Südfrankreich im Sommer 1991 legten wir einen Halt in Aix-en-Provence ein. Im Zentrum befindet sich der breite Cours Mirabeau mit vielen Straßencafés. Sehen und gesehen werden, heißt dort das Gesellschaftsspiel an Sonnentagen.
Als wir draußen Platz genommen hatten, fiel mein Blick auf einen der drei (heute nur noch zwei) vermoosten Felsenbrunnen auf der Mittelachse der Platanenallee. Sehr erhaben und stoisch standen sie mitten auf der Fahrbahn. Alle Autos und Mopeds mussten ausweichen und rechts herum vorbeifahren.
Von der Oberkante der Felsen tropfte Wasser in das große steinerne Auffangbecken. Flechten und kleine Farngewächse hatten auf den felsigen Steinen ihre Heimat gefunden. Diese Brunnen faszinierten mich eine lange Zeit, so dass ich mir ein zweites Kännchen im Straßencafé bestellte. Der Brunnen thronte geradezu vor meinen Augen. Er hatte sich voll in meinen Fokus geschoben.
Zwei Wochen später wieder zu Hause. Ich wurde Teil eines surrealistischen Traums, der heute noch wie ein reales Erlebnis in meinem Langzeitgedächtnis gespeichert ist.
Ich träumte von einer Riesenblüte, ungefähr sieben Meter im Durchmesser. Sieben übergroße Blütenblätter rollten sich hoch und boten Schutz und Halt für sieben Menschen, die jeweils in einem dieser Blütenblätter saßen und sich auf den Blütenstempel ausgerichtet hatten. Ich spürte tief im Innern, dass sie mit Blick zur Mitte der Blume in ihre eigene Mitte hinein meditierten. Der Blütenstempel aber war einer der Felsenbrunnen vom Cours Mirabeau.
Als ich am Morgen erwachte und mich in bunten Farben an diesen bewegenden „Film“ erinnern konnte, wurde mir schlagartig klar: Das ist eine Botschaft. Und ein Auftrag.
Also suchte ich umgehend nach Innenarchitekt:innen, die bereit waren, mit mir gemeinsam ins Risiko zu gehen und diesen Traum in ein lebendiges und heilsames Konzept zu verwandeln.
Daraus entwickelte sich der „Zeit-Raum“ als Entspannungs- und Kreativraum für Firmen und Hotels. Sowie als Höhle und Ruheinsel für hunderttausend Besucher:innen der EXPO 2000 in Hannover.
Dazu passt George Bernard Shaw (1856-1950). Er wird mit den Worten zitiert: „Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?“
Vielleicht können wir alle daraus lernen, unseren Träumen mehr Raum zu geben. Und den besten zu folgen. Sie kennen den Weg.
In herzlicher Verbundenheit
Georg Rupp