Kein Schwein ruft mich an …

telephone on the table

Teil 1

… keine Sau interessiert sich für mich … sang einst Max Raabe mit seinem Palast Orchester. 

Ja, da haben wir es wieder mal. Kontaktmangel, Einsamkeit, Alleinseinsstress … und nicht zu wissen: Wie ändere ich das?

Max, 23 Jahre jung (Name geändert), zog aus beruflichen Gründen vom Norden Deutschlands an den Niederrhein. Auf der Arbeit fand er zunächst wenig Unterstützung. Keine verlässlichen Kontakte, keine Freundschaften. 

Aber er hatte eine Strategie: „Ich suche nach dem Schneeball-Prinzip“, sagte er mir. „Oder nach dem Muster der rollenden Steine“, erwiderte ich.

Wir lernten uns in einem Kurs der Volkshochschule kennen, den Claudia und ich vor Jahrzehnten anboten. Titel: „Kontakte für ein gutes Leben“. Also: Wie schaffe ich Begegnungen? Wie beginne ich ein Gespräch? Wie halte ich den roten Faden? Wie verabrede ich mich?“ Vom Blickkontakt – über ein Lächeln – bis zum ersten Satz. Oder der ersten Frage.

Was Max zunächst lernte: Stelle offene Fragen. Also nicht: Findest Du den Song gut? Denn durch die kurze Antwort „ja“ oder „nein“ kommst Du nicht in den Redefluss. Wohl aber durch eine offene Frage, die alle Antwortmöglichkeiten bietet. Da heißt es beispielsweise: „Wie findest Du den Song?“

„Warum? Weshalb? Wie? Was? Wo? …“ Alle „W-Fragen“, also Fragen mit dem Anfangsbuchstaben „W“, helfen Dir, ins Gespräch zu finden.

In diesem Seminar übten wir, wie es funktioniert, in einer Kneipe an den Tresen zu gehen und dort jemanden – aus Übungsgründen – anzusprechen. „Hallo!“ … reicht natürlich nicht. Aber: „Das Bier war hier auch schon mal besser gezapft!“ kann Solidarität auslösen. Natürlich auch Unverständnis. Aber Risiken sind ja nie auszuschalten.

Na, jedenfalls der zweite Satz am Tresen als „W-Frage“: „Wo kommst Du her?“, eröffnet alle Möglichkeiten. Die Antwort im Rollenspiel des Seminars: „Ich wohne am Starnberger See“, befeuerte die Kreativität aller. Wir fanden achtzehn verschiedene Möglichkeiten, um die nächste Frage anzuschließen. Und allen wurde klar: Wir können ganz einfach trainieren, gut in ein Gespräch zu kommen. 

Wird fortgesetzt

In herzlicher Verbundenheit

Ihr Georg Rupp 

Dr. Georg Rupp

Georg Rupp, 1948 in Krefeld geboren, ist seit 1975 als Psychologischer Psychotherapeut tätig.
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